Fettarm und zuckerreduziert Wie sinnvoll sind Light-Produkte wirklich?

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Viele Produkte werben damit, zucker- oder fettreduziert zu sein. Doch sparen sie dadurch auch Kalorien und sind gesünder? Die Stiftung Warentest hat zahlreiche Produkte genauer geprüft.

Bei fettarmen Joghurts wird mitunter mehr Zucker hinzugefügt, damit der Geschmack nicht leidet. Auch die Anzahl der Kalorien sinkt dadurch nicht immer. Foto: dpa/Alexander Blum
Bei fettarmen Joghurts wird mitunter mehr Zucker hinzugefügt, damit der Geschmack nicht leidet. Auch die Anzahl der Kalorien sinkt dadurch nicht immer. Foto: dpa/Alexander Blum

Berlin - Sie werben mit dem Aufdruck „30 Prozent weniger Zucker“, sind fettreduziert und fettarm oder versprechen einen „leichten Genuss“: Etwa 20 Prozent der Deutschen greifen einer Forsa-Umfrage zufolge häufig zu Light-Produkten. Die Produkte scheinen gesünder zu sein als die herkömmlichen. Doch ist das wirklich so?

Die Stiftung Warentest hat 77 exemplarisch ausgewählte Light-Produkte aus deutschen Supermärkten getestet – etwa Müsli, Margarine, Ketchup oder Milchprodukte. Mit dem Ergebnis: Die meisten Produkte lösen ihre Versprechen ein, weil sie viel Fett oder Zucker einsparen, ein Großteil auch Kalorien. Doch in jedem zweiten Light-Produkt steckt dafür etwas anderes: „Sie erkaufen sich die versprochene Ersparnis mit ungesunden Fetten, umstrittenen Süßstoffen oder Zusatzstoffen, die viele Verbraucher meiden wollen“, schreiben die Autoren von Stiftung Warentest. Das Problem ist: Zucker und Fett lassen sich selten ersatzlos reduzieren, oft leiden Geschmack oder Konsistenz.

Der Kalorienanteil kann beim Light-Produkt genauso hoch sein

Nicht zwingend sind fett- oder zuckerreduzierte Lebensmittel daher auch kalorienärmer als herkömmliche Produkte. Was „light“ oder „leicht“ genau bedeutet, legt eine EU-Verordnung fest. Laut Verbraucherzentrale muss genau angegeben werden, wodurch das Lebensmittel „leicht“ wird – etwa durch weniger Fett. Ein Light-Produkt muss dann mindestens 30 Prozent weniger Fett enthalten als das vergleichbare. Tatsächlich kann dies aber bedeuten, dass der Kalorienanteil des Lebensmittels beim Light-Produkt genauso hoch ist wie beim Original. Die Hersteller setzen fettreduzierten Lebensmitteln häufig Zucker zu, um geschmacklich nachzubessern.

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Die Stiftung Warentest rät daher dazu, die Nährwerttabellen des Standard- und des Light-Produkts zu vergleichen. Dort ist etwa der Kaloriengehalt ablesbar. Denn um abzunehmen, sollte man die Kalorienzufuhr insgesamt reduzieren. Auch die ungünstigen gesättigten Fettsäuren sind hier verzeichnet.

Mitunter steckt Palmfett in den Produkten, häufig auch viel Zucker

So steckt in einigen Light-Versionen von Crème fraîche etwa Palmfett mit vielen gesättigten Fettsäuren, zudem häufig Zusatzstoffe wie Gelatine. Hier rät Stiftung Warentest dazu, beim Kochen zu Sahne zu greifen und diese mit Milch zu verdünnen. Auch viele Joghurts werben damit, fettreduziert zu sein, enthalten dann allerdings viel Zucker. Wer zu naturbelassenen Milchprodukten ohne Früchte oder Aromen greife, könne dies umgehen, raten die Testautoren.

Fett und Kalorien sparen könne man dagegen laut Stiftung Warentest bei fettreduzierten Frikadellen, Salami, Käse oder Halbfettmargarine. Bei einigen zuckerreduzierten Müslis werde ein Teil des Zuckers durch Vollkorn oder Mandeln, also durch komplexe Kohlenhydrate, ersetzt – auch das sei durchaus sinnvoll. Honig oder Agavendicksaft dagegen sind genauso zucker- und kalorienreich wie Haushaltszucker.