Filder/Esslingen Für die Fildertafel wird Corona zum Überlebenskampf

Die Corona-Krise hat viele Menschen arm gemacht. Sie sind angewiesen auf billige Lebensmittel. Die finden sie in den Tafelläden, doch diese haben zunehmend selbst Probleme, sich über Wasser zu halten.

Tafeln sehen sich auch als Lebensmittelretter. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski
Tafeln sehen sich auch als Lebensmittelretter. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Filder/Esslingen - Im Herbst rechnet Tanja Herbrik mit einem Ansturm, der traurig stimmt. Schon jetzt würden eindeutig mehr Menschen zu den Abgabestellen der Fildertafel kommen. „Auch auf den reichen Fildern gibt es Armut“, sagt Tanja Herbrik. Und die wächst seit der Corona-Krise. Die Fachbereichsleiterin Armut und Beschäftigung beim Kreisdiakonieverband Esslingen leitet das aus verschiedenen Beobachtungen ab. Zum Beispiel kämen jetzt mehr Leute in die Tafelläden. Und bei den Kleidern würden die Leute zwar gern stöbern, doch kaufen würden nur die wenigsten etwas. „Sie sagen: Das kann warten. Sie kaufen lieber Lebensmittel.“

Die Corona-Krise ist für die Fildertafel zu einem Überlebenskampf geworden. Im absoluten Lockdown war zu, dann dürfen die Ausgabestellen um Ostern herum wieder öffnen, wenn auch eingeschränkt. In die Normalität sind die drei Standorte der Fildertafel – Bernhausen, Echterdingen und Nellingen – noch längst nicht zurückgekehrt, sagt Herbrik. Die Öffnungszeiten sind reduziert, die Waren auch. Und leider ist der Umsatz fürs erste Halbjahr katas­trophal: 50 Prozent weniger. Am Jahresende, wenn abgerechnet wird, erwartet Herbrik alarmierende Zahlen. Zu Beginn der Corona-Krise seien „beeindruckend“ viele Spenden eingegangen. Das sei inzwischen abgeebbt. In den letzten drei, vier Wochen sei kein Euro auf dem Konto eingegangen. Auch deshalb begrüßen Herbrik und ihre Kollegen die Initiative des Bundesverbandes: Die Tafeln fordern Hilfe vom Staat. Für sie müsste auf lokaler, Landes- und Bundesebene Geld in den Haushalten bereitgestellt werden. Spätestens die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Lebensmittelversorger dringend hauptamtliche Mitarbeiter brauchen. Auf ganz Deutschland bezogen gehören 70 Prozent der Ehrenamtlichen zur Risikogruppe.

70 Prozent der Helfer sind Risikogruppe

Auch bei der Fildertafel sind in der Corona-Krise viele Helfer weggebrochen. Während des Lockdown konnten das Hauptamtliche aus anderen Bereichen des Verbands auffangen. Doch sie sind inzwischen wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Daher sucht die Fildertafel neue Freiwillige, um den Betrieb am Laufen zu halten. „Es wäre furchtbar, die Menschen nicht mehr versorgen zu können“, sagt Herbrik. Zumal die Leute es gerade jetzt besonders bräuchten. „Es gibt viele Verlierer in der Corona-Krise. Das nehmen wir mit Erschrecken wahr.“




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