In Kentucky läuft Luca Madeo für die Cumberlands. Foto: /privat
Der LG-Filder-Leichtathlet Luca Madeo legt in der Ferne einen Aufstieg hin, der ihn selbst staunen lässt. Auf dem Weg zur erhofften Profi-Karriere geben ihm nicht nur sportliche Faktoren das nötige Vertrauen.
Universitätsleben in den USA – allein aus diversen Filmen stellen sich die meisten Menschen wohl einen Alltag voller Partys mit Alkohol und Fast Food vor. Luca Madeo verzichtet auf beides bewusst. Mittels Stipendium studiert er in Kentucky und legt dabei alles auf eines aus: Er will Profi-Leichtathlet werden. Vor dreieinhalb Jahren spielte er noch Fußball in der Jugend des SV Sillenbuch, zuletzt in der Bezirksstaffel, nun ist er als Läufer Spezialist für die Langstrecken über drei, fünf oder zehn Kilometer – egal ob in der Halle, auf der Tartanbahn oder im Gelände. Unangetastet bleibt davon seine Vereinszugehörigkeit in hiesigen Landen. Dort gilt weiterhin: LG Filder.
Madeos Studium der Sport- und Ernährungswissenschaften an der University of the Cumberlands in Williamsburg wird durch ein Vollstipendium finanziert. Er wohnt in einem Einzelzimmer des Studentenwohnheims auf dem Campus. Das Unigebäude, die Kantine sowie die Laufbahn erreicht er in weniger als fünf Fußminuten. Letzteres ist besonders wichtig für den 21-Jährigen. „Mein ganzes Leben dreht sich nur noch ums Laufen“, sagt Madeo. In zehn bis 14 Trainingseinheiten pro Woche spult der Ex-Kicker bis zu 150 Kilometer ab. Im Studium lernt er zudem Grundlagen, und auf seinem Teller landet nur gesundes Essen – wie gesagt, kein Fast Food wie Burger oder Hotdogs. „Warum sollte ich meinem Körper auch schaden?“, sagt Madeo.
Madeo bleibt erstmals unter einer halben Stunde
Im August des vergangenen Jahrs ging es aus seinem Zuhause im Scharnhauser Park (Ostfildern) in den US-Südstaat. Durch den permanenten Fokus auf den Sport bemerkt Madeo große Fortschritte. Im Herbst trumpfte er bereits bei Cross-Meisterschaften auf, im März jubelte er bei nationalen Hallen-Universitätsspielen. In South Dakota gewann er über 5000 Meter Bronze. Im Ziel war er nach 14:34 Minuten. Zu vorherigen LG-Filder-Zeiten hatte er für die gleiche Distanz noch 31 Sekunden länger gebraucht. Zudem knackte Madeo zuletzt eine weitere, besondere Marke. Bei den „Raleigh Relays“ in North Carolina legte er die 10 000 Meter erstmals in weniger als einer halben Stunde zurück. Mit 29:57,91 Minuten führt er aktuell die deutsche U-23-Jahresbestenliste an.
Die Betreuung durch mehrere Trainer sowie eine breitere Förderung, hinter der finanziell größere Mittel als in Deutschland stecken, machen es möglich. Dabei war Madeo auch in seinem Heimatland nach dem Sportartwechsel schnell auf Touren gekommen, wurde auf Anhieb mehrfach baden-württembergischer Meister. „Die Bombe ist in den letzten Jahren so richtig geplatzt“, sagt der Sohn einer Deutschen und eines Halb-Italieners. „Das kann sich eigentlich kein Mensch ausmalen, meine Leistungssprünge sind gigantisch.“
Luca Madeo in den USA bei den Cumberlands. Foto: privat
Olympia muss es nicht unbedingt sein
Schon als Kind rannte er viel, beim Fußballtraining in Sillenbuch wiesen ihm die Trainer laufintensive Positionen als Rechtsverteidiger oder im zentraldefensiven Mittelfeld zu. „Das Training hat mich eigentlich nie ausgelaugt“, erinnert Madeo sich. Als er damals noch zur Waldorfschule auf der Uhlandshöhe ging, hatte er freilich nicht gedacht, dass ihm eine Profi-Karriere als Läufer bevorstehen könnte. Sein sportliches Highlight in diesem Jahr: die deutschen Meisterschaften der U-23-Junioren. Wenn im Juli in Mönchengladbach der Startschuss ertönt, wird Luca Madeo aller Voraussicht nach zu den Topfavoriten zählen.
Bei aller Professionalität steckt er sich aber nicht das Ziel, von dem wohl die meisten Sportler träumen. „Ob es Olympia wird, weiß ich nicht. Das muss man realistisch sehen“, sagt er und fügt etwas bescheidener an: „Ich würde international gerne einmal für Deutschland laufen. Erst geht es aber darum, immer schneller zu werden. Ich gehe Schritt für Schritt.“ Das war schon unter dem Mann so, dem er nach eigener Aussage viel zu verdanken hat: dem Trainer Rudi Persch, der Madeo noch heute auch aus der Ferne oder bei Heimatbesuchen coacht. „Er hat mich entdeckt und groß gemacht“, weiß der Filder-Athlet.
Der Glaube an Gott hilft dem Läufer
Nun, da Madeo kurz vor dem Sprung zum Profi-Dasein steht, möchte er seine Chance mit großer Aufopferung nutzen. „Ich bin so weit gekommen, es würde sich nicht lohnen, jetzt aufzugeben“, sagt er, den sein Studium zudem für einen beruflichen Plan B vorbereitet. Plan A, das Laufen, verfolge er indes auch, um seine „Familie stolz zu machen“. Dabei ließ er sich durch eine mehrmonatige Wettkampf- und Trainingspause im vergangenen Sommer nicht aus der Bahn werfen. Wegen starken Eisenmangels im Blut musste Madeo aussetzen. Mittlerweile ist aber alles wieder gut, wie regelmäßige ärztliche Untersuchungen zeigen. Diese gehören ebenso zu den angebotenen Leistungen, die Madeo in den USA beziehen kann, wie beispielsweise Gespräche mit einem Therapeuten. Über mentale Stärke, ein wichtiges Kriterium im Laufsport, verfüge er allerdings sowieso. Ohne diese würde es in engen und oft auch taktisch geprägten Rennen schwierig.
Das Vertrauen in sich selbst zieht Madeo derweil auch aus seinem religiösen Glauben. Er wurde römisch-katholisch erzogen, geht sonntags in die Kirche, und ein Gebet vor und nach jedem Wettkampf darf nie fehlen. „Ich denke, Gott ist der größte Baustein für meinen Erfolg“, sagt er, und erkennt: „Das Laufen hat mich meinem Glauben noch näher gebracht.“ Die Auslandserfahrung distanziert ihn zwar von seiner Familie und der Heimat, was er bedauert, für den sportlichen Erfolg aber gerne in Kauf nimmt. „Ich könnte mir vorstellen, länger als für die vier Jahre Studium in den USA zu bleiben“, sagt Madeo. Erst recht, wenn es sportlich so erfolgreich weiter geht.