Filder Warum kommen Schleichwegfahrer so oft glimpflich davon?

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An einigen Stellen haben Städte erschreckend wenig Handhabe gegen Schleichwegfahrer. Doch warum beißen sie sich derart die Zähne daran aus, die geltenden Verbote durchzusetzen? Beispiele von der Filderebene.

Solche Schilder – wie hier in Sonnenberg – beeindrucken nicht jeden. Foto: Archiv Kai Müller
Solche Schilder – wie hier in Sonnenberg – beeindrucken nicht jeden. Foto: Archiv Kai Müller

Filder - Es gibt Routen, die sind für Autofahrer illegal, was viele aber nicht schert. Manche haben sich zu regelrechten Pendlerstrecken entwickelt. Auch auf der Filderebene gibt es dafür zahlreiche Beispiele (zum Beispiel Kasten unten). Doch warum fällt es Städten mancherorts so schwer, die Verbote durchzusetzen?

So groß sind die Probleme mit Schleichwegen auf den Fildern

Schleichwege sind ein Problem, sagt Andreas Hemmerich, als Verkehrsplaner der Stadt Stuttgart unter anderem für die Filder zuständig. Vielerorts würden Autofahrer überraschend hartnäckig geltende Regeln missachten. Besonders penetrant würden sie genutzt, wenn sie dem Autofahrer eine Zeit- oder Streckenersparnis einbringen. Letzteres bestätigt Gerd Maier, der Leiter des Ordnungsamts von Leinfelden-Echterdingen. Sobald sich der Verkehr auf der B 27 und in den Ortsdurchfahrten staut, „wird das Problem mit den Schleichwegen massiver“, sagt er. Heißt wohl: oft. Denn wer regelmäßig auf der Filderebene unterwegs ist, weiß, dass der Pendlerverkehr fast täglich ins Stocken gerät.

Warum sich die Städte schwer damit tun, die Verbote durchzusetzen

In vielen Fällen sind den Städten die Hände gebunden. Sie können den Schleichweg nicht verbarrikadieren, weil es berechtigte Interessen dagegen gibt. Beispiel Sillenbuch: Dort nutzt eine beachtliche Zahl an Autofahrern regelmäßig und verbotenerweise einen Hohlweg nach Rohracker. Poller will die Stadt vermeiden, denn die Kleingärtner, die zwischen Sillenbuch und Rohracker ein Stückle haben, sehen damit große Umstände auf sich zukommen. An anderen Schleichwegen ist laut Andreas Hemmerich ein Problem, dass der Bus durchfahren darf. Auch da helfen Poller nicht weiter.

In Echterdingen an der Alten Poststraße hat die Stadt sich schwergetan, eine Lösung zu finden gegen die illegalen Abkürzer zwischen Echterdingen und Steinenbronn. Im vergangenen Jahr hat sie eine Schranke installiert. Den Schlüssel haben einige: die Betreiber der Walzen- und der Schlösslesmühle, Forstmitarbeiter, Landwirte oder der Rettungsdienst. Immer wieder steht die Schranke dem Vernehmen nach offen. Warum, darauf hat Gerd Maier keine Antwort. Er sagt stattdessen: „Ich gehe davon aus, dass sie gerade zu ist.“

Diese Maßnahmen können gegen Schleichwegfahrer helfen

Im Wesentlichen gibt es drei gängige bauliche Möglichkeiten, Abkürzer auszubremsen: Schranken, Poller oder Steine. Schranken würden nur noch spärlich eingesetzt, sagt der Stuttgarter Verkehrsplaner. Sie seien nicht ohne für Radler. Nicht immer sei es aber möglich, eine physische Sperre einzurichten. Immer häufiger im Gespräch sind automatisch versenkbare Poller. Die Stadt Stuttgart zeigt sich hier allerdings bisher skeptisch. Es gebe viele technische Fragezeichen, sagt Hemmerich. Hinzu kommt, dass derlei Poller sehr teuer sind. Beim Kauf, aber auch beim Unterhalt, weil eben oft etwas kaputtgeht.

Das sagen die Städte zum Thema Kontrollen

Für Schleichwege, an denen Verkehrssündern nicht mit Pollern oder anderen Sperren beizukommen ist, helfen nur: Kontrollen. „Die werden aber immer nur stichpunktartig sein“, sagt Hemmerich. Die Polizei argumentiere, sie kümmere sich vorrangig um Straftaten und erst dann um Schleichwege. Die Kapazitäten seien schlicht nicht vorhanden. Fakt ist: Wenn der Autofahrer wisse, er werde von 100 Fällen einmal erwischt, werde er das Risiko weiter eingehen, vermutet Hemmerich. In Leinfelden-Echterdingen ist dies ganz ähnlich. Über Beschwerden bekäme die Stadt einen guten Eindruck, wo es gerade brenne, dann würden Schwerpunktkontrollen angesetzt. Und die würden laut Maier durchaus eine gewisse Wirkung zeigen.

Diese Strafe blüht einem, wenn man einen Schleichweg nutzt

Die Strafen für Schleichwegfahrten sind bundesweit einheitlich. Wer erwischt wird, wo er nicht fahren darf, hat ein Verwarnungsgeld von 20 Euro zu befürchten, erklärt Gerd Maier aus Leinfelden-Echterdingen. „Das kann bei Vorsatz bis auf das Doppelte erhöht werden.“ Mit Vorsatz ist beispielsweise gemeint, dass der Sünder zum vierten Mal auf demselben Schleichweg erwischt wird oder ob er sich bei der Kontrolle reumütig oder frech gibt. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen habe zudem noch eine andere Strafe in petto. Wenn sie sich auf einer Straße befinden, die man teils befahren darf, „dann schicken wir die Leute wieder zurück“, sagt Maier. So werde aus dem zeitlichen Vorteil ein Nachteil. „Das ist etwas, das schwer beeindruckt.“

Die Schleichwege auf der Filderebene im Überblick

Die Alte Poststraße verbindet Echterdingen mit Steinenbronn. Die Strecke ist großteils für Autos tabu. Doch das Verbot wird hartnäckig ignoriert. Die Stadt hat 2018 eine Schranke auf Höhe des Ausflugslokals Schlösslesmühle installiert. Bloß: Die Schranke steht immer wieder offen, warum auch immer.

Ein Feldweg im Kressart – zwischen Kaltental und Sonnenberg – dient seit Jahren als Abkürzung zwischen der Christian-Belser-Straße und der Laustraße. Darunter leiden vor allem Anwohner der Betzengaiern. Die Stadt hat einen Teil des Wegs rückbauen lassen, gebracht hat das jedoch nichts.

In Sillenbuch tüftelt man, wie man den Schleichwegnutzern zwischen der Tuttlinger Straße auf dem Berg und Rohracker im Tal beikommen kann. Hier klagen vor allem Kleingärtner, dass sie mit Pollern nicht mehr problemlos zu ihren Stückle kommen würden. Eine gute Lösung ist noch nicht in Sicht.

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