Filderdialog zu Stuttgart 21 Schon die Nominierung verursacht ersten Ärger

Der Moderator Ludwig Weitz hat die Teilnehmer der Vorbereitungsgruppe zum Filderdialog benannt – darin sitzt niemand aus Stuttgart und Filderstadt. Das stößt auf Unverständnis.

Auch ein Regionalbahnhof in Vaihingen gilt als Planungsalternative. Foto: Philip Weingand
Auch ein Regionalbahnhof in Vaihingen gilt als Planungsalternative. Foto: Philip Weingand

Stuttgart - Die 16 Teilnehmer der sogenannten Spurgruppe, mit der Ludwig Weitz den am 25. Mai beginnenden Filderdialog zu Stuttgart 21 vorbereiten will, sind benannt. „Drei bis fünf Sitzungen“ werde man benötigen, um diese Mammutveranstaltung mit 150 Teilnehmern in der Filderhalle in Leinfelden auf die Beine zu stellen. Das hat der Mediator aus Bonn den Vertretern der Projektpartner, der betroffenen Kommunen und der Aktionsgruppen in einer E-Mail mitgeteilt. Die Teilnehmer der Spurgruppe treffen sich erstmals am Montag, 23. April, von 17 bis 20 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Echterdingen.

In dem vom Land und der Bahn initiierten Filderdialog soll über Alternativen zur bisher geplanten, aber noch nicht genehmigten Anbindung des Flughafens an den neuen Tiefbahnhof diskutiert werden. Außerdem geht es um die Lage des Fernbahnhofs am Flughafen. In der Vorbereitungsgruppe zum Filderdialog sind die Stuttgart-21-Projektpartner mit fünf Köpfen vertreten, ebenso viele Plätze sind für die Filderregion reserviert. Sie muss aber einen Platz an den Interessenverband Gäubahn abtreten. Sechs Personen aus Bürgerinitiativen und Aktionsgruppen vervollständigen die Gruppe. Dazu gehören gleich vier Vertreter der Schutzgemeinschaft Filder. Die Initiative Lebenswertes L.-E. wird durch Claudia Moosmann repräsentiert. Für das Bündnis für Stuttgart 21 in Leinfelden-Echterdingen nimmt Ilona Koch teil.

Erhalt der Gäubahn als kleinster gemeinsamer Nenner

Aktionsgruppen aus Stuttgart sind nicht in der Spurgruppe vertreten – sehr zum Ärger von Agnes Helmle. Sie ist Mitglied des Arbeitskreises Lärm und Verkehr im Bürgerverein Fasanenhof und wundert sich, „dass nur die dabei sind, die von Alternativen auch profitieren, aber nicht die, auf deren Rücken das Ganze ausgetragen wird – nämlich wir“. Viele Anwohner in Rohr, Möhringen und im Fasanenhof befürchten den Bau einer parallel zur Autobahn verlaufenden Fernbahntrasse, die über Stuttgarter Gemarkung führt.

Der kleinste gemeinsame Nenner aus ihrer Sicht wäre der Erhalt der bisherigen Gäubahn und ein Ausbau der S-Bahn-Station in Vaihingen zu einem Filderbahnhof, an dem auch Regionalzüge aus dem Süden des Landes halten könnten. Der Flughafen könnte dann aber nur per S-Bahn erreicht werden. Damit liegt Helmle auf einer Linie mit Reinhard König, der dem Bündnis Filderbahnhof Vaihingen vorsteht. Doch auch er hatte noch keine Gelegenheit, dem Moderator Weitz seine Position darzulegen. „Jetzt diskutieren wir darüber, ob wir überhaupt mitmachen“, sagt König.

Spurgruppe soll Teilnehmer aussuchen

Ebenfalls nicht berücksichtigt für die Spurgruppe wurden aus Leinfelden Thomas Rommel und aus Filderstadt der in Sachen Alternativtrasse aktive SPD-Stadtrat Walter Bauer. Seine Enttäuschung darüber „hält sich in Grenzen“. Er sehe seine Teilnahme am Dialog selbst als wichtiger an. Als „ungeschickt“ und „L.-E.-lastig“ bezeichnen es Fraktionssprecher aus Filderstadt, dass ihre Stadt nicht in der Spurgruppe präsent ist. Diese Aufgabe ist allerdings dem Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitskreises Filder und Beigeordneten in Ostfildern, Rainer Lechner, zugedacht.

Die Spurgruppe ist nach den Vorstellungen des Moderators Weitz unter anderem für die „Identifizierung der Dialogbeteiligten“ zuständig, soll also die Teilnehmer aussuchen. Weitere Aufgaben sind die Beratung des Ablaufs, Formen der Öffentlichkeitsbeteiligung und die Reflexion der Dialoge selbst. Die Spurgruppe soll vor dem Dialogverfahren keine Inhalte diskutieren, hat Weitz die Teilnehmer per E-Mail wissen lassen. Am 25. Mai, dem Freitag vor Pfingsten, will der Moderator zum ersten von drei fest eingeplanten Dialogtagen in die Filderhalle einladen. Geplant sind zum Auftakt unter anderem die Vorstellung der Beteiligten und der Einstieg ins Thema mit einer „Visualisierung der Interessen und Standpunkte“, heißt es in Weitz’ Konzept. Außerdem sollen Prämissen und Kriterien für die Bewertung der Trassenvarianten für die Strecke zwischen Rohr und Flughafen festgelegt werden.

Schlussempfehlung am 7. Juli?

Um die soll es dann, sofern die Spurgruppe zu keinem anderen Ergebnis kommt, beim zweiten Dialog am 16. Juni gehen. Beim dritten Dialog am 7. Juli könnte nach einem Faktencheck bereits eine Schlussempfehlung abgegeben werden. Den 14. Juli hat Weitz für einen eventuell notwendig werdenden vierten Termin reserviert. Noch im Juli sollen dem Zeitplan des Moderators zufolge die Projektpartner die Ergebnisse des Filderdialogs überprüfen und sich über den „konkreten Umgang mit den Empfehlungen einigen“. In der Woche vor dem Beginn der Sommerferien will Weitz das Verfahren mit einer Information abschließen.

Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Roland Klenk will sich dafür einsetzen, dass der in seiner Stadt seit einem Jahr arbeitende Arbeitskreis Stuttgart 21 komplett am Dialog teilnehmen kann. Gemeinsam mit den von der Kommune benannten Experten soll der Arbeitskreis jede Sitzung des Filderdialogs am darauffolgenden ersten Werktag aufarbeiten. „An genau so einer Unterstützung fehlt es bei uns“, schimpft Agnes Helmle, „oder hat irgendjemand den Stuttgarter OB gesehen?“