Filmakademie Ludwigsburg Der beste Freund des Menschen als Dienstgerät

Bundeswehr-Hunde werden darauf trainiert, den Feind im Ernstfall zu erkennen.  Lena Leonhardt hat an der  Filmakademie Regie studiert. Foto: privat
Bundeswehr-Hunde werden darauf trainiert, den Feind im Ernstfall zu erkennen. Lena Leonhardt hat an der Filmakademie Regie studiert. Foto: privat

Mit einem außergewöhnlichen Dokumentarfilm ist eine 29-jährige Absolventin der Filmakademie für den diesjährigen Grimme-Fernsehpreis nominiert. Ihr Film „Hundesoldaten“ über die Ausbildung von Hunden bei der Bundeswehr hat beim Publikum unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

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Ludwigsburg - Tief in einem Wald in Rheinland-Pfalz liegt die Hundeschule der Deutschen Bundeswehr. Hier in Ulmen werden Hunde verschiedener Rassen zu tierischen Soldaten ausgebildet. Ihre zukünftigen Einsatzorte sind im Ausland, sie sollen als Spürnasen die Soldaten unterstützen. „Der Hund ist euer Dienstgerät“, sagt einer der Ausbilder.

Die 29-jährige Regisseurin Lena Leonhardt hat eine Gruppe Soldaten und ihre Hunde ein Jahr lang an der Hundeschule begleitet, während der Ausbildung zum Hundeführer und zum vierbeinigen Soldaten. Der daraus entstandene Dokumentarfilm „Hundesoldaten“ ist für den diesjährigen Grimme-Fernsehpreis nominiert.

Der Widerspruch zwischen Freund und Dienstwaffe

Lena Leonhardt Foto: privat
„Am Anfang war die Bundeswehr mir und meiner Idee gegenüber sehr skeptisch. Ich musste mir ihr Vertrauen erst erarbeiten“, sagt Leonhardt, die mit dem Film ihr Studium an der Filmakademie Ludwigsburg abgeschlossen hat. Die Verantwortlichen hätten befürchtet, dass sie einen kritischen Film über Hunde bei der Bundeswehr drehen will. Das sei aber nicht ihr Motiv gewesen, sagt Leonhardt. „Ich wollte das widersprüchliche Verhältnis zwischen Mensch und Hund darstellen“, sagt sie. „Und die Zuschauer zu einer Diskussion darüber anregen.“ Widersprüchlich sieht die Filmemacherin die zwei Rollen, welche die Hunde für die Soldaten spielen: Zum einen sind sie Dienstgerät im Auslandseinsatz, zum anderen aber auch Wegbegleiter und Freund. „Dieser Widerspruch hat sich besonders dann gezeigt, wenn die Soldaten ihre Hunde übers Wochenende mit nach Hause genommen haben“, sagt die Regisseurin, „und sie dort Teil der Familie wurden.“ Da verschwammen die Linien zwischen Freund und Gerät.

Doch in erster Linie wird der Hund für den Einsatz getrimmt. Zumindest in den meisten Fällen. Eine Ausnahme ist der Labrador Duke, der für die Zeit nach einem Einsatz ausgebildet wird, als Therapiehund für traumatisierte Soldaten. Duke hat sein Herrchen, der im Kosovo-Einsatz Schreckliches gesehen hatte, zurück ins normale Leben begleitet. „Durch den Hund kann ich wieder körperliche Nähe zugelassen“, sagt der Soldat. Davor habe er den Kontakt zu Menschen lange gemieden.

Die Klischees haben sich bestätigt

Ein Jahr lang haben Lena Leonhardt und ihr Team die Soldaten und Hunde für den Film begleitet – sind tagsüber mit ihnen durch den Wald und über den Übungsplatz gerannt und haben mit ihnen in einer Kaserne gewohnt. Da lernt man sich einander gut kennen. Einige Klischees sieht die Filmemacherin bestätigt. „Befehl und Gehorsam haben die Soldaten alle im Blut. Die waren sehr gradlinig und strukturiert“, sagt Leonhardt. Zum Teil sei das aber ein Manko für die Soldaten, denn die Arbeit mit den Hunden sei schlecht zu strukturieren. „Wahrscheinlich gelten die Hundeführer bei der Bundeswehr deswegen auch als Exoten“, sagt die Regisseurin.

Bei der Filmpremiere auf einem Festival in Leipzig hat die Dokumentation, die in Kooperation mit dem SWR entstanden ist, unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. „Einigen Zuschauern war der Film zu positiv gegenüber der Bundeswehr. Andere empfanden die Doku als zu wertend“, sagt sie. Die Tierschutzorganisation Peta hingegen habe sich bei der Bundeswehr wegen Tierquälerei beschwert, sagt Leonhardt. „Wahrscheinlich aufgrund einiger Szenen, in denen der Ausbilder nicht sehr zimperlich mit den Hunden umgegangen ist“, sagt die Jungregisseurin. Den Protagonisten ihres Films habe das Ergebnis gefallen. Sie hätten sich richtig dargestellt gefühlt, sagt die Filmemacherin. „Bis zum Schluss wusste ich allerdings nicht, ob ich den Film zeigen darf“, sagt sie: „Die Rechte am Bild haben die Soldaten erst nach den Dreharbeiten unterschrieben.“




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