Filmstart: Zach Snyder’s Justice League Auch im Neuschnitt bleiben die Superhelden entrückt

Drei Weltenretter im Einsatz (von links): Ezra Miller als The Flash, Ben Affleck als Batman und Gale Gadot als Wonder Woman Foto: /Warner Media Direct

Zach Snyders Director’s Cut seines Superheldenfilms „Justice League“ ist mit vier Stunden doppelt so lang wie die Kinofassung von 2017 und stringenter – aber nicht viel substanzieller.

Stuttgart - Die Welt zu retten ist keine Kleinigkeit, Tote zurückzuholen schon gar nicht: Nur mit dem in „Dawn of Justice“ (2016) umgekommenen Superman können der Trickser Batman, die Amazone Wonder Woman, der Halb-Androide Cyborg, der Wassergott Aquaman und der schnelle Flash feindliche Aliens daran hindern, die Erde zu zerstören.

 

Die zweistündige Kinofassung der „Justice League“ (2017) aus dem DC-Comic-Universum war ein wirres Spektakel. Zach Snyder, seit „Man of Steel“ (2013) Regisseur der Reihe, stieg in der Postproduktion aus, weil seine Tochter starb – und Warner Bros. heuerte Joss Whedon an, der für Marvel Superhelden-Erfolge der „Avengers“ inszeniert hat. Whedon aber griff inhaltlich ein und drehte Szenen nach. Das unbefriedigende Ergebnis führte zu einer Fankampagne: Snyder sollte die Chance bekommen, seine Vision zu retten – und Warner stimmte zu.

Wie soll ein Publikum hier berührt werden?

Snyders „Director’s Cut“ ist knapp vier Stunden lang, eine Miniserie war im Gespräch. Nun kommt der Film am Stück und ist zwar stringenter, aber nicht viel substanzieller. Was soll man anfangen mit Aliens, deren einziges Ziel totale Vernichtung ist? Was mit Superhelden, deren Krisen und Prüfungen zu entrückt erscheinen und zu wenig universell menschlich, um ein Publikum zu berühren? Im Marvel-Universum ist das gelungen mit dem verführbaren Iron Man und dem aus der Zeit gefallenen Captain America.

Snyder kostet seine bedeutungsschwanger schillernde Bildmacht aus. Doch der mythische Hokuspokus um drei magische Boxen wirkt bemühter als der um magische Steine bei den Avengers oder gar der um magische Ringe bei Tolkien. Superman (Henry Cavill), Batman (Ben Affleck) und Aquaman (Jason Momoa) bleiben eindimensional wie auch der dämonisch gehörnte Bösewicht namens Steppenwolf (Ciarán Hinds). Gal Gadot darf nur punktuell die Gewitztheit ausspielen, mit der sie in „Wonder Woman“ (2017) glänzte, dafür stellt Snyder peinlicherweise ihre weiblichen Reize aus.

Zwei mehrdimensionale Nebenfiguren

Interessanter ist, wie Ezra Miller als Flash sehenswert mit entwaffnender Offenherzigkeit und Selbstzweifeln jongliert – und wie Ray Fisher in jeder Regung das Leiden des Ex-Athleten trägt, den der eigene Vater nach einem Unfall als Halb-Roboter Cyborg wiedererweckt hat.

„Zach Snyder’s Justice League“ unterhält mit Action und Schauwert, spiegelt Tiefgang vor und bleibt absolut folgenlos – bis auf den obligatorischen Cliffhanger.

Von 19. März an auf Sky

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