Fliegende Sternwarte Sofia Flüge in den Schatten

Wissenschaft: Klaus Zintz (Zz)
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Zum richtigen Zeitpunkt im Zentrum des Schattens: das war die Aufgabe, die das Stratosphären-Teleskop Sofia in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni diesen Jahres mit Bravour gemeistert hat. Ein ferner Stern wurde kurzzeitig vom Zwergplaneten Pluto bedeckt. Der Schatten raste allerdings nur in einem sehr schmalen Streifen mit mehr als 85.000 Kilometer pro Stunde über die Südhalbkugel. Noch auf dem Weg dahin erhielten die Wissenschaftler die neuesten Informationen über die Flugbahn des Schattens. Sie korrigierten daraufhin zwei Stunden vor dem Ereignis ihren Kurs um 232 Kilometer nach Norden und flogen genau in die Mittellinie des Schattens – was die äußerst seltene Beobachtung eines zentralen Aufblinkens, eines „central flash“, ermöglichte. Dabei wird das Licht des verdeckten Sterns durch die Atmosphäre des verdeckenden Himmelskörpers – also durch Pluto – so abgelenkt, dass dieser kurzzeitig aufleuchtet. Somit erstrahlt die gesamte Pluto-Atmosphäre in einem hellen Licht.

Dieses Aufblinken erlaubt Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Atmosphäre des Zwergplaneten – zusammen mit den Lichtschwankungen, die sich beim Eintritt sowie später beim Austritt des verdeckten Sterns aus der Plutoatmosphäre ergeben. Diese Informationen waren eine wichtige Ergänzungen zu den Daten, die nur 14 Tage später die an dem Zwergplaneten vorbei fliegende Sonde New Horizons lieferte. Nach 2011 war dies die zweite Pluto-Bedeckung, die an Bord von Sofia dokumentiert werden konnte, dieses Mal mit gleich drei verschiedenen Instrumenten, die sich ergänzende Informationen lieferten.

Für die Astronomen Jürgen Wolf und Karsten Schindler vom Deutschen Sofia Institut war dieses Ereignis Anlass, die fliegende Sternwarte im kommenden Jahr zu weiteren Bedeckungen zu dirigieren. Damit wollen sie bestimmte kleine Himmelskörper erforschen, die Trans-Neptunischen Objekte (TMO). Wenn diese – wie Pluto – kurzfristig einen fernen Stern verdecken und dieser Schatten über die Erde rast, dann könnte dies bisher unbekannte Information über das betreffende TMO liefern – eine Gelegenheit für neue Entdeckungen.

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