Flüchtlingskinder in Stuttgart Hauptsache spielen, malen, ankommen
Offene Spieltreffs statt Kitaplätze heißt in Stuttgart die Devise für die Flüchtlingskinder aus der Ukraine. Denn es gibt schlichtweg zu wenig Kitaplätze und Erzieherinnen.
Offene Spieltreffs statt Kitaplätze heißt in Stuttgart die Devise für die Flüchtlingskinder aus der Ukraine. Denn es gibt schlichtweg zu wenig Kitaplätze und Erzieherinnen.
Die ersten Flüchtlingskinder aus der Ukraine sind schon in Stuttgart angekommen. In einem Hotel in der Innenstadt. Und in der Jugendherberge in Bad Cannstatt. Und bei Verwandten oder großherzigen Stuttgartern. Doch die Forderung der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz und des Sachverständigenrats für Integration und Migration, diesen Kindern „möglichst bald nach der Ankunft in Deutschland“ einen Kitabesuch zu ermöglichen, lässt sich in Stuttgart nicht umsetzen. Denn es gibt in der Stadt viel zu wenige Kitaplätze und viel zu wenige Erzieherinnen.
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„Wir bekommen Anfragen aus Unterkünften und von Familien, die Flüchtlinge aufgenommen haben, ob die Kinder in die Kita kommen können“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer vom evangelischen Kitaträger. Aber das gehe nicht. „Wir haben überall Wartelisten und keine freien Plätze. Da können wir die ukrainischen Kinder nicht an der Warteliste vorbei aufnehmen“, erklärt der Kitamanager. Und: „Grundsätzlich sind die Plätze für diejenigen da, die in Stuttgart mit ihrem ersten Wohnsitz gemeldet sind.“ Und das laufe dann über das Kitaplatzmanagement der Stadt. Dort bestätigt das Jugendreferat: „Die freien Kitaplätze werden wie bisher nach dem Kriterienkatalog vergeben. Wenn die ukrainischen Flüchtlinge eine feste Wohnadresse in Stuttgart haben, können Sie sich für die Kitas ebenso anmelden und werden entsprechend der Vergabekriterien berücksichtigt.“
Wohin also mit all den Flüchtlingskindern, von denen auch bei der Stadt noch niemand weiß, wie viele es sein werden? „Geplant ist aktuell der Ausbau der Spielstuben beim städtischen Träger, wenn wir die Orte genauer kennen, wo die Kinder einen längerfristigen Ort zum Wohnen mit ihren Müttern gefunden haben“, erklärt Heike Schmid, die Referentin von Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP). Dabei handelt es sich um ein niedrigschwelliges pädagogisches Angebot, das etwa bei Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete angesiedelt ist und wöchentlich an zwei Vormittagen für jeweils drei Stunden stattfindet. Es wird von einer pädagogischen Fachkraft und einer Assistentin mit den passenden Sprachkompetenzen geleitet.
Auch die freien Kitaträger sind gerade dabei, niederschwellig Spieltreffs und Begegnungsmöglichkeiten in geeigneten Räumen, etwa Gemeindezentren in einzelnen Stadtbezirken einzurichten. Die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler habe dazu über die Kinderbeauftragten in den Stadtbezirken eine Umfrage zur Koordinierung der dieser Angebote gestartet. „Wir schauen in den Stadtbezirken, wo es Orte gibt, wo man Spielgeräte aufbauen kann“, berichtet Jörg Schulze-Gronemeyer. „Also eine Art Indoor-Spielplatz, wo Mütter mit ihren Kindern hingehen können, jemand einen Kaffee macht und jemand da ist, der den Stadtteil kennt und den Familien Tipps gibt, wo Jugendfarmen und andere Angebote sind.“ Er ergänzt: „Wir setzen auf die regionale Organisationsfähigkeit – da können auch gern ein Sportverein oder ein Freundeskreis oder andere Organisationen mitmachen.“ Es gehe um ein unverbindliches, stadtteilbezogenes, niederschwelliges Angebot. Und das schaffe rasch Kommunikationsebenen, auch in die Stadtteile und zur Bevölkerung.
Wie so etwas funktioniert, berichtet Sabine Antesz, Geschäftsführerin des Hauses der Familie in Bad Cannstatt. Ihre Einrichtung ist direkter Nachbar der Jugendherberge und somit natürliche „Einflugschneise“ für die Neuankömmlinge. „Zum Glück haben wir eine Praktikantin, die Ukrainisch spricht“, sagt Antesz. „Wir wollten von Anfang an einen offenen Raum bieten und die Möglichkeit zum Spielen und sich dort zu treffen.“ Die älteren Kinder hätten sich sofort die Outdoor-Spielgeräte im Hof geschnappt, Pedalo, Hüpfseile, Fußball oder Tischtennis gespielt. Für die Kleinen habe man aus Spenden Malblöcke und Stifte gekauft – „die waren innerhalb von zehn Minuten weg“, sagt Antesz. Die Erwachsenen habe man gefragt: „Was braucht ihr?“ Neben der Vermittlung von Sachspenden hätten sich die Familien auch über Gutscheine für Waschsalons gefreut. Und im Café des Hauses der Familie habe man Kaffee und Obst bereitgestellt.
Neben Bastel- und Singangeboten bekommen die Kleinen dort auch ein bisschen Bildung vermittelt. „Wir haben viele zweisprachige Bilderbücher, auch deutsch-russische“, berichtet Sabine Antesz. Aus denen werde den Kindern vorgelesen.
Nun überlege man, ob man dieses Angebot als rollende Bücherei auch in anderen Stadtteilen machen könne. An ehrenamtlichen Mitstreitern fehle es nicht.
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