Flügelstreit eskaliert Harte Bandagen bei der AfD

AfD-Gründer Bernd Lucke sieht sein  politisches Lebenswerk in Gefahr. Foto: dpa
AfD-Gründer Bernd Lucke sieht sein politisches Lebenswerk in Gefahr. Foto: dpa

Bernd Lucke, Begründer und einer von drei Chefs der AfD bestreitet, dass er mit seiner Aktion „Weckruf 2015“ die Partei spalten will. Er sieht vielmehr sein politisches Lebenswerk in Gefahr.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Straßburg - Bernd Lucke bläst zum Kampf. Der Parteichef weiß, dass es sein letztes politisches Gefecht um die Vormacht in der AfD sein könnte. In Straßburg hat er deshalb seine prominenten Mitstreiter versammelt, um noch einmal öffentlich die Positionen abzustecken. Der frühere Manager Hans-Olaf Henkel sitzt da in den holzgetäfelten Räumen der Europäischen Parlamentarischen Gesellschaft, Joachim Starbatty ist dabei, der emeritierte Professor für Volkswirtschaft, ein profilierter Eurokritiker. Neben ihm sitzt Bernd Kölmel, AfD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, der langsam mit dem Wahlkampf für die Landtagswahl 2016 beginnen sollte und bald vielleicht ohne Partei dasteht.

Lucke, vom Naturell her eher der spröde Politikertyp, erlaubt sich diesmal Dramatik. In dem innerparteilichen Streit gehe es „um das Überleben der AfD“, formuliert der Mann, der sein politisches Lebenswerk in Gefahr sieht. Schon aus diesem Grund weist er jede selbstzerstörerische Absicht weit von sich. Lucke betont, er plane weder die Gründung einer neuen Partei, noch betreibe er eine Initiative zum Massenaustritt. Dass er seine Anhänger in dem neuen Verein „Weckruf 2015“ sammeln will, sei „der Versuch, die AfD zu retten“. Das dürfte allerdings schwierig werden, denn die beiden Lager stehen sich offensichtlich unversöhnlich gegenüber. Auf Luckes Aufruf reagierten die Co-Chefs Frauke Petry und Konrad Adam mit einer Sperrung von Luckes Zugang zum Mail-Verteiler der Partei.

Luckes Strategie halten auch Anhänger für gefährlich

Auf der einen Seite steht der wirtschaftsliberale Flügel um Parteichef Lucke, der die AfD „als das erhalten will, als was sie vor zwei Jahren gegründet worden ist“. Auf der anderen Seite sind seine national-konservativen Gegner, die nach Luckes Auffassung auf der Jagd nach Stimmen die Idee der Partei gefährlich verwässern und nicht vor Rechtspopulismus zurückschrecken. Lucke will keine AfD, in der die Wutbürger das Sagen haben. „Das ist nicht die AfD, die wir gegründet haben“, sagt er, „die AfD war immer eine Partei aus der Mitte der Gesellschaft, in der Bürger sachlich und vernunftsorientiert Lösungsvorschläge diskutiert haben.“

Um den rechten Flügel zu isolieren, schlägt Lucke mit dem „Weckruf 2015“ eine sehr riskante Strategie ein. In den neuen Verein sollten alle jene AfD-Mitglieder eintreten, die seinem Kurs folgen wollen. Auf diese Weise will Lucke ausloten, wie groß sein Rückhalt ist. „Viele der normalen Mitglieder hätten noch gar nicht verstanden, wie ernst die Lage wirklich ist“, glaubt er. Diese gelte es nun zu mobilisieren. Aus Parteikreisen verlautete am Dienstag, binnen zwölf Stunden seien mehr als 1000 AfD-Mitglieder dem Aufruf zum Beitritt gefolgt.

AfD setzt auf Überlebenswillem der ganzen Partei

Aber selbst im eigenen Flügel ist dieser Weg nicht unumstritten. Viele der moderaten Mitglieder würden weiter aus der Partei getrieben, heißt es. Zudem wird vermutet, dass Lucke – trotz aller Lippenbekenntnisse – sich mit den Vereinsmitgliedern von der AfD abspalten könnte, sollte er sich auf dem Parteitag im Juni nicht durchsetzten. Der Co-Vorsitzende der AfD, Konrad Adam, reagierte mit Spott in der „Bild“: „Der Name ‚Weckruf 2015‘ ist wirklich kurios. Er erinnert an die Zeugen Jehovas oder an die Heilsarmee mit ihren Zeitschriften wie ‚Erwachet‘.“

Lucke und seine Mitstreiter scheinen solche rüden Attacken sattzuhaben. Er sei im Wahlkampf von seinen Gegnern immer wieder wüst beschimpft worden, sagt Hans-Olaf Henkel, „aber was ich zuletzt an Angriffen aus der eigenen Partei erleben musste, ist damit nicht zu vergleichen“. Trotz der Flügelkämpfe und Beleidigungen sieht Lucke noch die Chance auf eine Einigung mit dem national-konservativen Lager – selbst mit seiner Hauptwidersacherin und Co-Vorsitzenden Frauke Petry. Da die AfD nur geschlossen überleben könne, so sein Fazit, sei eine Einigung auch in ihrem Interesse.




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