InterviewFrauen-Fußball-EM Sindelfinger Trainer Schick sieht Licht und Schatten

Von Jürgen Kemmner 

0:0 zum EM-Auftakt gegen Schweden – Alexander Schick, den Trainer des Zweitligisten VfL Sindelfingen, hat das nicht überrascht. Gegen Italien wird die Mannschaft, seiner Meinung nach, besser agieren.

Der deutschen Mannschaft um Anja Mittag (Mitte) gelang gegen die Schweden kein Tor. Foto: dpa
Der deutschen Mannschaft um Anja Mittag (Mitte) gelang gegen die Schweden kein Tor. Foto: dpa

Stuttgart - Die EM-Auftakt gegen Schweden war noch keine Fußball-Gala der deutschen Frauen, gleichwohl war Steffi Jones nach der Nullnummer bei ihrem EM-Debüt als Bundestrainerin nicht unzufrieden. Auch Alexander Schick, Frauen-Cheftrainer bei Zweitligist VfL Sindelfingen, registrierte Licht und Schatten – und er ist überzeigt, dass gegen Italien am Freitag schon einiges besser sein wird.

Herr Schick, Auftaktspiele in wichtigen Turnieren wirken immer schwerfällig – ganz gleich, ob die Männer- oder die Frauen-Nationalmannschaft spielt.
Da haben Sie recht. Beim ersten Spiel muss die Mannschaft erst einmal reinfinden, muss ausloten: Wo stehen wir? Und dann sind die Schwedinnen ja auch kein 0815-Team. Ich habe damit gerechnet, dass es etwas holprig werden würde.
Vorne hatte das Team um Dzenifer Marozsan kaum Durchschlagskraft, und es gab ziemlich viele Abseitsstellungen der Deutschen.
Nun, ich kenne die Vorgaben von Bundestrainerin Steffi Jones nicht. Vielleicht fordert sie von den Stürmerinnen, sich stets an der Grenze zum Abseits zu bewegen – und wenn dann die Abstimmung mit der Passgeberin nicht funktioniert, ist es eben abseits.
Aber doch nicht so oft.
Timo Werner ist im Confed-Cup doch auch häufig ins Abseits gelaufen, das ist seine Spielweise. Er bewegt sich an der Grenze und setzt auf seine Schnelligkeit. So haben dies auch die deutschen Stürmerinnen Anja Mittag, Svenja Huth und später Mandy Islacker getan. Ich lasse in der zweiten Liga beim VfL Sindelfingen ebenfalls so spielen, manchmal erkennt die Assistentin an der Linie eine knappe Abseitsstellung nicht – und dann ist die Spielerin durch. Natürlich kann das bei uns auch mal andersrum passieren und wir sind die Leidtragenden.
Die deutsche Mannschaft ist mit rund 26 Jahren Durchschnittsalter nicht jung, aber nach Länderspiel-Einsätzen doch etwas unerfahren. Lagen die Abstimmungsprobleme vielleicht auch daran?
Steffi Jones probiert sicher auch mitunter etwas aus, so dass nicht alles von Beginn an funktioniert. Aber ich bin überzeugt, dass es nicht lange dauern wird, bis die Mannschaft noch besser zueinander findet – schließlich sind die Spielerinnen oft im Nationalteam zusammen, sie haben viel Zeit gemeinsam im Trainingslager verbracht. Aber Sie haben schon recht: Eine erfahrene, abgezockte Truppe ist das noch nicht.
Da wiegt der Verlust der verletzten Alexandra Popp, die immerhin 80 Länderspiele absolviert hat, doch schwer.
Ich denke, fußballerisch können die anderen diesen Verlust ausgleichen, aber die Präsenz einer so routinierten Spielerin wie Alexandra Popp ist ja auch ein Plus. Sie hätte dieser jungen Truppe sicher nicht geschadet.
Gegen Italien sollte nun am Freitag aber der erste EM-Sieg unter der neuen Bundestrainerin Steffi Jones gelingen, oder?
Ich denke schon. Man muss geduldig bleiben, dann werden die technischen Vorteile irgendwann zum Erfolg führen. Aber natürlich ist es wie immer im Fußball: je länger es 0:0 steht, umso mehr wächst das unterlegene Team über sich hinaus. Doch ich bin überzeugt, dass es gegen die Italienerinnen klappen wird.
Werden Sie auch ein Spiel live in den Niederlanden verfolgen?
Leider nein, wir befinden uns seit vergangener Woche in der Saisonvorbereitung, da kann der Coach nicht fehlen. Ich werde mir die wichtigen Spiele im Fernsehen anschauen.
Ist ein Team-Viewing in Sindelfingen geplant?
Nein, einige Spielerinnen verabreden sich, um gemeinsam zu schauen, aber als Mannschaft haben wir uns das nicht vorgenommen. Vielleicht tun wir das im Halbfinale oder im Finale – falls die deutsche Mannschaft so weit kommt.