Der TSV Bernhausen (rechts: Filip Jordacevic) und Croatia Stuttgart (links: Duje Tokic) lieferten sich einen wahren Pokalfight. Foto: Günter Bergmann
Der TSV Bernhausen gewinnt, obwohl er zur Halbzeit 0:3 zurücklag – und fügt Croatia Stuttgart die erste Saisonniederlage zu. Der SC Stammheim tut sich indes gegen den Underdog SG Weilimdorf schwer, ein Spieler landet im Krankenhaus.
Am gestrigen Donnerstagabend sind die beiden Halbfinalspiele des Stuttgarter Bezirkspokals gestiegen. In beiden Fällen hat sich der höherklassige Gast durchgesetzt, wobei jeweils nur mit einem Tor Unterschied und mit Platzverweisen als Knackpunkt für den Ausgang. Während der Interimstrainer des Vorjahressiegers SC Stammheim, Marc Wegner, seinen Mannen trotz erneutem Finaleinzug einen schlechten Auftritt beim B-Ligisten SG Weilimdorf attestiert, kam es im Duell zwischen Croatia Stuttgart und dem TSV Bernhausen zum großen Spektakel.
Croatia Stuttgart – TSV Bernhausen 3:4 (3:0)
In der ersten Halbzeit tat der gastgebende Spitzenreiter der Kreisliga A1 das, wofür er schon die gesamte Spielzeit über berüchtigt ist: vollends überzeugen. Noch kein Pflichtspiel hatte der Bezirksliga-Absteiger 2023/24 verloren, doch dann dieses Mega-Comeback des Bezirksliga-Dritten TSV Bernhausen. Stand das Team von Trainer Roko Agatic zur Pause mit 0:3 mit dem Rücken zur Wand, drehten die Filderstädter die Partie komplett und jubelten nach dem 4:3-Siegtreffer von Julijan Milos ausgelassen. „Wir sind alle auf das Spielfeld gerannt, das war ein richtig schöner Moment“, sagt Agatic mit hörbar angeschlagener Stimme nach all den Jubelschreien, aber sichtlich froh. „Für so etwas trainiert man doch.“
Trotz schlechter erster Halbzeit, in der dem Trainer die Abstände zu den Gegenspielern zu groß waren, kämpften sich die Bernhausener zurück. „Ich muss meine Mannschaft loben. Obwohl sie so jung ist, hat sie sehr großen Charakter gezeigt“, sagt Agatic. Das Positive aus Abschnitt zwei: „Wir haben den Ball gut laufen gelassen und über außen gespielt; das Spiel dann dominiert.“ Ivan Matanovic und Werner Hottmann (2) sorgten für den Ausgleich, ehe Milos auf dem Kunstrasenplatz des FC Feuerbach, die Spielstätte des kroatischen Kreisligisten, den Schlusspunkt setzte. Sonderlob vom Trainer gibt es darüber hinaus für die eingewechselten Milan Sasa Milic und Ryan Christiansen. Agatic resümiert: „Wir sind fitter, und der Platzverweis hat uns zusätzlich in die Karten gespielt.“
Nach 54 Spielminuten musste Dominik Kajinic bei Croatia mit Gelb-Rot nämlich vom Platz. Erst verursachte er den Foulelfmeter und nur wenige Sekunden später foulte er im gegnerischen Strafraum. „Unnötig“, wie es der verletzte Spielertrainer Damir Bosnjak beschreibt. Dieser hadert: „Damit geben wir das Spiel aus der Hand, und das Momentum kippt auf Bernhausens Seite. Im Elf-gegen-Elf waren wir die klar bessere Mannschaft.“ Die Unterzahl war in seinen Augen der klare Knackpunkt und sorgte für einen Bruch im Spiel der Kroaten, die in Durchgang eins dank David Vukovic, Duje Tokic (der gegen Spielende ebenfalls die Ampelkarte sah) und David Barisic 3:0 führten. Umso ärgerlicher eben das Ausscheiden im Halbfinale. „Das tut weh, weil wir die bessere Mannschaft waren, uns aber selbst geschlagen haben“, sagt Bosnjak.
Neben dem TSV Bernhausen hat auch der Vorjahressieger SC Stammheim den Finaleinzug perfekt gemacht. Die Bezirksliga-Truppe (aktuell Rang sieben) besiegte den klaren Außenseiter SG Weilimdorf, Tabellenführer in der Kreisliga B2, mit 2:1. Eingeläutet wurde der Halbfinalsieg nach etwa 40 Minuten. Weilimdorfs Torhüter David Lozancic kam bei einem langgeschlagenen Stammheimer Ball aus seinem Strafraum und räumte beim Klärungsversuch nicht nur das Spielgerät, sondern auch Marco Schwalb ab. Der Keeper sah für die Notbremse die rote Karte, Schwalb musste wegen einer Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus und blieb dort auch über Nacht.
Stammheims Tom Schneider machte daraufhin die Doppelbestrafung perfekt. Den anschließenden Freistoß von der Sechszehnerkante zirkelte er ins Netz. Für Weilimdorfs Trainer Jörn Kanthak der Knackpunkt. „Bis dahin war es eine Partie auf Augenhöhe. Auch danach blieb es offen, Stammheim hatte aber mehr vom Spiel“, sagt er, und lobt: „Wir haben toll dagegengehalten, mein Team hat bravourös gekämpft.“ Nachdem Abdul Hakem Surasi Hamld erhöhte, kamen die Gastgeber durch Andreas Stadtmüller noch einmal ran. Am Ende fehlten jedoch die klaren Torchancen zum Ausgleich. „Wir sind sehr stolz, wenngleich die Enttäuschung da ist“, sagt Kanthak. „Jetzt fokussieren wir uns voll auf die Meisterschaft.“
Das gesamte Aufgebot im Halbfinale zwischen Weilimdorf und Stammheim. Foto: Günter Bergmann
Nun dürfte man meinen, bei den Stammheimern war der Jubel groß. Manche Spieler feierten den Finaleinzug auch, der Interimstrainer hingegen resümiert schonungslos. „Ich war stinkig und sauer, weil ich mit meiner Mannschaft nicht zufrieden war“, sagt Marc Wegner. „Wir haben pomadig und langsam gespielt, hatten nicht die richtige Einstellung.“ Zwar habe seine Elf dauerhaft die Kontrolle über das Spiel gehabt, er hätte sich allerdings ein früheres 2:0 gewünscht. Weilimdorfs Ioannis Nedos sah in der Nachspielzeit derweil noch die Ampelkarte.
Besonderes: rote Karte für Weilimdorfs Torhüter Lozancic (39./Notbremse); Gelb-Rot für Nedos (Weilimdorf, 90.+1.).
Finalbegegnung steht fest und bietet ein Vorspiel
Im Endspiel um den Stuttgarter Bezirkspokal stehen sich am Samstag, den 8. Juni, im Vaihinger Schwarzbachstadion also die beiden Bezirksligisten SC Stammheim und TSV Bernhausen gegenüber. Brisant: Am vorletzten Ligaspieltag stehen sich die beiden Staffelrivalen bereits gegenüber, und zwar nur zwei Wochen vor dem Endspiel. „Das wird ein starkes Finale“, ist sich Bernhausens Coach Roko Agatic sicher. „Wenn man im Finale ist, will man auch gewinnen.“ Über ein mögliches Double möchte er noch nicht sprechen.
„So etwas ist immer ein geiles Spiel“, stimmt Stammheims Marc Wegner ein, mahnt jedoch: „Bernhausen ist stark.“ Seine Mannschaft weist derweil Erfahrung mit dieser Alles-oder-Nichts-Situation auf. Bei beiden letzten Teilnahmen am Stuttgarter Bezirkspokal 2023 und 2019 – dazwischen spielte die Emerholz-Elf in der Landesliga, somit überbezirklich im WFV-Pokal – gewannen sie den Titel. Für Wegner wird es an alter Wirkungsstätte derweil ein Wiedersehen mit einigen Akteuren in den Reihen der Filderstädter, die er einst in der Jugend des SV Vaihingen trainierte. Darunter Filip Jordacevic, Matej Livancic, Julijan Milos, Milan Sasa Milic, Daniel Frenzel Medina und Oliver Lujic.