Wer kennt den Slogan nicht? Auf der nationalen Fußballbühne ist er unter Spielern und Fans gleichermaßen längst zum geflügelten Wort geworden, und auch der Anhang des VfB hat ihn in dieser Woche erst nach dem 2:0-Coup gegen die Dortmunder Borussia freudetrunken intoniert: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ Sollte in diesem Fall heißen: nur zwei Siege noch – jetzt wollen wir ins Pokalfinale. Wo aber fahren die Cupbesten des Bezirks Stuttgart in dieser Saison eigentlich hin? Wo ermitteln sie ihre Gewinner? Auf deren Amateurebene hatten sich diesmal gleich sieben Vereine um die Ausrichterrolle beworben gehabt – nun ist die Entscheidung gefallen, wer am 8. Juni bei der Highlight-Veranstaltung mit insgesamt fünf Endspielen als Gastgeber fungieren darf.
And the winner is: SV Vaihingen. Die Verantwortlichen des Bezirks haben dem Schwarzbachclub den Zuschlag gegeben – was freilich weniger überraschend kommt als die Tatsache, dass jener überhaupt seinen Hut in den Ring geworfen hat. Vaihingen? War da nicht mal was? Aber ja. Nicht wenige in der lokalen Kickerszene mögen sich erinnern: Stolze 24 Jahre lang hatte der aktuelle Bezirksliga-Sechste im Rahmen seiner „Saisonabschluss-Hocketse“ sogar dauerhaft den Finalspielort gestellt. Bis 2018 waren die Vaihinger quasi das Stuttgarter Berlin – bis die Zusammenarbeit seinerzeit abrupt und unter unschönen Umständen endete. Der damals neue Bezirkschef Mario Krkac wollte andere Wege gehen. So weit, so legitim. Das Problem waren der Kommunikationsstil und die Art der Umsetzung. Von entsprechenden Tendenzen erfuhren die Vaihinger aus der Presse. Einige flankierende Kommentare Krkacs trugen schließlich dazu bei, dass man sich an der Dürrlewangstraße vollends vor den Kopf gestoßen fühlte.
Den Ärger bei Seite gelegt
Seitdem schien das Tischtuch zwischen dem SV Vaihingen und dem Bezirk zerschnitten. Beziehungsweise das Verhältnis zumindest so getrübt, dass ein nochmaliges Veranstaltungsmiteinander schwer vorstellbar war. Bis jetzt. Offensichtlich gilt dann aber doch, dass Zeit Wunden heilt. „Jeden Ärger sollte man irgendwann einmal bei Seite legen“, sagt der Vaihinger Fußballabteilungsleiter Peter Breuer. Und: „Das Führungspersonal im Bezirk ist inzwischen ja auch ein anderes.“ Mit den aktuell handelnden Personen komme man sehr gut klar.
Wohl nicht nur das. Umgekehrt darf man annehmen, dass bei eben jenen aktuellen Amtsträgern allein schon der Name Vaihingen auf der Bewerberliste zu einem sensibilisierten Umgang riet. Eine jetzige Absage, keine Frage, wäre einem weiteren Nasenstüber für den Ex-Partner gleichgekommen. Der Krkac-Nachfolger und heutige Bezirksvorsitzende Michael Spörer kommentiert die getroffene Wahl so: „Wir wollten jemanden, wo man sicher weiß, dass es funktioniert.“ Das nötige Know-how, siehe Vorgeschichte, bringen die Vaihinger allemal mit.
Erneut fünf Endspiele im Paket
Eine neue Attraktivität, aber auch gestiegene Gastgeber-Herausforderung hat die Veranstaltung mit den beiden vergangenen Auflagen erlangt. Diese liefen erstmals unter dem Schlagwort „Superpokalfinaltag“. Heißt: nicht nur zwei Endspiele wie zuvor, Männer und Frauen – sondern ein Ganztagespaket mit deren fünf. Auch C-, B- und A-Junioren küren ihre Trophäensieger mittlerweile am selben Tag. 2022 in Plattenhardt sowie heuer in Musberg kamen jeweils insgesamt um die 2000 Zuschauer. Als Ausrichter lassen sich also auch ein paar Euro verdienen.
Außer dem SV Vaihingen hatten der TSV Weilimdorf, der SV Bonlanden, die Sportvg Feuerbach, der FSV Waldebene Stuttgart-Ost, der KV Plieningen und der TSV Sielmingen ihr Interesse bekundet. „Dass wir es sind, die nun das Vertrauen erhalten, ehrt uns, verpflichtet uns aber auch zu großem Engagement“, sagt Breuer. Seine Einschätzung: „Ich glaube, das wird was Tolles.“
Einstweilen befinden sich, über alle fünf Konkurrenzen gesehen, noch 63 Mannschaften im laufenden Wettbewerb, die absichtsreich anstimmen könnten: „Vaihingen, Vaihingen, wir fahren nach Vaihingen.“