Fußball-Bundesliga Das sind die 24 Schiedsrichter – und die Neuerungen

Felix Brych hat von den Bundesliga-Schiedsrichtern die meiste Erfahrung. Foto: dpa/Facundo Arrizabalaga 25 Bilder
Felix Brych hat von den Bundesliga-Schiedsrichtern die meiste Erfahrung. Foto: dpa/Facundo Arrizabalaga

Die Schiedsrichter gehen mit einem verkleinerten Kader in die neue Saison der Fußball-Bundesliga – und einer Präzisierung der Handspielregel.

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Stuttgart - Neue Gesichter, neue Regeln und ein reduzierter Kader von 24 Mann – das sind die Vorgaben, mit denen die Schiedsrichter in die neue Bundesligasaison starten. Neu im Kreis von Deutschlands besten Unparteiischen sind Matthias Jöllenbeck aus Freiburg sowie Tobias Reichel aus Stuttgart. Vor allem den Werdegang von Reichel hat der ehemalige Referee und heutige Schiedsrichterbeobachter Knut Kircher verfolgt. „Er zählt zu den großen Talenten“, sagt Kircher. Er überzeuge mit seinem ruhigen und überlegten Auftreten in der Spielleitung und ver­füge auch über die Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen und Spielfluss zuzulassen.

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Die Region Stuttgart ist zudem mit Marco Fritz aus Korb, der auch zu den Fifa-Schiris zählt, sowie mit Martin Petersen gut vertreten im elitären Kreis der Männer in Schwarz. Überhaupt macht sich Kircher über den Nachwuchs und entsprechenden Nachschub für die Top-Schiris keine Sorgen. Diejenigen, die sich aus den aktuell 75 000 Unparteiischen durch das Nadelöhr in den Kreis der besten 24 vorarbeiten, erfüllten in hohem Maße die Anforderungen. Den Vorteil des reduzierten Kaders sieht Kircher darin, dass jeder Schiedsrichter sehr viele Einsätze bekommt und damit auch die notwendige Erfahrung sammeln kann. „Da stehen die Schiris den Spielern in nichts nach. Jeder steht gern auf dem Platz“, sagt der 52-Jährige.

Drei Schiedsrichter haben die Altersgrenze erreicht

Spektakulärer als die Zugänge waren die Abgänge von drei Schiedsrichtern, die die Altersgrenze von 47 Jahren erreicht haben: Manuel Gräfe, Markus Schmidt und Guido Winkmann. Zudem hat Bibiana Steinhaus-Webb bereits im September 2020 ihre aktive Karriere als Bundesligaschiedsrichterin beendet. Während Schmidt und Winkmann, das Angebot des Deutschen Fußball Bundes (DFB) angenommen haben, als Video-Assistent weiterzumachen, wehrt sich Manuel Gräfe jetzt sogar vor Gericht dagegen, dass er nicht mehr pfeifen darf. Einerseits sieht auch Knut Kircher die Altersgrenze kritisch und hat Verständnis für Gräfes Wunsch.

Andererseits stößt ihm auf, dass der allseits beliebte Schiri im April zuerst den Weg über die Medien gesucht und nicht schon viel früher mit seinem Anliegen an den DFB herangetreten ist. Zudem müsse man eben auch den Weg für die talentierten jungen Kräfte frei machen. Das sei schon immer so gewesen. „Aber grundsätzlich muss man das System der Altersgrenze auch unter arbeitsrechtlichen und EU-Richtlinien überdenken und einen Weg finden“, so Kircher, der jedoch froh ist, sich darüber keine Gedanken machen zu müssen.

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Gern denkt er hingegen an die Europameisterschaft zurück, bei der man so gut wie nie über schlechte Schiedsrichterleistungen diskutieren musste, sondern der Fußball im Mittelpunkt stand. Positiv bewertet er dabei auch den Umgang und die Umsetzung des VAR, der nur in den wirklich strittigen Szenen eingegriffen hätte. „Das könnte man als Leitplanken für Eingriffe in der Bundes­liga übertragen“, meint er.

Knut Kircher lobt neue Auslegung der Handregel

Vonseiten der Regelhüter gibt es auch einige Neuerungen, die teilweise schon bei der EM angewandt wurden. Besonders die in der vergangenen Saison harsch kritisierte Handspiel-Regel wurde mal wieder angepasst. So soll künftig wieder nicht jede Ballberührung der Hand oder des Arms automatisch ein Vergehen sein. Stattdessen soll der Schiedsrichter künftig wieder hauptsächlich die Absicht des Handspiels eines Spieler bewerten. „Das ergibt Sinn, denn es ist wichtig, dass die Regeln für Spieler und Zuschauer verständlich sind“, so Kircher. Grauzonen würde es aber immer geben.

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Wie alle Beteiligten freut sich der Schiedsrichterbeobachter auf die schrittweise Rückkehr der Zuschauer in die Bundesligastadien, an die sich sowohl die Unparteiischen als auch die Spieler wieder gewöhnen müssen. Knut Kircher äußert sich auch dazu, was alles auf die Schiedsrichter zukommen könnte, wenn das Spiel noch schneller und weitere taktische Neuerungen hinzukommen. „Dann müssen die Schiris in Sachen Fitness, Athletik und Taktik nach­legen. Aber einen Quantensprung wie in den vergangenen Jahrzehnten wird es wohl nicht mehr geben.“




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