Start der Fußball-Bundesliga Wie stark ist der VfB Stuttgart? Der große Check
Für den VfB Stuttgart beginnt die neue Bundesligasaison am Samstag mit dem Heimspiel gegen die SpVgg. Greuther Fürth. Vorab ein Blick auf die personelle Lage.
Für den VfB Stuttgart beginnt die neue Bundesligasaison am Samstag mit dem Heimspiel gegen die SpVgg. Greuther Fürth. Vorab ein Blick auf die personelle Lage.
Stuttgart - Sechs Wochen Vorbereitung, sieben Testspiele und acht Tage Trainingslager liegen hinter dem VfB Stuttgart, ehe am Wochenende endlich der Grund für den ganzen Aufwand beginnt: die 59. Saison der Fußball-Bundesliga, in der zum 55. Mal der Traditionsclub aus Bad Cannstatt mitspielen darf. Als erfolgreicher Aufgalopp diente das 6:0 in der ersten Pokalrunde beim viertklassigen BFC Dynamo – richtig ernst wird es aber erst, wenn am Samstag (15.30 Uhr) die SpVgg Greuther Fürth im ersten Ligaspiel in Stuttgart gastiert.
An Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und über eine geeignete Startelf nachzudenken, hat es Pellegrino Matarazzo nicht gefehlt – das Problem war ein anderes: die vielen Verletzten, Erkrankten und aus anderweitigen Gründen abwesenden Spieler, die den VfB-Trainer noch immer vor einige Herausforderungen stellen. Wie stellt sie sich nun dar, die personelle Situation in den einzelnen Mannschaftsteilen vor dem Bundesliga-Auftakt?
Tor Fabian Bredlow hat noch einmal alles gegeben. Starke Paraden zeigte der Torhüter beim Pokalerfolg in Berlin – und bestätigte damit den guten Eindruck, den er in der gesamten Vorbereitung hinterlassen hatte. Was nichts daran ändert, dass der 26-Jährige von jetzt an in seine gewohnte Rolle als Ersatzmann zurückkehren muss. Als Nachfolger von Gregor Kobel wurde Florian Müller verpflichtet, der die Nummer eins nicht nur auf dem Trikot trägt.
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Der 23-Jährige, mit der deutschen Olympiaauswahl zuletzt in Japan im Einsatz, weiß, dass hinter ihm eine starke Nummer zwei lauert – er weiß aber auch, dass Pellegrino Matarazzo seine Entscheidung nach ein, zwei Fehlern nicht gleich revidieren wird. Der Trainer hat sich auf Müller festgelegt – offen ist nur noch die Frage, wer nach dem Abschied von Jens Grahl (Eintracht Frankfurt) Nummer drei wird. Im Training wechselten sich bislang Sebastian Hornung (20) und Florian Schock (20) ab. Die Verpflichtung eines neuen Keepers bleibt weiterhin ein Thema.
Fazit: Sollte Müller seine Leistungen aus dem Vorjahr beim SC Freiburg bestätigen, muss sich der VfB auf der Torhüterposition keinerlei Sorgen machen – zumal im Fall der Fälle eine starke Nummer zwei zur Verfügung steht.
Abwehr Beim Pokalspiel in Berlin erweiterte Waldemar Anton mit einer starken Erkältung die lange Ausfallliste – gegen Fürth soll der Ersatzkapitän aber wieder zur Verfügung stehen. Als Abwehrchef ist Anton (25) gesetzt, genau wie Konstantinos Mavropanos (23) auf rechts und Marc Kempf (26) auf links, sofern er den VfB nicht doch noch ein Jahr vor Vertragsende verlässt. Es wäre die bewährte Dreierkette, die im Laufe der vergangenen Saison immer stabiler wurde.
Als erste Alternative hat sich in der Vorbereitung Hiroki Ito (22) hervorgetan. Der Japaner wurde eigentlich für die U 21 verpflichtet, hat sich mit seiner Ruhe am Ball und seinem starken linken Fuß aber bei den Profis festgespielt und durfte im Pokal als Anton-Ersatz sein erstes Pflichtspiel bestreiten. Weitere Kandidaten für die Dreierkette sind Pascal Stenzel (25) sowie Atakan Karazor (24), sofern er nicht im Mittelfeld benötigt wird.
Fazit: Anton, Mavropanos und Kempf genügen allesamt höheren Bundesliga-Ansprüchen. Dass sie bereits eingespielt sind, gibt zusätzliche Sicherheit in der Defensive.
Mittelfeld An diesem Dienstag steigt Wataru Endo (28) ins Training ein, womit die bislang größte Baustelle beim VfB, das zentrale defensive Mittelfeld, deutlich kleiner wird. Der Japaner ist als neuer Kapitän der Kopf der Mannschaft. Da sich sein kongenialer Nebenmann Orel Mangala (23) noch im Aufbautraining befindet, darf Karazor auf einen Platz in der Startelf hoffen. Eine Alternative ist auch Philipp Klement (28), der in Berlin zu überzeugen wusste, dessen Verbleib beim VfB aber noch offen ist.
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Auf links ist Borna Sosa (23) gesetzt, auf rechts Roberto Massimo (20) zumindest so lange, bis Silas Katompa Mvumpa (22) wieder fit ist. Im offensiven Mittelfeld haben derzeit Philipp Förster (26) und Mateo Klimowicz (21) die besten Karten, zumal sich Nikolas Nartey (21) und Tanguy Coulibaly (20) noch in Coronaquarantäne befinden. Auf Teileinsätze können Daniel Didavi (31), Erik Thommy (26) und Darko Churlinov (21) hoffen – nicht zu vergessen der 17-jährige Ömer Beyaz, der zu den großen Gewinnern der Vorbereitung gehört.
Fazit: Im defensiven Mittelfeld gehört der VfB zu den bestbesetzten Teams der ganzen Liga – im offensiven ruht die Hoffnung vor allem darauf, dass die hoch veranlagten Jungprofis einen weiteren Entwicklungsschritt machen.
Angriff Ende dieser Woche endet die 14-tägige häusliche Quarantäne von Sasa Kalajdzic (24) – gerade noch rechtzeitig also, um beim Bundesliga-Auftakt zumindest auf der Ersatzbank zu sitzen. Seine Rolle als derzeit erster Vertreter des österreichischen Torjägers untermauerte Hamadi Al Ghaddioui (30) durch seinen Führungstreffer im DFB-Pokal. Mit einem Hattrick hatte sich der in der Vorsaison meist verletzte Deutschmarokkaner bereits im Testspiel gegen St. Gallen (3:0) in Erinnerung gerufen.
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Äußerst eindrucksvoll war auch, wie sich Mo Sankoh (17) in der Vorbereitung als neue Sturmhoffnung positioniert hat. Seinem Doppelpack im Testspiel gegen Arminia Bielefeld (5:2) ließ der Niederländer im DFB-Pokal sein erstes Pflichtspieltor folgen. Starke Physis, großer Tordrang, klarer Kopf – Sankoh bringt alles mit, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Fazit: Einen auch nur halbwegs adäquaten Ersatz für Kalajdzic hat der VfB (noch) nicht. Nicht auszudenken, wenn der Torjäger noch geht – dann steht Sportdirektor Sven Mislintat vor seiner bislang größten Herausforderung.