Fußball Landesliga Daniel Riffert hört beim TSV Heimerdingen auf – als Cheftrainer
Für den Chefcoach des Fußball-Landesligisten TSV Heimerdingen ist zum Saisonende Schluss – der 35-Jährige bleibt dem Club allerdings in einer neuen Funktion erhalten.
Für den Chefcoach des Fußball-Landesligisten TSV Heimerdingen ist zum Saisonende Schluss – der 35-Jährige bleibt dem Club allerdings in einer neuen Funktion erhalten.
Anzug und Krawatte statt legere Trainingsklamotten? Ist das der künftige Daniel Riffert beim TSV Heimerdingen? „Auf gar keinen Fall“, insistiert der 35-Jährige, „ich werde meine gewohnte Kleiderordnung beibehalten.“ Anzug ja, aber die lässige Komponente: Trainingsanzug; Jogginghose mit T-Shirt geht auch. Warum man auf die Idee kommen könnte, dass Daniel Riffert bald geschniegelt auf dem Sportplatz an der Weissacher Straße auftauchen könnte?
Weil der Mann von der kommenden Saison an nicht mehr als Chefcoach dort arbeitet, sondern als Sportlicher Leiter. Und bekanntlich tragen Sportdirektoren gerne den feineren Zwirn plus Binder anstatt die herkömmliche Trainingsanzugs-Baumwolle. Zumindest in Fußball-Profiligen.
„Die Arbeit als Chefcoach nimmt mich zeitlich sehr in Anspruch“, sagt der Mann der 2009 als Spieler zum TSV Heimerdingen stieß. Leiten der Übungseinheiten, Vor- und Nachbereitung des Trainings und der Partien, Gespräche mit Spielern, Planen des Kaders – das alles obendrauf zu Beruf und Familie war Daniel Riffert dann doch zu umfangreich, sodass er der Abteilungsleitung um Fußball-Chef Uwe Sippel Ende Januar eröffnete, ein Sabbatjahr einlegen zu wollen.
„Das hat unsere Planung zunächst ein wenig über den Haufen geworfen“, erzählt Uwe Sippel, der eigentlich fest damit gerechnet hatte, dass in der Heimerdinger Coaching Zone der Status Quo herrscht und alles so weitergeht wie bisher – Riffert hat 2020 den Job auf der Bank übernommen, nachdem er als Co-Trainer befördert worden war. Das Gewohnte fortsetzen schied aus, aber eine komplette Trennung war ebenfalls keine Option – schließlich hatten sich Club und Coach nicht auseinandergelebt wie ein zerstrittenes Ehepaar.
Rifferts Vorschlag, eine Rochade auf der Trainerbank wie im Schach vorzunehmen, also Pascal Dos Santos Coelho zum Chef zu ernennen und selbst lediglich noch als Co zu fungieren, wollten die Granden an der Weissacher Straße aber nicht goutieren. Sippel spürte ein Bauchgrimmen wie ein mäßig vorbereiteter Schüler vor einer entscheidenden Prüfung, wenn der „ehemalige Dirigent plötzlich wieder mitten im Orchester sitzt“, weshalb der Positionstausch schnell verworfen wurde. Nach intensiven Gedankenspielen entdeckten die Protagonisten das Ei des Kolumbus: Daniel Riffert übernimmt im Sommer den neu zu schaffenden Posten des Sportdirektors, Pascal Dos Santos Coelho rückt eine Stufe nach oben und übernimmt den Job eines Spielertrainers.
Eine Lösung, die ausschließlich Gewinner hervorbringt. „Wir sind in der Abteilungsleitung bezüglich der sportlichen Expertise nicht optimal aufgestellt“, befindet Uwe Sippel (Leitung) selbstkritisch, der mit Timo Reichardt (Organisation, Spielbetrieb) und Martin Kunder (Marketing) das Heimerdinger Fußball-Triumvirat bildet. Die Sportkompetenz stößt nun in persona Daniel Riffert im Sommer dazu, womit das Führungstrio zum Quartett anwächst.
„Ich bin seit 14 Jahren hier“, betont der Trainer-B-Schein-Inhaber, „ich kenne mich hervorragend aus.“ Denn, so stellt Riffert klar, er sei weder ausgebrannt noch gebe es irgendwelche Differenzen zwischen ihm und dem TSV. „Ich will nur nicht mehr die zeitintensive Arbeit des Cheftrainers leisten“, sagt der Vater eines vier Jahre alten Sohnes, „ich will etwas Gas rausnehmen.“
Vereinsamen wird Riffert nicht, wenn er sich als Sportdirektor aufs Vereinsgelände begibt, ihm bleiben allerhand Aufgaben übrig. Er sieht sich in erster Linie als Bindeglied zwischen Mannschaft und Abteilungsleitung, er wird gemeinsam mit dem künftigen Chefcoach Dos Santos Coelho den Kader zimmern, er wird den Spielermarkt beobachten und Vertragsgespräche mit potenziellen Neuzugängen führen genauso wie er mit den TSV-Kickern in Kontakt bleiben wird. Auch die Organisation eines Trainingslagers würde in seinen neuen Arbeitsbereich fallen. „Ich freue mich darauf“, sagt Daniel Riffert, „die Taktiktafel ist dann tabu.“
Noch gehört die Tafel zu den Utensilien, die der 35-Jährige benutzen muss. Der nächste Gegner am Samstag (15 Uhr) im Auswärtsspiel heißt FV Löchgau. Das Team ist ein reichlich unangenehmes, und wenn Riffert an das Hinspiel denkt, überkommt ihn Schaudern. „Da haben wir unsere erste Niederlage bezogen“, erzählt er, „und wenn ich das einordne, würde ich sagen: Das war unser schlechtestes Spiel überhaupt in dieser Runde.“ Für die Mannschaft um Kapitän Sebastian Bortel steht eine Revanche, eine Wiedergutmachung auf dem Programm.
Die Stimmung in Heimerdingen im Frühling ist erwartungsfroh. Fußball-Chef Sippel sieht die Kontinuität im sportlichen Bereich bewahrt, das Team liegt in der Liga drei Punkte vor dem VfR Heilbronn an der Spitze – gut möglich, dass Daniel Riffert als Meistertrainer auf den Posten des Sportdirektors eines Verbandsligisten wechselt. Ob der Mann dann tatsächlich so viel Gas wegnehmen kann, wie er eigentlich erwartet hat?