Sie mussten alle durchatmen, die Fußball-Freunde des TSV Heimerdingen. Das 2:1 über den TSV Ilshofen war zweifellos verdient, dennoch hing es in der Nachspielzeit am seidenen Faden. Da lag der Ball plötzlich im Tor hinter Lukas Emmrich – und hätte der Assistent an der Seitenlinie nicht seine Fahne ebenso schnell wie deutlich sichtbar in den Himmel gehoben, es wäre der 2:2-Ausgleich für den TSV Ilshofen gewesen. Direkt nach Ausführung des Freistoßes pfiff Schiedsrichte John Köber ab, und nicht nur Daniel Riffert schnaufte tief durch. „Zum Glück wurde auf Abseits entschieden, ein 2:2 wäre verdammt bitter gewesen“, sagte der Heimerdinger Chefcoach, „denn wir waren das gesamte Spiel deutlich überlegen.“
Kein Widerspruch. Mit dem Sieg über den Verfolger aus Ilshofen haben die Grün-Weißen wieder den Platz an der Sonne in der Landesliga für sich alleine, nachdem die SKV Rutesheim bereits am Mittwoch einen nachbarschaftlichen Freundschaftsdienst erwiesen und den (damaligen) Co-Spitzenreiter VfR Heilbronn mit 3:0 besiegt hatte. „Wir haben nach dem 1:3 beim FV Löchgau die richtige Reaktion gezeigt“, befand Daniel Riffert, „das war eine starke Leistung samt einem absolut verdienten Sieg.“
Eines hat das 2:1, das auch ein 3:1 oder selbst ein 4:1 hätte sein können, veranschaulicht: Der TSV Heimerdingen besitzt das Rüstzeug für die Meisterschaft, die Mannschaft kann sowohl personelle Tiefschläge kompensieren wie auch schwache Auftritte als punktuelle Ereignisse wegstecken. Nachdem Sturmtank Lars Ruckh („Ich greife nach Ostern wieder im Training an“) bereits seit Wochen mit einer Schiene am rechten Knie nur von jenseits der Bande bei den Partien anwesend ist, steckte der TSV am Freitagabend auch den Ausfall von zwei weiteren absoluten Stammspielern weg. Außenbahnflitzer Robin Reichardt hatte sich im Training am Donnerstag einen Muskelfaserriss zugezogen und Abwehrstammkraft Gabriel Fota musste wegen eines Magen-Darm-Infektes kurzfristig absagen.
Zwei Ausfälle müssen kompensiert werden
„Die Breite des Kaders ist einer unserer ganz großen Pluspunkte“, hatte TSV-Kapitän Sebastian Bortel schon kürzlich betont, und auch Riffert weist regelmäßig auf den ihm eigenen Luxus hin, dass er mehr als nur 11 nahezu gleichwertige Spieler in seiner Truppe vorfindet – und eine Rotation für ihn ein ebenso großes Problem darstellt wie das Binden eines Fußballschuhes. Zwei, die nicht immer zur ersten Elf zählen, bewiesen diese These nachhaltig. Casian Ulici wirbelte trickreich und schnell auf links, Filip Milos war torgefährlich, ihm wäre das 1:0 gelungen (37.), hätte nicht ein Ilshofener den Ball kurz vor der Torlinie geklärt. „Wir haben diese beiden Ausfälle hervorragend kompensiert“, sagte der 35 Jahre alte Chefcoach, der nach der Saison als Sportlicher Leiter der TSV-Fußballer fungieren wird.
Rudolf Buxmann als Dosenöffner
Zeigte sich die Überlegenheit in der ersten Halbzeit gegen den TSV Ilshofen lediglich in den Spielanteilen und in den Räumen, in der die Partie vorzüglich stattfand (in der Hälfte der Gäste), so taten die Heimerdinger nach der Pause das, was sich nicht nur die Bänker unter den Fußballern wünschen: die Überlegenheit in Tore ummünzen. Nachdem ein Schuss des brandgefährlichen Furkan Yumurtaoglu an den Pfosten geknallt war (50.), war es Rudolf Buxmann vorbehalten, den Heimerdinger Anhang unter den 200 Fans mit dem 1:0 (62.) zu erlösen. Nach einer Glanztat von Torhüter Emmrich gegen den Ilshofener Lukas Lindner (64.), köpfte Milos zum eigentlich vorentscheidenden 2:0 (77.).
Das dritte Tor hat gefehlt
Der einzige Makel des Team bestand darin, nicht früher für klare Verhältnisse gesorgt zu haben. So sah es auch Daniel Riffert: „Wir müssen eben das 3:0 machen. Und wir müssen nach dem 1:2 die Situationen vorne klarer ausspielen.“ Fußball in absoluter Perfektion hat der TSV Heimerdingen zwar nicht geboten, auch in der Defensive schlich sich nicht nur beim Gegentor der eine oder andere Fauxpas ein – doch selbst der designierte Bundesliga-Meister Bayer Leverkusen hat hie und da noch etwas Luft nach oben. TSV Heimerdingen: Emmrich – Geppert, Bortel, Pellegrino – Kuchtanin (60. Muratlar) – Stagel Alberto, Dos Santos Coehlo, Milos, Ulici (77. Buschermöhle) – Yumurtaoglu, Buxmann.