Fußball Landesliga SKV Rutesheim und der Mann für alle Fälle

Ein Mann mit mehreren Vorwärtsgängen: Janis lamatsch (vo.) im Spiel der SKV gegen den FSV Waiblingen Foto: Andreas Gorr

Stürmer Janis Lamatsch vom Fußball-Landesligisten SKV Rutesheim ist vielseitig einsetzbar und saß sogar schon als Ersatztorhüter auf der Auswechselbank.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Ist schon ein paar Tage her seit Janis Lamatsch bei der SKV Rutesheim eine komplette Spielzeit auf dem Feld verbrachte. Am 2. September in Sindringen war das der Fall und laut Internet-Rechner sind seitdem 82 Tage vergangen. Gegen den GSV Pleidelsheim könnte der Stürmer an diesem Samstag (14.30 Uhr) wieder eine Chance auf einen 90-Minuten-Einsatz von Trainer Christopher Baake bekommen. „Sie ist ernüchternd, diese lange Zeit des Wartens zehrt an den Nerven“, sagt Janis Lamatsch. Der 26-Jährige musste nicht wegen schwachen Leistungen oder übertriebenem Egoismus vor dem Tor vorzeitig vom Feld oder von Beginn an die Bank drücken. Es gab Tage, da wäre er sogar froh gewesen, er hätte überhaupt als Ersatzspieler draußen gesessen. Der Stürmer hatte sich in Sindringen kurz vor Schluss eine Verletzung geholt, einen hartnäckigen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Wieder mal.

 

„Da kommst du zu einem neuen Team“, erzählt der Kicker, der vom FV Löchgau gewechselt war, „machst eine gute Vorbereitung und nach vier Spieltagen ist alles schon wieder vorbei.“ Fünf Spieltage lag Janis Lamatsch wie ein frisch geangelter Fisch auf Eis, gegen die SpVgg Satteldorf feierte er am 14. Oktober in der 87. Minute sein Comeback auf dem Platz – und seitdem hat ihn Baake zwar in jeder Begegnung eingesetzt, doch die vollen 90 Minuten ist der Neuzugang nicht einmal gegangen. „Am Anfang fehlte noch brutal viel zur Bestform“, berichtet er, „ich habe drei, vier Spiele gebraucht, um überhaupt wieder einigermaßen spritzig zu werden und in einen Zustand zu kommen, mit dem ich dem Team helfen kann.“

Vielleicht liegt es an der Spielweise, dass Janis Lamatsch ein wenig verletzungsanfälliger ist. Man könnte sie als Selbstkannibalismus bezeichnen, als kalkulierten Raubbau am eigenen Körper. Ein Außenbandriss im Knie setzte ihn ebenso schon für mehrere Monate außer Gefecht wie ein Muskelbündelriss; auch die Patellasehne machte sich schon mal schmerzend bemerkbar.

Ein Typ wie Harry Kane

„Ich schone mich nicht in Zweikämpfen“, erzählt der Mann, der schon zwei Jahre in den USA in der höchste College-Liga gekickt hat, „ich bin ein Offensivspieler, der eher über den Körper kommt.“ Also keiner wie der argentinische Floh Lionel Messi (Inter Miami) ein Ballvirtuose, mit 1,84 Metern Größe und 86 Kilogramm eher einer vom Zuschnitt eines Robert Lewandowski (FC Barcelona) oder Harry Kane (FC Bayern). Wobei es eine üble Verleumdung wäre, Janis Lamatsch als Feind des Balles zu titulieren. „Ich habe schon ordentliche technische Fähigkeiten“, betont er, „und kann mehr als nur einen Ball fest machen.“ Immerhin spielt sein Körper soweit mit, dass sich der Stürmer, der in Stuttgart wohnt, noch keine schweren Blessuren wie einen Meniskusschaden oder einen Kreuzbandriss zugezogen hat. „Aus dieser Sicht will ich nicht klagen“, sagt er und klopft gedanklich dreimal auf Holz.

Ist Lamatsch fit und beschwerdefrei, kann ihn der Trainer fast auf jeder Position aufbieten – der 26-Jährige war schon in der Jugend variabel einsetzbar wie ein Schweizer Taschenmesser und weiß sich auf dem Fußballfeld überall adäquat zu bewegen wie Agent James Bond. Er wurde als Innenverteidiger aufgeboten, als defensiver wie offensiver Außenbahnspieler, als hängende Spitze oder als Stoßstürmer – und fast hätte er sogar als Torspieler sein Pflichtspieldebüt gegeben.

Option als Ersatztorhüter

In der Zeit beim FV Löchgau stand gegen den SV Breuningsweiler nur ein Torspieler zur Verfügung, Lamatsch befand sich nach einem Außenbandanriss im Knie mal wieder in Rekonvaleszenz, an einen Einsatz auf dem Feld war noch nicht zu denken. „Da ich im Training mal im Tor stand und eine ordentliche Figur abgegeben habe“, erzählt er, „wurde beschlossen: Du machst das.“ Tarnen und Täuschen: Der Gegner sollte nicht erkennen, dass kein echter Tormann mehr zur Verfügung stand, womöglich hätte er sonst den Goalie im Feld härter angegangen. Lamatsch musste nicht eingreifen, einen Monat später gab er sein Comeback in der Offensive. „Ich bin mir für nichts zu schade und stelle mich in den Dienst der Mannschaft“, betont der dreimalige Saison-Torschütze. Nun befindet er sich in Rutesheim wieder auf dem Weg in die Stammelf. Vielleicht darf er gegen seinen Heimatclub aus Pleidelsheim ja von Beginn an ran und spielt dann die vollen 90 Minuten durch. Und zwar als Stürmer.

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