Fußball Landesliga SKV Rutesheim zwischen Jubel und Enttäuschung

Inniges Duell auf der Außenbahn: Der Rutesheimer Henry Alexander Strahl (re.) gegen den Crailsheimer Moritz Lindner. Foto: Baumann/Alexander Keppler

SKV Rutesheim bringt dem TSV Crailsheim in einem dramatischen Landesliga-Match mit 2:2 den ersten Punktverlust 2024 bei – richtig freuen kann sich aber nur einer.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Christopher Baake war auch Minuten nach dem Schlusspfiff noch aufgewühlt. Und angefressen. Und ein ganz kleines bisschen erleichtert. Diese Gefühlsmelange, die der Trainer der SKV Rutesheim am späten Samstagnachmittag durchlebte, die hatte auch etliche SKV-Fans ergriffen.

 

Denn das 2:2 (0:0) im Topspiel gegen den Landesliga-Musterschüler TSV Crailsheim, der in diesem Jahr alle sechs Spiele gewonnen hatte, war wie ein üppiges, fettreiches Mahl am Abend – schwer zu verdauen. „Dieses Unentschieden fühlt sich an wie eine Niederlage“, stöhnte Baake, „aber immerhin haben wir große Moral bewiesen.“

Es war der erste Punktverlust für die Crailsheimer dieses Jahr. Dabei wäre ihnen beinahe der siebte Sieg in Folge gelungen und nicht einmal ein Punkt im Sportpark Bühl hängengeblieben. Denn erst mit der allerletzten Situation glich die SKV vor 150 Zuschauern das fast schon verloren geglaubte Spiel in der vierten Minute der Nachspielzeit aus.

Nach einem Freistoß von der Strafraumkante, den Yannik Riedlinger vors Tor schlug, köpfte Tim Rudloff den Ball zentimetergenau neben den Pfosten – TSV-Schlussmann Len Brutzer streckte sich, hätte aber wohl 15 Zentimeter größer sein müssen, um den Treffer zu verhindern. Dem befreiten Torjubel der Rutesheimer folgte schnell die Ernüchterung darüber, dass es auch zwei Punkte mehr hätten sein können. „Wir hätten den Sieg wirklich verdient gehabt“, bemerkte Baake süßsauer.

Stütz im Glück und im Pech

In einem Spiel, das lange auf hohem taktischen Niveau köchelte, was im Klartext bedeutet: Die disziplinierte Arbeit der Abwehrketten in den ersten 45 Minuten sowie der geringe Mut zum Risiko im Spiel nach vorn verhinderte die Entstehung eines rassigen Fußballspiels. Erst von Minute 55 an entwickelten sich Chancen, zweimal scheiterte die SKV knapp, die Führung deutete sich an. Laurin Stütz hatte sich mit Körpereinsatz nach einem Pass gegen Moritz Linder behauptet, war auf Torhüter Brutzer zugelaufen und schob den Ball zum 1:0 ins Netz (57.). Fünf Minuten später erreichte eine Flanke von Hannes Obert den Torschützen freistehend am Fünfmeterraum – Stütz stoppte den Ball vorbildlich, setzte ihn aber an die Latte. „Wenn wir da das 2:0 machen, ist das Ding durch“, war Baake überzeugt.

Flatterball führt zum 1:1

Vielleicht. So war es das eben nicht. Die Crailsheimer taten nun mehr für die Offensive, benötigten dennoch eine ordentliche Portion Glück zum 1:1. Matti Bunk zog aus gut 25 Metern aber, der Ball flatterte unberechenbar wie ein Schmetterling und zischte am verdutzten SKV-Torhüter Jan Göbel vorbei (76.). „Der hat den Ball wirklich sehr besonders getroffen“, klagte er, „kurz vor mir flattert der Ball weg – ich kann gar nichts machen.“ Und es kam noch schlimmer für die Rutesheimer. Nach einem Steilpass auf Daniele Hüttl stand SKV-Mann Riedlinger ungünstig, die Rettungsgrätsche ging ins Leere – der Crailsheimer marschierte auf Jan Göbel zu und ließ dem SKV-Keeper beim 2:1 für die Gäste keine Chance (88.).

Schiri mit eigener Regelauslegung

In der hektischen Schlussphase, in der die Emotionen so manchem durchgingen, gab es schließlich den Pfiff von Schiri Jonas Toranzo und den Freistoß, der zum verdienten 2:2 für die SKV führte. Apropos Schiedsrichter. Der Mann aus Wessingen (bei Hechingen) leitete die Partie ausgesprochen großzügig, hatte bisweilen eine individuelle Regelauslegung, die mal bei der SKV, mal beim TSV für Verwunderung oder Entsetzen sorgte. Er verweigerte Crailsheim einen Strafstoß, nachdem Henry Strahl Daniele Hüttl zu Fall gebracht hatte (4.), den neun von zehn Unparteiischen wohl gegeben hätten. Auch bei einem Steckpass der Rutesheimer, der hätte gefährlich werden können, aber per Hand eines Crailsheimers geblockt wurde, pfiff Toranzo nicht (82.). Am Ende glichen sich auch diese Situationen aus.

Als einziger, heimlicher Gewinner durfte sich Daniel Riffert fühlen. Der Trainer des TSV Heimerdingen, als stiller Beobachter im Sportpark Bühl, durfte sich über das späte 2:2 freuen, da so der TSV Crailsheim zu seinem Club im Kampf um die Meisterschaft auf Distanz gehalten wurde. SKV Rutesheim: Göbel – Strahl (46. Feigl), Rudloff, Ludwig (90+1 Weiß) – Riedlinger, Gebbert, Russ, Schneider – Obert (80. M. Wellert) – Heiler (74. Maier), Stütz.

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