Fußball Landesliga TSV Heimerdingen Die Gänsehaut-Momente von Haris Gudzevic

Auf dem Höhenflug: Haris Gudzevic (Mi.) hat bislang fünf Saisontore erzielt – und noch Lust auf mehr. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Stürmer des Fußball-Landesligisten TSV Heimerdingen spürt das gestiegene Vertrauen in ihn und zahlt es mit Toren und Kampf zurück.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Ob es die Masse von 70 000 Fans in der Bundesliga ist oder ob es lediglich 70 in der Landesliga sind – es ist ein Gänsehaut-Moment für jeden Fußballer, wenn er kurz vor Schluss ausgewechselt wird und dabei mit warmem Applaus von der Tribüne überschüttet wird. „Das war ein echt geiles Gefühl“, erzählt Haris Gudzevic von seinen Empfindungen, als er in der 82. Minute in der Partie bei Germania Bietigheim das Feld verlies und die zahlreichen Anhänger des TSV Heimerdingen laut und anerkennend in die Hände klatschten. Der Stürmer hatte das wichtige 1:0 erzielt und hatte viel gearbeitet. „Das hat mich schon sehr, sehr gefreut“, erinnert sich der 23-Jährige gerne zurück.

 

Haris Gudzevic hat im Sommer 2022 den Sprung in die Landesliga gewagt, zuvor hatte er den SV Gebersheim in der Runde zuvor mit 32 Saisontreffern vor dem Abstieg bewahrt – nun wollte er seine Karriere eine Stufe höher fortführen. In der ersten Saison in Heimerdingen wurde er 30-mal eingesetzt, absolvierte aber nur einmal die vollen 90 Minuten. In Michele Ancona und Lars Ruckh hatte der Bosnier zwei Hochkaräter im Sturm vor sich, sodass er mehr eine Alternative denn eine Stammkraft war.

Nun sind die Karten neu verteilt: Ancona hat Arrivederci gesagt, Ruckh ist beruflich oft verhindert und Neuzugang Rudolf Buxmann (der schon acht Treffer erzielte) ist derzeit verletzt. Nun sind die Qualitäten des Stoßstürmers und Strafraumschrecks Gudzevic in der Güteklasse A gefragt. „Ich möchte nicht von Verletzungen der anderen profitieren, sondern den Trainer mit meinen Fähigkeiten überzeugen“, betont die Offensivkraft des TSV mit der Rückennummer 31.

Das ist ihm gelungen. TSV-Coach Daniel Riffert hat den Rechtsfuß („mein linker ist etwas schwächer“) in elf Spielen zehnmal von Beginn an aufs Spielfeld beordert – das hat Haris Gudzevic soviel neues Selbstvertrauen verliehen, dass er gegen den SV Schluchtern (5:1) einen Eckball direkt flach verwandelte. „Ich weiß, dass ich vom Coach Rückendeckung habe“, sagt er, „dann traut man sich auch mehr.“ Fünf Tore stehen auf seinem Konto, der Schnitt 0,45 ist für einen Stürmer nach 703 Einsatzminuten okay, könnte aber besser sein. „Ich habe einen Elfmeter verschossen, das ärgert mich extrem“, bemerkt der 23-Jährige. Der Blick auf die 13 Tore in sieben Bundesliga-Begegnungen von Serhou Guirassy vom VfB Stuttgart (Quote 1,86) quittiert Gudzevic mit einem Lächeln und dem strengen Hinweis, er stelle sich „in den Dienst der Mannschaft und freue mich genauso, wenn ich mit einem Einwurf ein Tor einleite wie wenn ich selbst eines erziele“.

Blick auf Cristiano Ronaldo

Wobei Haris Gudzevic den Profi aus Guinea nicht als Vorbild nennt, er hält es da mehr mit dem in die arabische Liga ausgewanderten Superstar Cristiano Ronaldo – der Portugiese stellt für ihn den absoluten Prototypen eines Fußballers dar. Beidfüßig, trickreich, schnell, torgefährlich. Der Landesliga-Akteur eifert Ronaldo auch nach, er schiebt Überstunden, wenn das Mannschaftstraining vorbei ist. „Um immer besser zu werden, muss man hart arbeiten und mehr tun als die anderen“, sagt der Heimerdinger Stürmer, „das kennt man von Ronaldo, so halte ich es auch.“

Weites Pendeln zum Arbeitsplatz

Freilich nicht in der Intensität, wie der mittlerweile 38-Jährige es in seiner ruhmreichen Karriere getan hat – schließlich füllt Gudzevic neben seiner Rolle als Fußballer beim TSV noch eine Position im Personalbüro eines Herstellers von Photovoltaik-Anlagen aus. Dafür muss er zwischen seinem Wohnort Höfingen und dem Arbeitsplatz pendeln, was täglich mehr als eine Stunde benötigt. Das frisst die Zeit für Extraschichten am Ball und im Fitnessstudio.

Nun haben sie für Ronaldo auf Madeira eine Statue gebaut. Zu so immensem Ruhm muss es der agile und auf dem Platz auch mal giftige Bosnier in Heimerdingen nicht bringen, dass sie ihm am Sportplatz an der Weissacher Straße ein Denkmal setzen. Gudzevic ist bescheiden: Er will an diesem Sonntag (16 Uhr) im Heimspiel gegen Aufsteiger SG Sindringen/Ernsbach in der Startelf stehen, er möchte eine starke Partie abliefern und die Leistung am besten mit einem (oder mehreren) Treffern krönen. Wenn er dafür ehrlichen Applaus von den Zuschauern und einen weiteren Gänsehaut-Moment bekommt, ist Haris Gudzevic glücklich und zufrieden.

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