TSV Weilimdorf – FC Blaubeuren (Sonntag, 15 Uhr)
Dass der FC Blaubeuren an diesem Wochenende im Norden Stuttgarts gastieren darf, das ist keineswegs selbstverständlich. Aus sportlicher Sicht waren die Blautopf-Kicker in der Vorsaison abgestiegen. Im Relegationsfinale unterlagen sie dem VfL Kirchheim im Elfmeterschießen, durften aufgrund des Oberliga-Aufstiegs von Normannia Gmünd allerdings in der Liga bleiben. Was dann kam, konnte wohl kaum jemand vorhersehen. Die Mannschaft von Trainer Darko Tomic spielte eine fabelhafte Hinrunde, stand zwischenzeitlich sogar auf dem zweiten Tabellenplatz. Jenem Rang, dem die halbe Staffel nacheifert. Denn dieser qualifiziert für die Aufstiegsspiele zur Verbandsliga – und zeigt sich als wohl einzig verbliebene Aufstiegsmöglichkeit. Der FC Esslingen ist auf seinem Durchmarsch nämlich weit enteilt.
Obwohl Weilimdorf beim 2:2 in Waldhausen vor Wochenfrist den heiß begehrten Platz nicht ergattern konnte, bleibt dieses Ziel weiter vor Augen. „Wir wollen Zweiter werden, dafür müssen wir Punkte holen“, sagt Manuel Fischer vor dem Aufeinandertreffen mit dem FC Blaubeuren. Letzterer hatte sich zuletzt ein wenig aus dem Aufstiegsrennen abgemeldet, denn 2024 gelang der Elf aus dem Alb-Donau-Kreis kein einziger Pflichtspielsieg. Aus sechs Partien gab es lediglich zwei Punkte zu holen. Nichtsdestotrotz können die Gäste an der Giebelstraße punktetechnisch mit den Weilimdorfern gleichziehen. „Player to watch“ bei den Blaubeurenern sind Filip Lijesnic, mit elf Treffern bester Schütze des Teams, sowie der spielende Co-Trainer und Ex-Profi in Kroatien Dario Tomic.
Und wen haben die Gastgeber in der Landeshauptstadt gegenüberzustellen? Derzeit vor allem – defensiv wie offensiv – Erdinc Bozoglu. Der Innenverteidiger traf in den vergangenen beiden Partien insgesamt dreimal. Als Abwehrspezialist muss er gerade sozusagen den Knipser geben, denn für den Rest der Mannschaft gilt: „Vor dem Tor sind wir zu unentschlossen“, hadert sein Trainer. Fischer legte im Training nun vermehrt den Fokus auf die Fähigkeiten, die es im gegnerischen Drittel benötigt. Klar sei dabei, dass „das Spiel auch andere Komponenten hat“, die es nicht zu vernachlässigen gilt.
Fischer: „Es müsste mit dem Teufel zugehen“
Auf dem Platz könnte der 34-Jährige sogar selbst für die entsprechende Balance sorgen. In Waldhausen feierte er zuletzt sein Saisondebüt als Feldspieler, am zweiten Spieltag stand er kurioserweise zwischen den Pfosten. „Das ist nicht der Plan, dass ich spiele. Ich wollte einen zweiten Strafraumstürmer auf dem Platz, hatte aber keinen. Deshalb habe ich mich im Sinne der Mannschaft und gegen meinen Willen selbst eingewechselt“, sagt Fischer, bei dem die nötige Fitness vor allem durch seine Aktivität in der Baller League gewährleistet ist. Erneut möchte er nicht unbedingt auflaufen, doch die Ausfallliste für den kommenden Sonntag hält mal wieder zwei Namen bereit: Dino Mujcic ist privat verhindert, Enis Küley laboriert einmal mehr an muskulären Problemen.
Generell möchte sich Fischer ohnehin mehr seiner eigentlichen Aufgabe an der Seitenlinie widmen. Aktuell läuft es eben auch gut, am Sonntag ist erneut der Sprung auf den Relegationsplatz zwei möglich, sah die Welt der Weilimdorfer bei der 2:3-Hinspielniederlage in Blaubeuren noch ganz anders aus. Am siebten Spieltag stand da nämlich noch kein einziger Sieg zu Buche. Nun aber peilen sie im Verein Historisches an. Der Aufstieg in die Verbandsliga ist möglich, war die bislang beste Landesliga-Platzierung doch ein sechster Rang (erreicht 2017/18 und 2018/19). Die positive Entwicklung will der Ex-VfB-Profi mit dem TSV weitergehen. „Es wäre Schwachsinn, nach einem Jahr schon wieder einen anderen Weg zu gehen“, sagt Fischer. „Ich fühle mich wohl hier.“
Es laufen derweil Gespräche mit dem Verein, die laut des Trainers positiv seien. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen“, sagt Fischer zu einer Beendigung seines Engagements an der Giebelstraße zum Saisonende – unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Der sportliche Leiter Sahin Durdu stimmt ein und sagt: „Wenn nichts Fahrlässiges passiert oder nicht noch der FC Bayern bei ihm anruft, dann ist Manuel Fischer nächste Saison Trainer beim TSV Weilimdorf.“ Formelles gelte es jedoch noch zu klären.
TSV Buch – MTV Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)
Trotz Abstiegskampf in der Aufstiegssaison scheint auch der Meistertrainer Björn Lorer fest im Sattel des MTV Stuttgart zu sitzen. An diesem Sonntag geht es für ihn und die Seinen auf die weiteste Auswärtsfahrt der aktuellen Runde: Gastgeber ist der TSV Buch im äußersten Westen Bayerns. Per Sonderspielrecht darf der Club in den Wettbewerben des Württembergischen Fußballverbands mitmischen. So kommt es auch, dass das Team von Trainer Harald Haug aktuell im Halbfinale des WFV-Pokals steht. Zuletzt bezwang der Underdog den Verbandsligisten Türkspor Neckarsulm. Welcher Gegner es nun wird, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass es wohl ein Traumlos sein wird für den kleinen Verein aus Bayern. Möglich wären beispielsweise die Stuttgarter Kickers, der SSV Ulm oder Sonnenhof Großaspach.
Im Liga-Alltag sieht es für die Bucher hingegen deutlich weniger rosig aus. Seit fünf Landesligaspielen warten sie auf einen Sieg. Während der TSV noch im großen Kreis der Aufstiegsanwärter schwirrt, ist der Abstand zur Abstiegszone geringer (sieben statt sechs Punkte). Ebenjene sechs Zähler sind es Abstand auf den MTV Stuttgart, der trotz eines 3:0-Siegs gegen Türkspor Neu-Ulm am vergangenen Wochenende die Zone unter dem Strich nicht verlassen konnte, weil die direkte Konkurrenz ebenfalls gewann. Vorteil diesmal: In den beiden Ulmer Clubs FC Srbija und SSG treffen zwei Abstiegskandidaten direkt aufeinander. Vor dem Bundesland-Vergleich ist also klar: Gewinnen die Bawü-Landeshauptstädter, ziehen sie die Freistaat-Vertreter mit in den Abstiegskampf. „Sie müssen ein Auge nach unten werfen“, sagt der MTV-Trainer Björn Lorer, und weiß für seine Seite: „Ein Dreier ist notwendig.“
Bänderriss Nummer vier beim MTV Stuttgart
Es soll also wie zuletzt klappen, und auch das Spielkonzept wird ähnlich zur vergangenen Partie aussehen. Sprich: die neu erprobte Doppelspitze aus Till Flach an der Seite von Raphael Hahn hat Früchte getragen und soll offensiv erneut für Flexibilität und Entlastung des Bezirksliga-Ballermanns Hahn sorgen. „Wenn alle fit und gesund bleiben, habe ich nicht vor, viel umzubauen“, gewährt Lorer einen Einblick in die Pläne zur Mannschaftsaufstellung. Stichwort fit und gesund: Julius Jipp, zuletzt kam er von der Bank, erlitt im Training einen Außenbandriss. Nach Winter-Neuzugang Valentin Loparco, Dominik Schulz (beide noch nicht einsatzbereit) sowie dem wieder genesenen Till Flach ist es der vierte Spieler beim MTV, der seit der Winterpause wegen einer Bänderverletzung am Sprunggelenk aussetzen muss. Emre Türkoz fehlt darüber hinaus aus privaten Gründen, Götz Gaiser hingegen kehrt nach seiner Sperre aus dem Stuttgarter Derby wieder zurück in das Aufgebot.
Offensiv soll es also erneut die Doppelspitze richten, und ansonsten? „Es wird viel auf die Zweikampfführung auf diesem engen Platz ankommen“, sagt Lorer. Der Rasenplatz in Buch ist für seine besonderen Maße berühmt-berüchtigt, tun sich mithin auch einige Spitzenteams dort schwer. Davor hat der MTV-Coach wenig Furcht, haben sie bei sich am Kräherwald doch ebenfalls einen Kunstrasen, dessen geringe Fläche seinesgleichen sucht. Probleme sieht Lorer an zwei anderen Stellen. Zum einen ist seine Truppe auswärts generell nicht erfolgsverwöhnt (nur ein Punkt aus den drei letzten Partien in der Ferne), zum anderen ist es mit 140 Kilometern eben auch eine besondere Anfahrt. „Das lange Sitzen im Bus ist nicht gerade förderlich“, sagt er. „Viele kennen das nicht, in den letzten Jahren waren es in der Bezirksliga oft nur zehn Minuten.“
Dorthin möchten sie aber vorerst nicht zurück, der Klassenverbleib als klares Ziel. Ein Abstieg könnte die Karten in puncto Personal zudem noch einmal durchmischen. Generell seien fast alle Spieler gewillt, beim MTV zu bleiben. Lediglich drei, vier Wackelkandidaten wüssten nicht, ob sich ihr Lebensmittelpunkt verschiebt. „Das Gerüst wird bestehen bleiben“, sagt Lorer. Allerdings gelte das nur im Falle der Landesliga-Zugehörigkeit. „Manche haben sich da ein Türchen offengehalten.“