Fußball-WM Der erste Sturm ist nicht gesetzt

Von StZ 

Im deutschen Angriff tobt ein Konkurrenzkampf, den selbst Prinz und Grings fürchten müssen. Die jungen Wilden da Mbabi und Popp lauern.

Birgit Prinz (links) und Inka Grings: die gute Laune im Training könnte den beiden Routiniers noch vergehen. Foto: dpa
Birgit Prinz (links) und Inka Grings: die gute Laune im Training könnte den beiden Routiniers noch vergehen. Foto: dpa

Berlin - Inka Grings hat vor ihrer Anreise zur Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich viel zu bieten gehabt: Die Angreiferin des FCR Duisburg avancierte erst kürzlich mit 352 Bundesligatreffern zur erfolgreichsten Torjägerin in der Geschichte der Frauen-Bundesliga - und bei den Testspielen vor der WM agierte sie stets passabel. Inka Grings ist auch selbstbewusst, wurde sie doch bei der EM 2009 in Finnland, bei der die deutsche Elf im Finale England mit 6:2 bezwang, zur Spielerin des Turniers gewählt. Den Titel der EM-Torschützenkönigin holte sich die heute 32-Jährige mit sechs Treffern obendrein.

Trotzdem ist Inka Grings, die in der offiziellen WM-Mappe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als "echt rheinische Frohnatur" beschrieben wird, die einzige Spielerin aus der erfolgreichen Startelf des EM-Finales von Helsinki gewesen, die am Sonntag im Eröffnungsspiel der WM gegen Kanada (2:1) nicht anfangen durfte. "Inka hat das sehr professionell aufgenommen", sagte die Bundestrainerin Silvia Neid, ohne die näheren Umstände ihrer Rochade erläutern zu wollen. Für Grings war die junge Celia Okoyino da Mbabi, die Schützin des 2:0, in die erste Elf gerückt, so dass Letztere von Neid gleich ein Sonderlob erhielt: "Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht."

Erst als da Mbabi in der 65. Minute ein wenig entkräftet vom Feld musste, kam Inka Grings rein. "Ich war schon ein bisschen überrascht, dass ich nicht spiele. Ich habe das bereits einen Tag vorher gesagt bekommen", erklärte Grings, "die Trainerin wollte wohl jung mit erfahren mischen." Während Grings, die als gebürtige Düsseldorferin ein Fan des 1. FC Köln ist, nun im Training zeigen möchte, "dass ich von Beginn an ran will", spricht dennoch viel dafür, dass sie am Donnerstag im zweiten Vorrundenspiel gegen Nigeria zunächst wieder zuschauen muss. Denn den erfahrenen Part neben da Mbabi übernahm am Sonntag die Spielführerin Birgit Prinz, die sich allerdings - wie Grings - gegen einen aufstrebenden Twen behaupten muss.

Drohen Grings und Prinz die Ablösung durch die junge Riege?

"Ich bin nicht so zufrieden mit meiner Leistung", sagte Birgit Prinz, die gegen Kanada bereits in der 56. Minute durch die 20-jährige Alexandra Popp ersetzt wurde. Freiwillig hat die DFB-Rekordtorjägerin aber nicht Platz gemacht: "Jede spielt gerne länger, aber die Alex hat definitiv frischen Wind gebracht", sagte Prinz nach dem Auftaktmatch - und zeigte sich durchaus selbstkritisch, obwohl sie das 1:0 durch Kerstin Garefrekes vorbereitet hatte: "Dass ich selbst keine Torchancen hatte, lag sicher daran, dass ich von Beginn an nicht richtig drin war in der Partie."

Droht dem vormals ersten Sturm, also dem Tandem der Altmeisterinnen Grings und Prinz, am Ende gar die komplette Wachablösung durch die junge Riege? "Wir haben sehr viel Qualität vorne drin, so dass keine von uns Stürmerinnen immer die vollen 90 Minuten für sich beanspruchen kann", sagte Grings, der 2003 in einem Länderspiel gegen Portugal (11:0) fünf Treffer gelungen waren und die in ihrer Karriere als Europameisterin, Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin sowie als Uefa-Pokalsiegerin alles gewonnen hat: Nur der WM-Titel fehlt ihr, obwohl Grings bereits 1996 in der Nationalelf debütierte. Beim WM-Triumph 2003 fehlte sie verletzt; und 2007 war Grings, die den Ruf einer Rebellin genoss ("Ich bin jetzt in vielen Dingen ruhiger, weil ich weiß, was im Leben zählt") wegen Kritik an der Bundestrainerin Silvia Neid frühzeitig aussortiert worden.

Es folgte eine Zeit, in der die Stürmerin mit einem vom Boulevard ausgeschlachteten Dreiecksverhältnis zwischen ihr, der Nationalelfkollegin Linda Bresonik und dem einstigen Erstligatrainer Holger Fach Schlagzeilen machte. Gemeinsam mit der zweifachen Weltfußballerin Prinz, die mit ihrem zurückhaltenden Auftreten oft den Gegenpol zu der Stürmerkollegin aus Duisburg bildete, bringt es das Duo auf die Erfahrung von 305 Länderspielen.

Daher gilt es als sicher, dass zumindest Birgit Prinz am Donnerstag von Anfang an ran darf. "Sie ist eine Turnierspielerin. Bei der EM 2009 hat sie auch ein wenig gebraucht, bis sie in Tritt gekommen ist - und dann hat sie zwei Tore im Endspiel gemacht", sagte die Teammanagerin Doris Fitschen nach der Kanada-Partie: "Birgit wird wieder die gewohnt wichtige Rolle spielen." Die Assistenztrainerin Ulrike Ballweg fügt hinzu: "Dagegen ist Celia ganz jung, aggressiv - und auf dem Platz auch mal wild." Es spricht also wieder viel für die Kombination jung (da Mbabi) und erfahren (Prinz). Inka Grings wird das nicht gerne hören.