Fußballprofis bei Facebook Der schöne Schein

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Politiker lassen ihr PR-Team gern in der dritten Person über sich schreiben. In der Unterhaltungsbranche und unter Sportlern ist das weit weniger beliebt – man will ja ganz nah dran sein an den Fans oder am Star, je nachdem. Der schöne Schein. Neu ist das nicht: Schon bei Autogrammkarten konnte man nie sicher sein, ob sie der Star tatsächlich selbst unterschrieben hat.

Bei Spirit beteuern sie, es besser zu machen, echter. Er denke permanent darüber nach, was „seine“ Spieler auf Facebook posten würden, sagt Jürgen Knappenberger. Wenn Kevin Kuranyi ein Tor schießt, schreibt Knappenberger alias Kuranyi auf Facebook: „Ich habe ein Tor geschossen.“ Wenn einer der Kunden in der Presse kritisiert wird, dann ruft Jürgen Knappenberger schon mal bei der Zeitung an und spielt Zitategeber im Namen seines Schützlings – alles schon vorgekommen. Der PR-Berater nimmt die Identität seines Schützlings an, in gewisser Hinsicht ist er der Spieler.

Das Verhältnis von Fußballern zu ihren Fans hat sich gewandelt – im Guten wie im Schlechten. Sportler können jetzt an den Medien vorbei mit ihren Fans kommunizieren. Umgekehrt haben etwa unzählige Fans ihren Hass bei Mario Götze abgeladen, als dessen Wechsel zu Bayern München im Frühsommer 2013 öffentlich wurde. Da ist man als 20-Jähriger froh, wenn einem der Berater durch den Shitstorm hilft. Zumal Götze nur zwei Monate später wegen eines peinlichen Vertippers, einem Buchstabenverdreher, erneut den Spott der Fans abbekam.

 


Götze hatte ursprünglich "Kapital" geschrieben. Der Fehler wurde recht bald korrigiert.

Eine tolle Werbeplattform

Fußballprofis sind nicht nur Fußballer, sondern auch Werbeträger mit einem Image, das es zu pflegen gilt. „Wenn ein Facebook-Profil mehr Abonnenten hat als die ,Tagesschau‘ Zuseher, dann ist das eine tolle Werbeplattform“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Michael Schaffrath von der TU München. Da überlassen auch junge, in Social Media geübte Sportler die Arbeit lieber Profis. Trotzdem drängen sich Fragen auf. Was ist authentisch, was konstruiert? Kann man von einem 18 Quadratmeter großen Büro im Remstal aus in Kuranyis Namen Spiele von Dynamo Moskau kommentieren?

Zumindest die Atmosphäre in der zum Agenturbüro umgebauten Einliegerwohnung stimmt. Im Flur grüßt Kuranyi als realitätsnaher Pappaufsteller, an den Raufaserwänden hängt ein starkes Dutzend Trikots von Agenturkunden, beschriftet mit Lobeshymnen. Mit solchen Devotionalien und den permanent laufenden TV-Sportnachrichten fühlt man sich im kleinen Büro der großen weiten Fußballwelt ganz nah – und durch den Materialnachschub über Whatsapp. Die Sportler nutzen das Handyprogramm, um Texte und Fotos zu schicken, die die Agentur verarbeitet.