Fußballprofis bei Facebook Wenn Kuranyi zu Weihnachten eine Whatsapp-Nachricht schickt

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Jürgen Knappenberger zeigt, was Kevin Kuranyi ihm aufs Smartphone gesendet hat: Aufnahmen vom Strandurlaub, ein Foto, auf dem er dem Präsidenten von Real Madrid die Hand schüttelt, darunter die Nachricht: „Vertrag unterschrieben“. Ein kleiner Scherz, das sei typisch, sagt Knappenberger. „Der Kevin ist brutal selbstironisch.“ Er wischt über sein Smartphone. Whatsapp sei für ihn unersetzlich geworden: „Mir ist am 24. Dezember siedend heiß eingefallen, dass Kevin noch einen Weihnachtsgruß versenden muss.“ Also sei der im Urlaub in Panama mal kurz in ein Einkaufszentrum spaziert und habe ein Selfie unterm Weihnachtsbaum gemacht, erzählt Knappenberger – er zeigt das Ergebnis auf seinem Smartphone. Andere Spieler schickten Bilder aus ihrem Hotelzimmer.

Das ist die neue Fußballwelt. Fußball als Sport für die ganze Familie, auch softe Themen werden zunehmend interessant. „Mit Recht können wir von der Authentizität des Banalen sprechen“, bilanziert der Özil-Dienstleister Result Sports im hauseigenen Magazin „Digitale Sport Medien“ die Fußball-WM. Und weiter: „Die Fans an den privaten Momenten der Spieler teilhaben lassen – selbst wenn dahinter im einen oder anderen Fall eine Agentur steckt, die mit dem Spieler bestimmte Postings plant – dieses Ziel dürfte gelungen sein.“

Auch die Medienlandschaft hat sich verändert. Seltener beim VfB Stuttgart, regelmäßig aber beim FC Bayern oder Schalke 04 wird sogar das Trainingsgelände von Journalisten und Bloggern belagert und von Leuten, die jede Kleinigkeit ins Internet stellen. Wo solche Meldungen dann weltweit gelesen werden.

Die Journaille, das sind die Bösen

Der Kommunikationswissenschaftler Schaffrath hat 4150 Medien gezählt, die allein in Deutschland regelmäßig über Sportereignisse und Sportler berichten. Undenkbar sei es mittlerweile, dass die Spieler wie früher „beim Trainingslager im gleichen Hotel mit den Journalisten wohnen und man sich abends an der Bar zum Bierchen trifft“, sagt Jürgen Knappenberger.

Dass es mal so war, weiß der Kenner der Branche nur zu gut. Bevor sie ihre Agentur gründeten, waren Knappenberger und sein Kollege Meyer Sportjournalisten – und als solche nicht mehr gut gelitten. „Da wird von Seiten der Vereine ein Feindbild aufgebaut“, sagt Knappenberger. Die Vertreter der Journaille gelten als die Bösen. Die Spieler hätten sich kaum mehr geäußert, wenn überhaupt, dann mit nichtssagenden Sätzen direkt nach dem Spiel. Ansonsten seien sie oft wortlos an den Journalisten vorbeigelaufen.

Knappenberger und Meyer hatten darauf keine Lust mehr und wechselten die Seiten. Jetzt sind sie die Guten aus Sicht der Fußballer. Sie schalten sich zwischen Spieler und Öffentlichkeit, manchmal auch zwischen Spieler und Verein. Für die ehemaligen Kollegen von der Presse macht es das nicht immer leichter, denn ihnen wird jetzt von zwei Seiten hineingeredet.

Absichtlich Rechtschreibfehler einbauen?

Bei Spirit hingegen sind sie zumindest „ihren“ Sportlern jetzt näher als je zuvor. Jedes Spiel der Schützlinge wird angeschaut. Einmal im Jahr wird mit den Spielern und deren Familien im Garten hinter dem Büro gefeiert, es gibt Grillwürste und Bier. Einander gut zu kennen, ein Gefühl dafür zu bekommen, was der Fußballer wohl als Nächstes auf Facebook posten würde, ist eine der Hauptaufgaben der Agenturleute. Denn die Fans glauben, dass der echte Kuranyi schreibt oder dass es wirklich Özil ist, der aus seinem Urlaub erzählt. Den Kommentaren auf Facebook merkt man das nicht an. Das ist ja der Witz an sozialen Medien: es wird der Eindruck erweckt, als sei man nur einen Klick entfernt von den Stars.

Nur: Fußballprofis können in der Regel besser kicken als Social-Media-Beiträge erstellen. Wirkt das, was Agenturleute machen, also nicht zu perfekt? Sie hätten schon überlegt, absichtlich Rechtschreibfehler in die Facebook-Beiträge einzubauen, gesteht Knappenberger. Aber das wäre dann wohl ein bisschen zu echt gewesen.