Galerie der Stadt Backnang Weltenbummlerin auf Stippvisite

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Alke Reeh wollte unbedingt im gotischen Chor der Galerie der Stadt Backnang ausstellen. Die aller meisten Anfragen lehnt die Kommune ab. Reehs Ausstellung wird am Freitag eröffnet.

Die Künstlerin Alke Reeh spiegelt sich in ihrem Werk „Decke reflektieren“ im gotischen Chor in Backnang. Foto:Gottfried Stoppel Foto:  
Die Künstlerin Alke Reeh spiegelt sich in ihrem Werk „Decke reflektieren“ im gotischen Chor in Backnang. Foto:Gottfried Stoppel

Backnang - Sie ist von klein auf viel herumgekommen auf der Welt, zunächst mit den Eltern, beide Naturwissenschaftler. Mama und Papa hätten sie von einem Ausgrabungsort zum nächsten geschleppt, sagt Alke Reeh und lacht. Schon lange indes ist die Weltenbummlerin der schönen Künste wegen ständig auf Achse. Die Künstlerin, deren Ausstellung „drehen und wenden“ an diesem Freitag, 20. September, in der Galerie der Stadt Backnang eröffnet wird, hat in Indien gearbeitet, in Mexiko, in Saudi-Arabien und in China.

Sie wollte aber unbedingt auch mal in Backnang ausstellen. Das sagt Reeh am Tag vor der Vernissage. Nicht, weil der Name der Stadt irgendwie nach Asien klinge, wie sie augenzwinkernd erklärt, sondern wegen dieses einmaligen Ausstellungsorts, wegen des gotischen Chors der ehemaligen Michaelskirche, der heute zur Galerie der Stadt gehört. Sie hatte Fotos von anderen Ausstellungen in dem imposanten Bauwerk gesehen, eine Bewerbung geschrieben – und dann länger nichts gehört vom Kulturamt.

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

Jetzt aber ist es soweit. Im gotischen Chor ist ihr Kunstwerk „Decke reflektierend“ zu sehen, dem die Form einer Halbkugel zugrunde liegt. Allerdings ist diese aufgeklappt und auseinander gefaltet. In den zahlreichen, miteinander verbundenen Fünfecken aus Spiegelglas gewinnt der Betrachter bei jedem Schritt, den er tut, einen anderen Eindruck des einstigen Sakralraumes. Von der Decke und von den Wänden würden unterschiedliche Details als Spiegelbild entnommen, erklärt die Künstlerin während dieses Rundgangs durch ihre Ausstellung. Diese Fragmente würden „zusammenhanglos aneinander gefügt“. Es ergäben sich immer wieder neue, willkürliche Muster und Verdoppelungen. Ihre Arbeit fungiere quasi als Brennglas.

Alke Reeh ist in München geboren worden, sie spricht aber keinen bayerischen Dialekt, eben weil sie mal hier, mal dort gelebt hat. Nach dem Studium der Metallgestaltung an der Fachhochschule Hildesheim hat sie gleich ein zweites Studium gemacht: freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Wer sie nach ihrem Alter fragt, bekommt diese Antwort: „alt genug“ – und dazu ein Lächeln. Aha. Ihr erstes Studium hat Alke Reeh 1981 begonnen, womöglich gleich nach dem Abitur? Man kann sich also grob ausrechnen, wie alt sie sein mag. Ihre Arbeit als Künstlerin, sagt Reeh, sei „immer auch eine Analyse“. Sie hätte fast genauso gut eine Naturwissenschaft studieren können, habe mal mit dem Gedanken gespielt, ein Medizinstudium zu machen. Aber als Arzt in einer Praxis arbeiten? Nein, das wollte sie nicht.

Die Ausstellung bleibt bis zum 10. November in Backnang

Nun lebe sie für, aber auch von der Kunst. Und das offenbar ganz gut. Alle ausgestellten Werke seien „prinzipiell“ zu haben. Ob indes jemand tatsächlich die Zelt-Skulptur im Obergeschoss kaufen wolle, das wisse sie nicht, sagt die Künstlerin. Das Objekt besteht aus mehreren miteinander verbundenen Zelten. Aus zwei Lautsprecherboxen ertönen ein stetiges Windgeräusch und eine leise Konversation. Mit Blick auf dieses Werk mit dem schlichten Titel „Zelt“ sagt Reeh: „In der Falte liegt ein wesentliches Potenzial für den Raum.“ Ein Zelt bedeute „ankommen und weiterziehen". Die Ausstellung bleibt bis zum 10. November in Backnang.

Martin Schick, der Leiter der Galerie, erklärt noch, dass er geschätzt 99 Prozent aller Anfragen von Künstlern, die im Chor ausstellen wollen, ablehnen müsse – weil deren Werke nicht in den Raum passten.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Eröffnung
Die Ausstellung mit Werken von Alke Reeh in der Galerie der Stadt Backnang wird am Freitag, 20. September, um 20 Uhr eröffnet. Der Leiter des Kulturamts, Martin Schick, spricht. Die Galerie ist im Petrus-Jacobi-Weg 1 auf dem Stiftshof.

Begleitprogramm
Zur Ausstellung gibt es ein viele Aktionen. Am Samstag, 26. Oktober, zum Beispiel findet von 10 bis 13 Uhr die Kunstaktion „Flächenspiel“ für elf- bis 15-jährige Kinder und Jugendliche statt.