Das Motto zur Schau von Kunsthändler Thomas Niecke, der die Bilder in der Galerie Keim verkauft, lautet: „Kunst, die aus dem Rahmen fällt.“ Das Motto drückt das Besondere dieser Ausstellung aus: Es handelt sich nicht um Kunstwerke aus dem Bestand oder direkt von Künstlern, sondern aus einer privaten Sammlung. Es ist ein Coup – und macht die Galerie Keim zu einer spannenden Station beim Stuttgarter Galerienrundgang Art Alarm an diesem Samstag und Sonntag.
Die ausgestellten Bilder stammen aus einem Privathaus in Stuttgart-Kaltental. Dort hat das Ehepaar T, welches Wurzeln im Badischen hat, viele Jahre lang gewohnt. Er war Jurist und ist mit 95 Jahren im vergangenen Herbst gestorben. Seine Frau, 93, befindet sich in einem Pflegeheim. Die Stuttgarter Nichte Elisabeth Viebig ist eine von fünf weiteren Nichten und Neffen, die im Auftrag der Tante sich kümmern und die Sammlung statt an ein Auktionshaus an Kunsthändler Thomas Niecke in die Galerie Keim gegeben haben. Für Niecke eine Herausforderung. Als er die Sammlung sah, fand er bei den 110 Bildern und 120 Arbeiten in Mappen ein paar Schätze, stellte einen Katalog her und präsentierte sie samt den 30 Skulpturen.
Ida Kerkovius-Bild für 12000 Euro
Die Familie freut sich, dass sie die Werke jetzt noch einmal alle Werke in der Cannstatter Galerie auf neue Weise schön präsentiert sehen können. Darunter wertvolle Bilder, wie etwa das Pastellbild von Ida Kerkovius, das mit seinen 12000 Euro auch gleich einen Käufer gefunden hat. Auf dem Dachboden fand sich in einer Mappe in einer Schublade noch weitere Schätzchen, etwa ein besonders schöner Farbholzschnitt von Friedensreich Hundertwasser. Galerist Niecke zeigt den Stempel, der darauf verweist, dass das Papier in Japan gedruckt wurde. Es ist ein japanischer Farbholzschnitt in 14 Farben auf Büttenpapier. Auch dieses Werk kam an und fand schon einen neuen Besitzer.
Originale von Max Ackermann und Anton Stankovski
„Das Interesse an den Bildern des Ehepaars T ist groß“, sagt Niecke. Die Familie zeigt sich beeindruckt, wie der Kunsthändler mit welcher Fachkenntnis, Energie und Freude die Sammlung präsentiert. „Ich habe viel Neues über die Bilder gelernt. Und auch die Kunst des Einrahmens ist wichtig“, sagt Viebig. Zu den Besonderheiten der Sammlung zählen nicht nur original Max Ackermann-Bilder von vor dem Krieg von 1930, auch leuchtend farbige Werke von Otto Herbert Hajek, zudem HAP Grieshaber-Farbholzschnitte aus Carmina Burana und Bilder von Anton Stankovski und Adam Lude Döring. Grieshaber hat Niecke in seinen letzten Lebensjahren auf der Achalm besucht. „Mit Stankowski habe ich für Recaro und Allianz gearbeitet und Döring am längsten mit Ausstellungen begleitet.“ Auch Original-Werke von Künstlern aus Stuttgart wie von Manfred Henninger sind dabei. „Eine qualitativ gute Sammlung“, so Niecke. Dazu gibt es Skulpturen unter anderem von Fritz und Karl-Ulrich Nuss.
Zu sehen ist die Schau neben den regulären Öffnungszeiten der Galerie Keim auch beim Stuttgarter Galerienrundgang Art Alarm am 20. und 21. April, jeweils von 11 bis 18 Uhr.