Galerie Stihl in Waiblingen Feiningers Werk, Niemanns Witz

Die Galerie Stihl am Remsufer zeigt seit 2008 Arbeiten auf und mit Papier. Foto: Pascal Thiel
Die Galerie Stihl am Remsufer zeigt seit 2008 Arbeiten auf und mit Papier. Foto: Pascal Thiel

Im kommenden Jahr zeigt die Galerie Stihl in Waiblingen einen Überblick über das Schaffen des deutsch-amerikanischen Grafikers und Arbeiten eines berühmten Sohns der Stadt.

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Waiblingen - Galeriebesucher sind bisweilen schwer einzuschätzen. So hatte Silke Schuck, die Leiterin der Galerie Stihl in Waiblingen, eigentlich erwartet, dass mehr Kunstfans in die Ausstellung „Goya – Groteske und Karneval“ pilgern würden. Mit der Ausstellung, die Radierungen des berühmten spanischen Malers Francisco José de Goya y Lucientes zeigte, hatte Ende Januar das Jahr in der Galerie Stihl begonnen.

Knapp 8000 Besucher sahen sich Goyas Arbeiten an. „Ich hatte gehofft, dass mehr weiterführende Schulen kommen würden, aber das Problem ist, dass gerade bei den Gymnasiasten die Zeit fehlt“, erläuterte Schuck den Mitgliedern des Kulturausschusses Waiblingen. Erstaunlicherweise hätten jedoch viele Kindergärten die Ausstellung besucht, die mit teils drastischen Kriegszenen und surrealen Darstellungen nicht gerade leichte Kost war. „Die Kindergartenkinder hatten aber Spaß mit den Monstern und Hexen“, so Silke Schuck.

Die noch bis zum 22. Januar 2017 laufende Ausstellung „Furiose Plakate“ mit Arbeiten von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely hat der Galerie laut Silke Schuck dagegen die bestbesuchte Vernissage, welche die Galerie je hatte, beschert. Die Resonanz auf die farbenfrohen Werke sei sehr gut, sagte Schuck, die bis Ende 2016 noch eine deutliche Steigerung der Gesamtbesucherzahlen erwartet. Bis Ende Oktober waren rund 16 500 Gäste gekommen.

Ein „Pionier des Comics“

Abgelöst wird die Ausstellung im Februar von „Zwischen den Welten“, einem Überblick über das künstlerische Werk des Deutschamerikaners Lyonel Feininger. Die Galerie zeigt rund 70 Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen aus dem Zeitraum 1896 bis 1955. In den 1920er-Jahren bildete Feininger mit Paul Klee, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky die Ausstellungsgemeinschaft „Blaue Vier“. In Waiblingen ist der Maler und Grafiker auch als „Pionier des Comics" zu sehen. Die gezeigten Werke stammen aus dem Düsseldorfer Museum Kunstpalast, dem Museum Folkwang in Essen und aus Privatbesitz.

Witzige Illustrationen und ein scharfer Blick sind auch ein Schwerpunkt von Christoph Niemann. Der in Berlin lebende Grafikdesigner wird gemeinsam mit dem Team der Galerie Stihl eine Ausstellung unter dem Arbeitstitel „Niemanns Welt. Modern Times“ konzipieren. Niemann hat bereits mehrere Bücher illustriert, Titelbilder für Magazine wie „The New Yorker“ oder die „New York Times“ haben ihn bekannt gemacht. Dass er ausgerechnet für Waiblingen eine Ausstellung zusammenstellt, hat wohl auch damit zu tun, dass er im Jahr 1970 eben dort geboren ist. Niemanns Arbeiten sind von Oktober kommenden Jahres bis Januar 2018 zu sehen.

Im Sommer widmet sich vom 3. Juni bis zum 1. September die Gruppenausstellung „Faszination Zeichnung“ der Frage, wie zeitgenössische Künstler mit wenigen Linien ihre Ideen zu Papier bringen. Zu sehen sein werden beispielsweise Arbeiten der jungen Künstlerin Nadine Fecht, die mit großformatigen, schwarz-weißen Zeichnungen bekannt wurde und auch mal 1800 Einweg-Kugelschreiber zusammenbindet, um deren Spuren auf Papier zu bannen.

Grünes Licht für das Ausstellungsprogramm

Die Mitglieder des Kulturausschusses haben in ihrer jüngsten Sitzung grünes Licht für das Ausstellungsprogramm 2017 gegeben. Lediglich eine Rätin, Christina Schwarz von der Fraktion Alternative Liste, stimmte dagegen. Sie hatte im Namen ihrer Fraktion argumentiert, angesichts der angespannten Haushaltslage sollte es nur zwei statt drei Ausstellungen geben, was die Kosten für das Jahr 2017 um rund 100 000 Euro verringern würde.

Juliane Sonntag (SPD) sprach von einer Gratwanderung, welche die Kuratoren leisten müssten. Sie plädierte dafür, die gute Mischung aus „leisen Ausstellungen“ mit weniger Besuchern und Publikumsmagneten, die Geld in die Kasse bringen, beizubehalten. „Die Knallerausstellung finanziert die leise Ausstellung mit“, so Sonntag.

Im Hinblick auf die derzeit noch niedriger als im Vorjahr liegenden Besucherzahlen sagte sie, die aktuelle Ausstellung „Niki & Jean“ werde das Ergebnis sicher noch verbessern. „Wir müssen uns entscheiden, ob wir ein feines, ausgewogenes Programm haben möchten, oder Mainstream.“




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