Gastronomie an der Eberhardstraße Holperiger Auftakt zum Dialog

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Gastronomen, Anwohner und Vertreter der Stadt trafen sich im Club White Noise zum Austausch. Die Emotionen scheinen sich noch nicht gelegt zu haben. Aber der Dialog soll weitergehen.

Im Club White Noise gab es das erste Treffen des Formats Nach(t)barschaft. Dabei sollten die Schattenseiten des Nachtlebens diskutiert werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Im Club White Noise gab es das erste Treffen des Formats Nach(t)barschaft. Dabei sollten die Schattenseiten des Nachtlebens diskutiert werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

S-Mitte - Es wäre naiv gewesen, davon auszugehen, dass sich alle Seiten plötzlich in den Armen liegen, meint der Club-Besitzer Yusuf Oksaz. Dennoch sei ein Anfang gemacht worden am 11. Februar im Club White Noise an der Eberhardstraße bei dem Austausch zwischen Anwohnern, Gastronomen und Stadt. „Wir wollen den Dialog fortsetzen“, erklärt der Betreiber des Clubs Dilayla.

Zu Beginn des Jahres lobte der Bezirksbeirat Mitte die Initiative „Nach(t)barschaft“ diverser Club-Betreiber an und um die Eberhardstraße herum. Sie wollten vorpreschen mit der Etablierung eines Gesprächsformats, in dem Verwaltung, Anwohner und Gastronomen künftig die Schattenseiten des Nachtlebens besprechen sollten.

Initiative unterbreitete Vorschläge

Die Initiative ging mit einem Katalog an Vorschlägen in das Gespräch mit Anwohnern und der Stadt. Die Clubs erklärten sich bereit, künftig auch Passanten ihre Toiletten zur Verfügung zu stellen. Sie wollten so dem öffentlichen Urinieren begegnen. Die Betriebe wollten einen Ansprechpartner benennen, der telefonisch erreichbar ist, sollte es Klagen von Seiten der Nachbarn geben. Die Clubs planten auch, Kästen aufzustellen für Leergut und ihre Bemühungen um Sauberkeit in ihrer Umgebung allgemein zu verstärken.

Die Clubs wollten so auf den Unmut von Anwohnern reagieren, die im vergangenen Jahr mit einer Klage beim Regierungspräsidium Stuttgart die Wiedereinführung der Sperrstunde zwischen 5 und 6 Uhr morgens erwirkt hatten. Clubs wie das Dilayla an der Eberhardstraße oder die Bar Romantica an der Hauptstätter Straße sahen ihre Zukunft gefährdet. Denn die frühe Morgenstunde ist für sie bedeutend für den Umsatz. Die Auseinandersetzung wurde in der Zwischenzeit auch gerichtlich geführt. Inzwischen gilt die Sperrzeitverkürzung wieder zum Beispiel für das Dilayla. Da sie aber immer für ein halbes Jahr erteilt wird, liegt es im Interesse der Club-Besitzer, die Klagefreudigkeit der Anwohner durch Dialog zu minimieren.

Der Graben scheint tief

Bei dem Gespräch sei deutlich geworden, dass der Graben zwischen einigen Anwohnern und den Clubbetreibern tief ist, sagt Oksaz. Er verhehlt eine gewisse Enttäuschung nicht. Auf einige Vorschläge seitens der Clubbetreiber sei nur verhalten reagiert worden, sagt er. Er nannte als Beispiel die Idee der Betreiber, Ansprechpartner für Anwohner zu ernennen.

Oksaz schildert, dass sich viele Klagen der Anwohner um den Taxistand an der Eberhardstraße gedreht hätten. Auch die Clubbetreiber störten sich an dem Verhalten mancher Taxifahrer, betont Oksaz. „Im Sommer lassen sie die Motoren laufen wegen der Klimaanlage, im Winter wegen der Heizung“, sagt er. Er hatte sich vor einigen Wochen positiv über ein Votum des Bezirksbeirats Mitte zum Taxistand an der Eberhardstraße geäußert. Es forderte, dass bei der Umgestaltung der Straße zur stellplatzfreien Zone auch der Taxistand an die Hauptstätter Straße verlegt werden soll. Oksaz nannte das eine gute Idee.

Dialog soll weitergehen

Er will mit den Anwohnern weiterhin Argumente austauschen. So ist aus seiner Sicht von einer Sperrstunde keine Beruhigung der Eberhardstraße zu erwarten. „Dann stehen die Leute um 5 Uhr auf einen Schlag auf der Straße“ sagt er. In der Stunde zwischen 5 und 6 Uhr erlahmten dagegen bei den Feiernden die Kräfte. Sie verabschiedeten sich dann nach und nach aus den Clubs, um den Heimweg anzutreten, meint er. Ninette Sander vom Club White Noise spricht wie Yusuf Oksaz von weiterem Gesprächsbedarf. „Bei den Anwohnern war vordergründig viel Wut zu spüren“, sagt sie. Wichtig sei es deshalb, mit dem Dialog weiterzumachen. „Das führt in die richtige Richtung“, sagt Sander.

Die Bezirkschefin Veronika Kienzle zieht ein positives Fazit der Auftaktveranstaltung als die Gastronomen. „Ich habe sie als sehr gut und konstruktiv erlebt“, sagt sie. Sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass die Anwohner die Bemühungen der Clubbetreiber nur wenig wertschätzten, meint sie. Wichtig sei aus ihrer Sicht, dass das Gespräch weitergeht. Neben einem weiteren Treffen im April im Rahmen des Formats „Nach(t)barschaft“ werde auch die Stadt aktiv. „Es wird einen Runden Tisch geben mit dem Umwelt- und Baurechtsamt“, sagt sie. Auch dieser Termin sei im April geplant, sagt Kienzle.

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