Gastronomie in Stuttgart Neues Leben im Schwabenzentrum

Von Peter Buchholtz 

Seit Jahren steht das Stuttgarter Schwabenzentrum leer. Nun machen sie die Betreiber eines Restaurants und eines Clubs daran, aus dem öffentlichen Urinal einen Nightlife-Spot zu machen.

Manuel Klink, Ralf Bauer, Ninette Sander und Ngon Dinh (v. li.) wollen dem Schwabenzentrum mit ihrer Gastronomie ab Mitte Februar wieder Leben einhauchen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Manuel Klink, Ralf Bauer, Ninette Sander und Ngon Dinh (v. li.) wollen dem Schwabenzentrum mit ihrer Gastronomie ab Mitte Februar wieder Leben einhauchen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Lange wirkten die Einzelhandels- und Gastronomieflächen des Schwabenzentrums am Eingang zur Stadtbahnhaltestelle Rathaus wie ausgestorben. Kaum jemand hat sich in den vergangenen Jahren in die Ecke verlaufen, in der beim Durchqueren der Unterführung hauptsächlich eins hervorsticht: der allgegenwärtige Uringeruch.

Das könnte sich allerdings bald ändern. Von Februar an versuchen sich zwei erfahrene Betreiberteams an der Wiederbelebung der Betonwüste. Mitte Februar eröffnet das vietnamesische Restaurant Breitengrad 17 nach zweimonatiger Umzugs- und Bauphase seine Pforten, im März und Spätsommer ziehen eine Kneipe und ein Club der Betreiber des Clubs Schocken nach. Sie alle wollen das Areal wiederbeleben, das momentan weniger einladend kaum sein könnte.

Ende der Neunziger hatte die legendäre Kneipe Litfass mit dem Wirt Ali, an dessen menschliche und gastfreundliche Art sich viele der damaligen Feiernden noch erinnern, ihre Pforten geschlossen. Seitdem ist es ruhig geworden in der „Mulde“, wie die Schocken-Geschäftsführerin Ninette Sander das Areal betitelt.

Urbaner als die Theo

Kein Gastronomie-Konzept konnte sich dort über längere Zeit halten, was zu dauerhaftem Leerstand dreier Objekte führte. Dabei war das Litfass so etwas wie der Vorbote einer neuen Stuttgarter Feierkultur. Hatte man bis dahin Schwierigkeiten, nachts um drei Uhr noch eine warme Mahlzeit oder ein frisch gezapftes Bier zu finden, konnte bei Wirt Ali noch bis in die frühen Morgenstunden geschmaust und getrunken werden. Auf der Videoplattform Youtube lassen sich dafür noch bewegte Belege finden.

In Ninette Sander und Ralf Bauer versuchen sich nun zwei alte Hasen der Stuttgarter Gastronomieszene an der Wiederbelebung. Denn das Areal mag zwar auf den ersten Blick wenig ansprechend wirken, strahlt für manche aber mehr Urbanität aus, als es eine Theodor-Heuss-Straße oder das Einkaufszentrum Gerber jemals tun werden. Und dass eine Bar in einer Gegend, in der städtische Ämter und Casinos eine friedliche Ko-Existenz zu führen scheinen, funktionieren kann, beweist die benachbarte Bar Romantica an der Rückseite des Joseph-Hirn-Platzes.