Gaststättensterben am Albrand Schnäppchenmarkt im Lokal als Ende vom Lied?

Von Gunther Nething 

Schließungen von Landgasthöfen am Albrand häufen sich. Es ist bereits von einem Gaststättensterben in der Region die Rede. Nun ist es auch im Dettinger Löwen so weit.

Ein unentwegtes Trio kämpft sich in Vorbereitung des Flohmarkts durch des Löwen-Inventar: Dieter Fischer, Jochen Schmidt-Rüdt und  Cornelia Stocker. Foto: Michael Steinert Foto:  
Ein unentwegtes Trio kämpft sich in Vorbereitung des Flohmarkts durch des Löwen-Inventar: Dieter Fischer, Jochen Schmidt-Rüdt und Cornelia Stocker. Foto: Michael Steinert

Dettingen - Was den Ausflugs- und Wandertourismus im Albvorland und droben auf der Alb angeht, so wird da durchaus erfolgreich an dem einen oder anderen Rädchen gedreht. Doch was nützt die schönste Unternehmung, wenn sie bei knurrendem Magen vonstattengeht – weil es mit den Einkehrmöglichkeiten hapert? Nach bereits erfolgter oder beabsichtigter Schließung traditionsreicher gastlicher Häuser im Lenninger Tal macht dort schon das bittere Wort vom Gaststättensterben die Runde.

Jüngstes Beispiel der beschleunigten Sterblichkeitsrate in der Gastroszene ist der Löwen in Dettingens Kirchheimer Straße. Am über 200 Jahre alten Gebäude mit der mächtigen Akazie ersetzt derzeit ein flatterndes Transparent quasi das Wirtshausschild und kündigt für Samstag, den 20. Juli, von 11 bis 18 Uhr einen Hausflohmarkt an, ein Folgetermin ist für den Herbst geplant.

Verliebt in Figürchen aus Stoff und Keramik

Wer das bei Stammtischrunden und Übernachtungsgästen beliebte Haus kennt – und vor allem die Ende Dezember verstorbene Löwenwirtin Margot Glas noch erlebt hat – , der weiß, dass so eine Ankündigung einem Sonderfall und einem wahren Mammutunternehmen gleichkommt. Zu verliebt und vernarrt war die Margot in Figürchen aus Stoff und Keramik, ihr Sammlertrieb entzündete sich an Zierrat für Wand und Tisch oder an Kreationen à la Kürbis-Windlicht, und in regelrechten Kartonbatterien warteten Osterschmuck sowie Weihnachtsdeko auf ihren saisonalen Auftritt. Wäsche und Kleider überdauerten teils originalverpackt Jahre und Jahrzehnte. „Es sind Massen, das ist nicht zu fassen!“, fasst Dieter Fischer (74) die Lage zusammen.

Fischer ist Margots Neffe, zusammen mit dem Stuttgarter Künstler und Galeristen Jochen Schmidt-Rüdt und Cornelia Stocker, die einen Teil ihrer Jugendjahre in der Teckgemeinde verbracht hat, stellt das Trio die Kerntruppe des vorauseilenden Aufklärungskommandos. Dabei ist es längst nicht mit Kleinteiligem getan, Möbel sowie Wirtsstubengarnituren samt Kupferleuchten oder ein Treppenlift zählen zu den schwergewichtigen Hinterlassenschaften zweier Generationen.

Mit spätbarocken Anleihen

Und wie hat man sich die Zukunft des Hauses und seines weiträumigen Areals vorzustellen? Man sei man an einem Fortbestand des Gebäudes mit seinen spätbarocken Anleihen interessiert, sagt Schmidt-Rüdt, für einen Abriss wäre das Objekt zu schade. Um freilich den Löwen als Gasthaus für den Sprung in eine neue Zeit zu ertüchtigen, braucht es ein strammes Finanzpolster.

Gab es in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts laut Chronik noch 17 Wirtschaften allein in Dettingen, so wird heute auch beim Blick lauteraufwärts die gastronomische Luft immer dünner, was Traditionshäuser im Familienbetrieb angeht. So steht der Fachwerkveteran Adler im Städtchen Owen seit anderthalb Jahren ebenso trutzig wie trotzig inmitten des Verkehrsgewühls – wie ein Denkmal auf Abruf.

Alarmierende Nachrichten aus Brucken

Auch aus dem wenige Kilometer talaufwärts gelegenen Brucken, einem Teilort von Lenningen, kamen erst jüngst alarmierende Nachrichten in Sachen gediegen-schwäbischer Gastlichkeit. So war in der Lokalzeitung zu lesen, dass schon Mitte August das gastronomische Glanzlicht der Krone nach über hundertjähriger Familientradition erlöschen soll. Mehr als 40 Jahre davon stand Jürgen Stümpflen am Herd – und er meint, dass das jetzt reicht! Freilich hapert’s mit der Nachfolge. Und so soll zwar am 19. August der Riegel fallen, aber Stümpflen will nicht ausschließen, dass unter neuer Regie in der Krone die Lichter wieder angehen.

Schließlich bleibt wegen der ungeklärten Pächterfrage das Harpprechthaus bei Schopfloch weiterhin die große Nullnummer unter den Einkehrwilligen. Die Kommunen Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler haben bekanntlich wegen der teils misslichen Lage zur Selbsthilfe gegriffen und die Förderung von Wirtschaft und Tourismus einer gemeinsamen Fachfrau anvertraut. Besiegelt wurde der Dreierbund auf dem Sulzburghof bei Unterlenningen, einem Ort mit Symbolcharakter, denn hier brummen der Tourismus und die Wirtschaft in des Wortes mehrfacher Bedeutung gleichermaßen.