Gaucho-Debatte nach dem WM-Fest Deutsche Spieler als "ekelhafte Nazis"?

Dass das Liedchen „So geh’n die Gauchos“ in Argentinien eine Empörungswelle ausgelöst hätte, kann man nicht sagen. Starke Kommentare gab es trotzdem. In Brasilien wiederum kommt der Spott über die Argentinier gut an.

Korrespondent : Wolfgang Kunath (kth)
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Rio de Janeiro - Dass das Liedchen „So geh’n die Gauchos“ in Argentinien Freude und Beifall ausgelöst hätte, kann man zwar nicht sagen – aber eine Welle der Empörung sieht anders aus. Wir hätten es doch auch nicht anders gemacht, lautet der Tenor der Reaktionen im Internet.

Die argentinische Presse beschränkte sich weitgehend darauf, von dem Auftritt der Nationalspieler vor dem Brandenburger Tor zu berichten und die negativen Reaktionen zu erwähnen, die dieser in Deutschland hervorgerufen hat.

Victor Hugo Morales, ein Veteran des argentinischen Sportjournalismus, der als Gegner der Militärdiktatur in seinem Geburtsland Uruguay gilt, machte eine der Ausnahmen: „Philosophisch betrachtet“ seien die deutschen Spieler „ekelhafte Nazis“, und „wenn es ihnen Spaß macht, sich so aufzuführen, dann weil es noch Deutsche gibt, die das auch noch bejubeln“, sagte Morales.

„Hast recht, Herr Victor Hugo, wir hätten gewinnen müssen“, lautete einer der Kommentare, „wir diskriminieren ja niemanden, weder die Schwarzen noch die Paraguayer, die Bolivianer, die Chilenen, die Brasilianer, die Peruaner noch die Mexikaner, und die Yankees, die Piraten-Engländer und die Schweiß-Chinesen ja auch nicht. Nicht einmal die provinziellen Uruguayer!“

Viele andere, die „So geh’n die Gauchos“ kommentierten, erinnerten an das an Brasilien gerichtete Schmählied „Brasil decime qué se siente“, das in Argentinien nach dem Endspiel vergnüglich gegrölt wurde.

Nicht amüsiert war auch ein Journalist des Sport-Blattes „Olé“: „Schon schlimm, wenn ein Fußballfan so etwas macht, aber wenn ein Spieler sich so aufführt, ist es schlimmer wegen dem, was er repräsentiert“, twitterte ein Olé-Schreiber. „Die Gauchos laufen gebückt, die Deutschen schauen von oben herab, sie sind eine andere Rasse“, fasste „Olé“ den Auftritt zusammen.

„Einigen wir uns darauf, dass ihnen die Gabe der Kreativität nicht gegeben ist… Dieses Liedchen ist ziemlich mittelmäßig“, kommentierte eine Argentinierin, „sollen sie sich lieber ums Fußballspielen kümmern, das machen sie wenigstens gut! Und dass sie mich Gaucho nennen, ist mir völlig egal, im Gegenteil, das macht mich stolz“.

Brasilien lacht

In Brasilien wurden, gemäß der alten Rivalität beider Länder, eher die ablehnenden Reaktionen in Argentinien kommentiert als ihr Anlass. „Diese Argentinier sind wirklich unglaublich, sie denken, sie seien Europäer und können sich uns gegenüber groß machen, und jetzt sind es die Deutschen, die ihnen gegenüber auftrumpfen!“, schrieb eine Leserin der Zeitung „Estado de S. Paulo“, die über das Lied, die Kritik in Deutschland und die verschnupften Reaktionen in Argentinien berichtete.

„Das war noch wenig!“, fügte ein anderer Leser hinzu, die Deutschen „hätten diese Unglücklichen bis an die Grenze der psychischen Folter veräppeln sollen. Sie“ – die Argentinier – „machen es selbst, warum sollen es dann nicht andere auch mit ihnen machen?“

 

 




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