Gefährliche Szenen auf der Bodensee-Autobahn Wer Rennen fährt, muss in den Knast

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Seit Jahren gilt die Bodensee-Autobahn vor allem bei Tuningfreunden aus der Schweiz als Rennstrecke. Eine Gesetzesverschärfung ist beschlossen, ein Tempolimit angeordnet. Jetzt versucht es der Verkehrsminister mit einer Gruselkampagne.

Raser gefährden Leben – darauf lässt der Landesverkehrsminister Winfried Hermann mit drastischen Worten hinweisen. Foto: epa Scanpix Sweden
Raser gefährden Leben – darauf lässt der Landesverkehrsminister Winfried Hermann mit drastischen Worten hinweisen. Foto: epa Scanpix Sweden

Geisingen - Da ist der Verkehrsminister nicht zimperlich: „Todesfahrt“ hat Winfried Hermann (Grüne) auf die Banner drucken lassen, die jetzt bei Geisingen (Kreis Tuttlingen) über der A 81 hängen. Die Hashtags, die auf die Internetkampagne verweisen, verwandeln sich bei naher Betrachtung in zwei Kreuze. Und wer sein geliebtes Tuningmagazin aufschlägt, erlebt im aktuellen Heft schon auf Seite zwei eine böse Überraschung. „Knastfahrer“ steht dort in großen Buchstaben. Dahinter spritzt Blut. So drastisch ist sonst nur Zigarettenwerbung.

Die Schweizer lockte das fehlende Tempolimit

Seit September ist die Veranstaltung illegaler Autorennen nicht mehr nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Wer erwischt wird, muss mit einer Haftstrafe rechnen. Mit einer groß angelegten Kampagne will das Landesverkehrsministerium die Neuregelung nun bekannt machen. „Wir gehen davon aus, dass viele aus der Zielgruppe noch gar nicht mitbekommen haben, dass sich der Strafrahmen drastisch erhöht hat“, sagte Hermann bei der Enthüllung des Banners an der Geisinger Autobahnbrücke. Das liegt auch daran, dass besonders viele Fahrer mit Schweizer Kennzeichen in den vergangenen Jahren den südlichen Teil der A 81 als Rennstrecke nutzten. Sie lockte das fehlende Tempolimit. Zudem werden Verkehrsübertretungen im südlichen Nachbarland wesentlich härter bestraft.

Mehrere Autos fahren nebeneinander und bremsen den nachfolgenden Verkehr ab. Nach einiger Zeit ist die Autobahn voraus frei und die selbst erklärten Rennfahrer drücken auf ein Zeichen hin das Gaspedal durch. Andere schlängeln sich mit hoher Geschwindigkeit durch den rollenden Verkehr und wechseln mal nach links, mal nach rechts. Nirgendwo im Land habe sich das Problem der Autorennen derart gezeigt wie auf der A 81 zwischen Singen und Bad Dürrheim, sagte der Verkehrsreferent Timon Kuntz. Allein im Jahr 2015 waren aus dem Bereich des Verkehrskommissariats Mühlhausen-Ehingen der Polizei 24 Rennen gemeldet worden. 2016 waren es noch zwölf, 2017 immerhin sechs Rennen.

Die Polizei gibt keine Entwarnung

Auch in diesem Jahr seien bereits drei Rennen gemeldet worden. Die sinkende Tendenz führt der Landesverkehrsminister auf die höhere Aufmerksamkeit der Polizei und die öffentliche Diskussion über die gefährlichen Rennen zurück, die immer wieder Todesopfer forderten. Die Experten geben dennoch keine Entwarnung. „Die Autorennen werden ja nicht bei der Polizei angemeldet“, sagte der Leiter des örtlichen Verkehrskommissariats, Markus Bertsche. So komme die Polizei oft zu spät. Zudem sei es schwierig, einem Fahrer die Teilnahme nachzuweisen. So meldeten im vergangenen August Autofahrer der Polizei ein Rennen mit mehr als 20 Fahrzeugen. Die Beamten konnten aber nur drei Fahrer erwischen. Die Männer aus der Schweiz mussten mehrere tausend Euro an Sicherheitsleistungen hinterlegen. Ein Strafbefehl wurde letztlich aber nur gegen einen verhängt. Rechtskräftig ist er noch nicht.

Deshalb erleichtert es für die Polizei die Arbeit, dass der grüne Verkehrsminister im März unter dem Grummeln des Koalitionspartners von der CDU zwischen Engen und Geisingen ein Tempolimit von 130 verhängt hat. Jetzt kann leichter kontrolliert werden. 72 441 Fahrzeuge habe man gemessen, 3643 waren zu schnell. 117 wurden mit Fahrverboten belegt. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 212 Kilometer pro Stunde. Aus der Schweiz stammten übrigens nur zehn Prozent der Raser.