Geldanlage 2022 Umweltschutz durch Geldanlage – geht das?

Welchen Einfluss haben die Finanzen im Kampf gegen den Klimawandel? Foto: Studio Zeichnerei 6/Ilona Trimbacher

Geld für die Zukunft investieren, Rendite kassieren und damit noch die Umwelt schützen – das klingt verlockend. Doch wie viel Umweltschutz steckt wirklich in grünen Geldanlagen?

Stuttgart - Ökologische Verantwortung übernehmen und dabei mehr Geld rausbekommen, als man eingezahlt hat, dieses Konzept boomt derzeit: Laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen ist die Gesamtsumme der Investitionen, die in Deutschland unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien angelegt sind, 2020 um 25 Prozent gestiegen und erreichte zum Jahresende 2020 ein Rekordvolumen von 335,3 Milliarden Euro. ESG steht für Environment, Social und Governance, ins Deutsche übersetzt Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Anhand dieser Aspekte können die Nachhaltigkeitsanstrengungen von Unternehmen bewertet werden.

 

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Die Entwicklung zeigt: Viele Menschen hierzulande wollen zunehmend auch bei ihren Finanzen auf Nachhaltigkeit achten. Was gilt es, bei „grüner“ Geldanlage zu beachten? Ein Überblick.

Welche nachhaltigen Anlageformen gibt es, und welche eignen sich am besten zur Geldanlage? Mittlerweile gibt es für fast alle konventionellen Anlageprodukte auch eine nachhaltige Alternative: von Aktien von nachhaltigen Unternehmen über aktive Fonds und Indexfonds (ETFs) bis hin zu sogenannten Green Bonds, grünen Anleihen, die Unternehmen für nachhaltige Projekte verwenden.

Welche Form sollten Anleger wählen, die nachhaltig investieren wollen?

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„Es gibt nicht die beste nachhaltige Anlageform“, sagt Christian Klein, der an der Universität Kassel zu nachhaltiger Finanzwirtschaft forscht. Wie bei der konventionellen Geldanlage empfehlen Experten auch bei der nachhaltigen eine breite Streuung der Investitionen. Also nicht alles Geld auf eine Karte zu setzen, sondern möglichst auf mehrere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen verteilen. Dafür eignen sich Fonds am besten.

Wie finden Anleger gute nachhaltige Angebote? Unterschiedliche Analysen und Leitfäden, aber auch Plattformen wie das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) oder die Internetseite Nachhaltiges-investment.org liefern eine gute Hilfestellung, um nachhaltige Finanzprodukte zu finden, sagt Tobias Popovic, der sich an der Hochschule der Technik in Stuttgart mit nachhaltiger Finanzwirtschaft beschäftigt: „So hat zum Beispiel das FNG Hunderte Fonds gefiltert und ein Gütesiegel entworfen. Diese Einschätzungen können als hilfreiche und aussagekräftige Orientierungspunkte dienen.“

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Nachhaltigkeitsexpertin Magdalena Senn von der gemeinnützigen GmbH Finanzwende Recherche rät zur Online-Datenbank von Faire-fonds.info: Hier könne man gut herausfiltern, welche Aspekte einem beim Thema Nachhaltigkeit wichtig sind – und welche Fonds dafür infrage kommen.

Wo ist bei nachhaltiger Geldanlage Vorsicht geboten? Investitionen in einzelne Unternehmen oder Projekte sind laut Finanzexperten immer riskant, auch wenn gute Absichten dahinter stehen. Wenn Anleger beispielsweise in einen einzigen Windpark investieren, es bei dessen Bau aber Probleme gibt oder der Betreiber pleitegeht, drohen herbe Verluste.

Wie umweltfreundlich sind nachhaltige Finanzprodukte wirklich? Das Problem ist, dass es für nachhaltige Finanzprodukte keine allgemein verbindliche Definition gibt. Viele als nachhaltig etikettierte Fonds investieren zum Beispiel durchaus in Ölfirmen, wie Finanzwende Recherche in einer kürzlich erschienenen Studie kritisiert. Mehr als 70 Prozent der „grünen“ Investitionen im Energiesektor seien in fossile Energien investiert, beispielsweise fast 100 Millionen Euro in Kohle.

Dass nachhaltig nicht gleich nachhaltig bedeutet liegt unter anderem daran, dass einige Anbieter von grünen Fonds zum Beispiel nur ganz besonders umstrittene Investments wie in Rüstung oder Tabak ausschließen. Der Fonds kann dann trotzdem als nachhaltig bezeichnet werden – obwohl in ihm immer noch klimaschädliche Unternehmen enthalten sind.

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Reizvoll für Fondsmanager ist der sogenannte Best-in-Class-Ansatz. Hier investieren die Fonds anhand der ESG-Kriterien nur in die Besten einer Branche. Weil dabei keine Branchen ausgeschlossen werden, kann auch das nachhaltigste Unternehmen einer nicht nachhaltigen Branche wie beispielsweise der Ölindustrie mit dem Best-in-Class-Stempel ausgezeichnet werden. „Wenn man in nachhaltige Fonds investiert, dann darf man nicht erwarten, dass da nur Windradhersteller enthalten sind, deren Vorstand aus mindestens 50 Prozent Frauen besteht und die garantieren können, dass in ihrer Wertschöpfungskette Kinderarbeit keine Rolle spielt“, sagt Christian Klein.

Finanzwende Recherche kritisiert, dass die Realwirtschaft der großen Nachfrage nach nachhaltiger Geldanlage immer noch hinterherhinke: „Viele Menschen wollen ihr Geld grün anlegen, aber das Angebot an wirklich nachhaltigen Unternehmen ist bisher nicht groß genug“, findet Magdalena Senn. Fondsmanager wählten deshalb eher unkritisch Unternehmen für ihre nachhaltigen Fonds aus. Trotz aller Kritik könne man sein Geld aber trotzdem nachhaltig anlegen: „Wenn man sich Zeit nimmt, findet man auch Fonds, die in wirklich nachhaltige Unternehmen investieren.“

Wie viel Einfluss hat die nachhaltige Geldanlage auf den Klimaschutz? „Der Finanzwirtschaft kommt im Kampf gegen den Klimawandel eine Schlüsselrolle zu“, sagt Christian Klein. Und Tobias Popovic erklärt: „Die Finanzwirtschaft verfügt über einen sehr großen Hebel, weil sie den Geldhahn zu- oder aufdrehen kann.“ So könnten Banken beschließen, klimaschädlichen Unternehmen beispielsweise gar keinen Kredit mehr zu geben – oder nur für einen hohen Zinssatz.

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Eine aktuelle Studie der Universität Augsburg hat herausgefunden, dass umfangreiche Divestments europäischer und US-amerikanischer Fonds, also der Verkauf klimaschädlicher Aktien, dazu führte, dass die Aktienkurse klimaschädlicher Unternehmen im Durchschnitt um circa sieben Prozent fielen.

Diese Kursverluste hätten die Unternehmen dazu bewogen, ihre CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Firmen um durchschnittlich rund zehn Prozent zu senken. „Dass man als Privatanleger aber aus jedem investierten Euro ausrechnen kann, wie viel CO2 dadurch eingespart wurde, ist utopisch“, sagt Magdalena Senn.

Sind mit nachhaltiger Geldanlage genauso hohe Renditen wie bei konventionellen Finanzprodukten möglich? Eine Reihe von Studien zeigt, dass die Renditen von nachhaltigen Fonds nicht schlechter sind als von konventionellen. „Im Gegenteil, sie sind sogar noch einen Tick besser“, berichtet Tobias Popovic.

Kampf gegen „Greenwashing“

EU-Taxonomie
 Am 1. Januar ist die sogenannte EU-Taxonomie veröffentlicht worden. „Durch die Taxonomie werden alle Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern dazu verpflichtet, zu berichten, wie nachhaltig sie sind“, erklärt Christian Klein, der an der Universität Kassel zu nachhaltiger Finanzwirtschaft forscht. Die Taxonomie soll genaue Kriterien festlegen, was nachhaltiges Wirtschaften bedeutet. Doch es gibt heftige Kritik daran, dass die EU-Kommission Investitionen in Atom- und Erdgas-Kraftwerke als umweltfreundlich einstufen will.

Ziel
 Mit der Taxonomie sollen die EU-Bürger und Investoren klare Informationen über nachhaltige Finanzprodukte erhalten. Das Ziel der EU-Kommission: Die Finanzströme so in Richtung nachhaltige Investitionen umzuleiten, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden können – und dass die Europäische Union bis 2050 klimaneutral wird.

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