Frauen verdienen rund 18 Prozent weniger als Männer. Auf das ganze Leben betrachtet verdienen Frauen sogar bis zu 49 Prozent weniger als Männer. Doch wieso ist das heute noch so? Welche Faktoren beeinflussen die Gender Pay Gap und was wird dagegen unternommen?

Übersicht

Frauen starten in Deutschland nicht mit denselben Verwirklichungschancen ins Berufsleben wie Männer. Biologische Faktoren, der Bildungsstand, Klischees und Diskriminierung - es gibt viele Gründe für den Fortbestand der sogenannten Gender Pay Gap. Doch was genau bedeutet dieser Begriff in der Praxis und wie geht Deutschland mit diesem Problem um? 

Was versteht man unter Gender Pay Gap?

Bei der Gender Pay Gap handelt es sich um den geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen.

Gender Pay Gap: bereinigt und unbereinigt

Bei der Gender Pay Gap unterscheidet man zwischen der bereinigten und der unbereinigten Lohnlücke. Bei der unbereinigten Gender Pay Gap werden die absoluten Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen ins Verhältnis gestellt, ohne dass die ursächlichen Faktoren berücksichtigt werden.

  • Unbereinigte GPG: Unterschied im durchschnittlichen Stundenlohn von Männern und Frauen.
  • Bereinigte GPG: Unterschied im durchschnittlichen Stundenlohn von Männern und Frauen mit vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und in vergleichbarer Branche.

Bei der bereinigten GPG werden also die strukturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen herausgerechnet. Hierzu gehören unter anderem folgende Faktoren:

  • Unterschiede bei Berufen
  • Beschäftigungsumfang
  • Bildungsstand
  • Berufserfahrung
  • Geringerer Anteil von Frauen in Führungspositionen

Was übrig bleibt, ist die bereinigte Gender Pay Gap, die auch als "unerklärter Rest" oder "unerklärter Teil der Gender Pay Gap" gilt. "Erklärt" bedeutet in diesem Falle jedoch lediglich, dass diese Bestandteile der Lohnlücke auf Faktoren und Gründe XY zurückzuführen sind. Es bedeutet nicht, dass die verbleibende Lücke gerechtfertigt oder frei von Diskriminierung ist. 

Die Gender Pay Gap in Deutschland

Wie aus einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 7. März 2022 hervorgeht, verdienten Frauen im Jahr 2021 im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Das Statistische Bundesamt kommt zu dem Schluss, dass die Pay Gap anhand der vorliegenden Erhebungen zum Vorjahr unverändert blieb. Des Weiteren geht aus der Pressemitteilung hervor, dass Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten oder Branchen (bereinigte GPG) im Durchschnitt rund sechs Prozent weniger verdienen als die männlichen Kollegen.

Die GPG zu Deutsch auch Einkommenslücke lag in den Jahren 2020 und wie zuvor erwähnt auch 2021 bei rund 18 Prozent. Laut des Statistischen Bundesamtes ist die Differenz in Westdeutschland dreimal größer als in Ostdeutschland. Über die GPG hinaus gibt es aber auch die Rentenlücke, oder Gender Pension Gap. Diese zeigt, dass die Alterssicherungsleistungen von Frauen im Gebiet der ehemaligen BRD sogar 49 Prozent geringer waren als die von Männern. Im Gebiet der ehemaligen DDR lag dieser Wert bei um die 20 Prozent. Auf das gesamte Leben errechnet herrscht eine Lebenseinkommenslücke (Gender Lifetime Earnings Gap) von rund 49 Prozent (Stand 2016). Das besagt, dass Frauen in ihrem gesamten Leben ein um 49 Prozent geringeres Gesamterwerbseinkommen haben als Männer.

Ein weiteres Problem, das mit dieser Thematik einhergeht, ist unbezahlte Care-Arbeit, die Frauen mehr leisten als Männer. Hierbei spricht man von der Sorgearbeitslücke oder auch der Gender Care Gap. Zu Care-Arbeit gehört beispielsweise die Erziehung der Kinder oder Pflege Angehöriger in Voll- oder Teilzeit. Diese unbezahlte Care-Arbeit wird bei der Berechnung der Wirtschaftsleistung ignoriert. Auch soziale Absicherungen gibt es für eine solche, meist unsichtbare Arbeit nicht.

Wieso unterscheiden sich West- und Ostdeutschland bei der Gender Pay Gap?

Der deutliche Unterschied in Sachen Gender Pay Gap zwischen Ostdeutschland und der ehemaligen BRD ist laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf verschiedene Gründe zurückzuführen. Dazu zählt, dass Frauen in Ostdeutschland häufiger in Vollzeit arbeiten als in Westdeutschland. Außerdem sind sie in Ostdeutschland oft auch in besser bezahlten Berufen, wie der Industrie und Fertigung tätig. In der Privatwirtschaft arbeiten Frauen in Ostdeutschland häufiger in Führungspositionen. Männer arbeiten in Ostdeutschland häufiger im niedrig bezahlten Dienstleistungsbereich.

Doch auch die durchschnittlichen Löhne in Ostdeutschland spielen hier eine Rolle, denn diese sind generell niedriger als Gehälter in Westdeutschland. Durch die unterschiedlichen Strukturen der Unternehmen verdienen Menschen in Ostdeutschland rund 17 Prozent weniger als Menschen in Westdeutschland. Doch auch trotz der großen Unterschiede der Gender Pay Gap in Ost- und Westdeutschland kann abschließend festgehalten werden, dass Frauen in ganz Deutschland im Durchschnitt weniger als Männer verdienen.

Wann ist der Equal Pay Day in Deutschland?

Beim Equal Pay Day handelt es sich um einen internationalen Aktionstag, an dem auf die mangelnde Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht wird. Im Jahr 2008 wurde diese Initiative von Business und Professional Women in Germany e.V. gegründet. Der Equal Pay Day findet jährlich am 7. März statt.

Gender Pay Gap in Deutschland – Ursachen: Warum gibt es Gehaltsunterschiede?

Es gibt viele Gründe für die unbereinigte Lohnlücke. Dazu zählen die andere Berufswahl von Frauen, so arbeiten sie häufiger als Männer in sozialen Bereichen. Die Verantwortung für Finanzen, Maschinen oder Mitarbeiter wird tendenziell höher bewertet als die Verantwortung für Menschen in sozialen Tätigkeiten. Dies spiegelt sich in der Lohnfindung wider. Frauen legen außerdem mehr Wert auf die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auf finanzielle Anreize. Auch die häufigere und auch längere Erwerbsunterbrechung durch Schwangerschaft und Elternzeit, sowie der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit sind Gründe. Auch die mangelnde Besetzung von Führungspositionen durch Frauen spiegelt sich in den Gehaltsunterschieden wider. Dieses Problem wird auch unter dem Begriff „vertikale Geschlechtersegregation“ zusammengefasst, das beinhaltet, dass Männer und Frauen in Betrieben in unterschiedlichen Positionen und Hierarchieebenen arbeiten.

Außerdem wird von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes die sogenannte „horizontale Geschlechtersegregation“ als Grund für die Entgeltungleichheit aufgeführt. Hierbei handelt es sich um die Tendenz von Frauen und Männern bestimmte Berufe in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen zu ergreifen, die als „geschlechtstypisch“ bezeichnet werden. So teilt sich der Arbeitsmarkt in typische „Frauenberufe“ und „Männerberufe“. Das zeigt sich bereits bei der Verteilung der Studienwahl. Frauen tendieren häufig zu sprach- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen, während Männer sich tendenziell für eine mathematische oder technische Richtung entscheiden. Die Weichen für die Geschlechtersegregation werden bereits in der Kindheit gestellt. 

Was wird gegen die Gender Pay Gap getan?

Um eine Entgeltgleichheit zu schaffen und auf dem Weg zu diesem Ziel die GPG zu reduzieren, gilt es folgende drei wichtige Ziele zu ereichen:

  • Die horizontale und vertikale Geschlechtersegregation muss überwunden werden. 
  • Bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit müssen fair und partnerschaftlich verteilt werden. 
  • Geschlechtsbezogene Benachteiligungen müssen aus Entgeltstrukturen und - regelungen entfernt werden.

Das Ziel die Entgeltungleichheit abzuschaffen soll durch folgende Maßnahmen längerfristig erreicht werden: 

  • Der allgemeine gesetzliche Mindestlohn verhilft mehrheitlich Frauen zu mehr Gehalt. Denn in den niedrig entlohnten Dienstleistungsbereichen arbeiten meist Frauen.
  • Durch den angestrebten Ausbau der Kinderbetreuung und das Elterngeld werden Anreize für Frauen geschaffen, die sich in Erwerbsunterbrechung befinden, schneller wieder in den Beruf einzusteigen. Das Projekt "Perspektive Wiedereinstieg" unterstützt Frauen und auch Männer nach mehrjähriger familienbedingter Erwerbsunterbrechung beim Wiedereinstieg in den Beruf.
  • Unternehmen sind in der Zukunft einer Geschlechterquote verpflichtet, dies resultiert aus dem Gesetz für gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst.
  • Seit Juli 2017 ist außerdem das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen in Kraft.
  • Durch das Bundesgleichstellungsgesetz soll die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht werden, sowie die Beseitigung von Benachteiligung und das Verhindern zukünftiger Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Außerdem soll die Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Berufstätigkeit gefördert werden.
  • Auch die Information und Beratung zur Berufs- und Studienwahl soll geschlechtersensibel stattfinden, sodass junge Menschen sich frei von Klischees orientieren können. Dies geschieht durch Initiativen wie den Girls Day und den Boys Day, an diesen Tagen öffnen Hochschulen, Unternehmen und Betriebe in ganz Deutschland ihre Türen für die Jugend. Schülerinnen bekommen Einblicke in Berufe und Studiengänge des MINT-Bereichs, die sonst eher Jungen ergreifen und umgekehrt. Auch die Initiative Klischeefrei - Initiative zur Berufs- und Studienwahl macht sich bereits seit 2016 stark für Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterstereotypen und Vorurteilen.
  • Das Forschungsprojekt zur Gender Care Gap soll die Zusammenhänge der Gender Pay Gap, Gender Care Gap und Gender Pension Gap, sowie ihre Ursachen erforschen, um Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um die Gender Care App zu verringern. 

Wo verdient ein Mann mehr als eine Frau?

Eine umfassende Studie zur Gehaltslücke in Deutschland haben auch Gehalt.de und die Comdirekt-Initiative „Finanz-Heldinnen“ veröffentlicht. Für diese Studie wurden rund 143.975 Datensätze bereinigter Pay Gaps untersucht. Interessante Faktoren waren die Branche, Berufsgruppe und Region der Beschäftigten.

Die Studie hebt vor allem den Einzelhandel mit einer hohen GPG hervor. Für die gleiche Arbeit erhalten Arbeitnehmerinnen in Supermärkten wohl rund 12 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Ebenfalls große Unterschiede im Gehalt gibt es auch in der Versicherungsbranche, Automobilindustrie und im Bankwesen. Die niedrigste GPG mit nur 0,8 Prozent gibt es im Bereich der Biotechnologie.

Auch regionale Unterschiede werden in der Studie festgestellt. So verdienen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Baden-Württemberg zwar am meisten, doch auch die bereinigte GPG ist in Baden-Württemberg mit rund 7,8 Prozent am größten.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hebt in den Zahlen und Fakten zur Entgeltungleichheit in Deutschland und Europa außerdem hervor, dass die Lohnlücke in Branchen mit höherem Frauenanteil tendenziell größer ist als in Branchen mit niedrigerem Frauenanteil.


Abschließend bleibt festzuhalten, dass bereits viele Maßnahmen und Projekte zur Verbesserung des Status Quo angestoßen worden sind, dass die Fortschritte in Richtung Entgeltgleichheit jedoch weiterhin klein sind. Deutschland schneidet im europäischen Vergleich schlecht ab.

Für die Umsetzung der Maßnahmen und Erreichung der Ziele muss sich die Arbeitswelt verändern. Normal-Lebensläufe und Normal-Arbeitsverhältnisse müssen neu verstanden werden, sodass Erwerbsunterbrechungen und vorübergehende Teilzeitarbeit als selbstverständlicher Teil des Lebens angesehen werden und nicht dazu führen, dass betroffene Personen langfristig im Einkommen benachteiligt werden. Geschlechterstereotypenfreie Studienwahlen und Berufswahlen müssen gefördert werden und Frauen müssen mehr Zugang zu Führungspositionen bekommen. Um das Ziel der Entgeltgleichheit zu erreichen, müssen Politik, Gewerkschaften und jegliche Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer an einem Strang ziehen.