Gerüchte haben sich erhärtet Stadt Burladingen bestätigt Harry Eberts Rücktritt

Von kek 

Lange hat der einzige AfD-Bürgermeister des Landes die Öffentlichkeit im Ungewissen gelassen. Nun hat ein Beigeordneter bestätigt, dass Ebert sein Amt tatsächlich aufgibt. Der Trigema-Chef Wolfgang Grupp ist froh darüber.

Für viele Gemeinderäte ist Harry Eberts  Rückzug  eine große Erleichterung. Der AfD-Bürgermeister pflegt einen wenig kommunikativen Stil. Foto: dpa
Für viele Gemeinderäte ist Harry Eberts Rückzug eine große Erleichterung. Der AfD-Bürgermeister pflegt einen wenig kommunikativen Stil. Foto: dpa

Burladingen - Der einzige Bürgermeister in Baden-Württemberg mit einem AfD-Parteibuch gibt nach Angaben der Stadt Burladingen sein Amt auf. Harry Ebert habe bei einer Mitarbeiterversammlung angekündigt, zum 31. Oktober zurückzutreten, teilte ein Beigeordneter der Stadt am Donnerstag auf Anfrage mit. Ebert selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dem Landratsamt des Zollernalbkreises liegt aber bisher nach eigenen Angaben noch kein entsprechender Antrag vor. An einer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend wolle der Bürgermeister nach den Worten des Beigeordneten krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Harry Ebert hatte es spannend gemacht. Erst hat er in einem digitalen Korrekturabzug des Amtsblatts seinen Rücktritt zu Ende Oktober angekündigt, dann wurde die Meldung in letzter Sekunde wieder herausgenommen. Jetzt scheint er es mit seinem Abgang nach 20 Jahren doch ernst zu meinen. Offenbar spielen dafür auch gesundheitliche Gründe eine Rolle. Angeblich muss er sich infolge eines Mountainbikeunfalls vor drei Jahren erneut operieren lassen. Er ist damals schwer verletzt worden und war mehrere Monate im Krankenstand.

Als eine gute Nachricht für Burladingen wertet der Trigema-Chef Wolfgang Grupp den Rückzug. „Herr Ebert hat mir telefonisch mitgeteilt, dass er aufhören will.“ Das sei für alle angesichts der Querelen die beste Lösung. „Wir hatten viele Jahre keine Probleme miteinander, aber er hat natürlich Dinge gemacht die so nicht gehen“, sagt Grupp, dessen Unternehmen der größte Arbeitgeber in Burladingen ist. Es müsse wie in anderen Bundesländern auch ein Verfahren geben, um Rathauschefs, die nicht mehr tragbar seien, abzuwählen. „Da hat unser Rechtsstaat ein Problem“, kritisiert der 77-jährige Textilunternehmer.

Ebert hat auch gegenüber dem Trigema-Chef die Kommunikation eingestellt

Nicht nur gegenüber den Gemeinderäten wurde Harry Ebert immer verschlossener, auch gegenüber Wolfgang Grupp hat er die Kommunikation eingestellt. Sieben Monate lang blieb eine schriftliche Anfrage unbeantwortet, ob er ein Grußwort zum 100-jährigen Bestehen von Trigema im Oktober halten wolle. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und der EU-Kommissar Günther Oettinger werden reden, selbst Helene Fischer hat einen Auftritt. Auf ein paar Worte aus dem Burladinger Rathaus werden die Gäste in der 12 000-Einwohner-Gemeinde am Rande der Schwäbischen Alb vergeblich warten.

Weil Harry Ebert mit keiner Zeile auf das Angebot reagiert habe, habe er einen Brief geschrieben, in dem er sein Unverständnis über das Verhalten des Bürgermeisters zu Papier gebracht habe. Erst dann seien sie ins Gespräch gekommen, Ebert habe sich entschuldigt. Die Einladungen ohne städtisches Grußwort hätten allerdings weiterhin Bestand.

Im Amtsblatt publizierte der AfD-Bürgermeister persönliche Ansichten

Der frühere Polizist Ebert war anfangs parteilos, schloss sich aber nach seiner Bürgermeisterwahl 1999 der CDU an, wechselte alsbald zu den Freien Wählern und später dann zu den Rechtspopulisten. Ebert eckt seit Jahren durch fremdenfeindliche Äußerungen und Beleidungen des Gemeinderats an. Das Amtsblatt, dessen Herausgeber er ist, nutzt er als Plattform für seine persönlichen Ansichten. Ein Disziplinarverfahren gegen Ebert wegen der Veröffentlichungen endete mit einem Verweis. Spekulation bleibt, ob Ebert eine Karriere bei der AfD anstrebt.

Seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Burladingen endet offiziell im Jahr 2023. Denkbar wäre auch, dass er sich einfach an seinen griechischen Zweitwohnsitz zurückzieht.