Farblich passt Carsten Nestele bestens zum SV Leonberg/Eltingen – er bewahrt die Farben Gelb und Schwarz seit vielen Jahren ganz tief im Herzen. Der 39-Jährige ist seit Jugendtagen Fan der Fußballer des Ballspielvereins Borussia 09, und der Club aus Dortmund trägt die gleichen Vereinsfarben wie die seines neuen Arbeitgebers. Kommende Woche wartet der 100. Arbeitstag auf Carsten Nestele als Geschäftsführer des Sportvereins aus der Bruckenbachstraße, weshalb es Zeit ist, eine erste Bilanz zu ziehen, wie man das für gewöhnlich auch bei den US-Präsidenten macht.
Über eine Antwort muss er keine Zehntelsekunde nachdenken. „Ich habe den Wechsel nach Leonberg nie bereut“, betont der Clubmanager, der zuvor 15 Jahre als stellvertretender Geschäftsführer bei der SV Böblingen angestellt war. Eines war von vornherein klar: Einen Kulturschock würde der Familienvater durch die Ortsveränderung nicht erleben – Großvereine sind alle irgendwie vergleichbar, „da spielt es eine untergeordnete Rolle, ob es nun 6000 oder 4500 Mitglieder sind“, sagt Nestele, „die grundlegenden Aufgaben und Probleme sind dieselben.“
Und trotzdem war es für den ehemaligen Tischtennis-Aktiven extrem hilfreich, dass er in den ersten 14 Tagen seines Engagements von Vorgänger Tobias Müller (jetzt MTG Wangen) über die wichtigsten Spezifika unterrichtet worden war. Über das, was er dabei nicht erfuhr, unterrichtete ihn das Leonberger Sportverein-Urgestein Inge Nährich-Radocaj, die Geschäftsstellenleiterin.
Ein himmelweiter Unterschied zwischen einst und jetzt: In Böblingen gehörten die Liegenschaften der Stadt, in Leonberg befinden sich die Einrichtungen und Plätze in Händen des Vereins – weshalb Nestele einmal pro Woche eine Komplett-Begehung des Geländes unternimmt und nötige Maßnahmen ergreift. Wie zum Beispiel den Kunstrasenplatz dieser Tage zu sperren, weil wegen des Frostes die Halme bei Sportbetrieb herausgerissen werden würden. „Ich habe mit dem Hersteller telefoniert, um mich kundig zu machen“, erzählt der Geschäftsführer, „wann muss das entsprechend kommunizieren, damit jeder dieses Verbot versteht.“
Sportwelt bald in der Gewinnzone
Ein nicht ganz so lockere Aufgabe war das Einarbeiten in die Finanzen, die nicht erst bei der Delegiertenversammlung 2023 im Club für Kritik gesorgt hatten – Nestele („ich mag Zahlen“) hatte zwei Wochen Bücher und Konten studiert, hatte mit dem Vorstand und den Banken beraten und kann einen ordentlichen Erfolg vermelden. Das von den Delegierten bewilligte Betriebsmitteldarlehen wird nicht benötigt, ein zinshohes Darlehen wurde gegen ein zinsgünstiges abgelöst, die Tilgungsraten des Kredits für die Sportwelt werden erst 2025 laufen und nicht bereits von diesem Januar an den Club belasten. „Wir steuern in der Sportwelt auf den Break-even-Punkt zu“, sagt Nestele, „wir hinken wegen Corona zwar noch etwas hinterher, aber die Mitgliederzahlen steigen.“
Philosophie der offenen Tür
Geordnete Finanzen sind ein Wohlfühlfaktor, das ist bekannt, darüber hinaus genießt der neue Chef die familiäre Atmosphäre auf der Geschäftsstelle und praktiziert die Philosophie der offenen Tür. „Nur wenn es etwas Vertrauliches zu besprechen gibt, ist meine Bürotür geschlossen, sonst steht sie jedem offen“, berichtet der Mann, der nach wie vor in Böblingen wohnt. Neben einem selbstgemalten Bild eines seiner Kinder sowie zwei Familienfotos schmücken elf Fußball-Sammelkarten, die sauber aufgereiht auf dem Fenstersims stehen, seinen ansonsten schmucklosen Arbeitsplatz – es sind Profis des BVB in Gelb-Schwarz. Nach knapp 100 Tagen im Amt darf man feststellen: Nicht nur farblich passt Carsten Nestele ganz hervorragend zum SV Leonberg/Eltingen.