Geschichte der Steinbrüche Denkmale aus Esslinger Sandstein

Jörg und Ernst Bayer Foto: Ines Rudel

Im Jahr 2004 haben die E. Bayer Baustoffwerke den Betrieb im letzten Steinbruch auf Esslinger Gemarkung, in der Nonnenklinge beendet. Als letzte Esslinger Firma baut Bayer noch Sandstein ab. Das war früher anders, Baumaterial aus zahlreichen Esslinger Steinbrüchen findet sich in Baudenkmalen der Stadt.

Heute ein Ausflugsziel – damals umstritten. Um den früheren Steinbruch Nonnenklinge oberhalb von Wäldenbronn lieferten sich Ende der 1970er-Jahre Anwohner und Stadtverwaltung einen Schlagabtausch in den Leserbriefspalten der Eßlinger Zeitung. Angesichts einer geplanten Erweiterung des Sandsteinabbaus an dieser Stelle durch die Firma Bayer beklagten die Wäldenbronner „eingreifende Verluste von Wald und damit Erholungsmöglichkeiten“, den Lärm durch Schwerlastverkehr und Erschütterungen durch Sprengungen, die angeblich Schäden an ihren Häusern anrichteten. Am Ende blieb der jahrelange Protest vergeblich. Am 10. April 1979 hieß es in der Stuttgarter Zeitung: „Im Stadtwald wird Sandstein gebrochen“. Damit nahm der letzte Steinbruch auf Esslinger Gemarkung seinen Anfang.

 

Auf den einstigen Streit angesprochen, reagiert Ernst Bayer zurückhaltend. Heute ist der Esslinger Unternehmer 91 und hat die Firma längst an seine Söhne übergeben. Der Sandsteinabbau in der Nonnenklinge wurde 2004 eingestellt. Er findet einen Kilometer weiter statt, auf dem Gebiet des Rems-Murr-Kreises. Anwohnerproteste gibt es hier keine, man sei von der Wohnbebauung entsprechend weit entfernt, sagt Jörg Bayer, der mit seinem Bruder Jochen die Geschäfte führt. Ohnehin, führt der 54-Jährige aus, gebe es heutzutage Sprengungen nur noch in kleinem Ausmaß, zur Lockerung. Den Rest können moderne große Bagger erledigen.

Steine für Denkmale wie die Frauenkirche

Die Familie Bayer ist die letzte aus einer Reihe von Abbauunternehmen in Esslingen. Früher gab es einige Steinbrüche im Stadtgebiet, Sandstein wurde für repräsentative Bauten wie die Pliensaubrücke eingesetzt. In einer Bauamtsbeschreibung aus dem Jahr 1725, die von Oberbauverwalter Johann Jost Williardt verfasst wurde und im Esslinger Stadtarchiv liegt, sind sechs Steinbrüche beschrieben mit Qualität des Steinwerkes und dessen Verwendung. Demnach wurden Sandsteine aus der Abbaustelle „Schließhalden“, die sich bei Mettingen befunden haben muss, beim Bau des Reichsstädtischen Rathauses 1705 verwendet, dem heutigen Amtsgericht. „Im Hainbach“ – ein „uralter Bruch“ – wurde wohl Baumaterial für die Frauenkirche (1325 bis 1560) gewonnen. Das vermutet Williardt aufgrund der Beschaffenheit des Materials. Weitere Steinbrüche waren in der „Rüdemer Heyden“, in der „Seracher Heyden“, am „Eißberg“ sowie am „Lantelen Tor“ – also in der Nähe des Landolinstores.

In Ernst Bayers Jugend gab es noch einige weitere Steinbruchbetriebe in Esslingen. Damals haben auch Kleinunternehmer wie Maurer oder Bauern mit der Stadt Pachtverträge zum Abbau geschlossen. Teilweise deckten die Leute auch einfach ihren Eigenbedarf, erzählt Bayer. Sein Urgroßvater gründete die Firma 1876, die Familie hatte mehrere Pferdefuhrwerke und gewann Kies aus dem Neckar. „Als damit immer weniger zu holen war, begann mein Großvater 1903 mit dem Stubensandsteinabbau.“ Der Steinbruch habe sich oberhalb der heutigen Südkirche befunden. Als er den Betrieb übernahm, hatte Ernst Bayer 20 Mitarbeiter.

Aus Sandstein wird Kalksandstein

Mittlerweile sind es 85. Warum seine Firma als letzte in Esslingen noch Sandstein abbaut? „Es ist kein einfacher Rohstoff und die Abbau- und Erweiterungsmöglichkeiten waren nicht so groß“, sucht Jörg Bayer nach möglichen Gründen. Zudem habe der Betrieb eine gewisse Größe gehabt und den Rohstoff gleich selbst weiterverarbeitet. In dem Werk in Nachbarschaft zur Deponie Katzenbühl wird Sandstein abgebaut, gemahlen und mit Kalk von der Schwäbischen Alb sowie Wasser zu Kalksandsteinblöcken verarbeitet. Diese finden vor allem im Mehrgeschossbau Einsatz, etwa 80 000 Kubikmeter stellt das Unternehmen, dessen Zentrale im Esslinger Entennest ist, jährlich her.

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