Allein beim städtischen Kitaträger seien am Montag 1865 der 8500 Kinder in der Notbetreuung versorgt worden, berichtet Mattheis, also rund 23,5 Prozent. Und in der Schulkindbetreuung seien 667 als Notfälle aufgenommen worden, das entspreche 11,5 Prozent der Plätze, so Mattheis. Ziel des Lockdowns sei ja eine Kontaktvermeidung. Aber, so der Jugendamtsvize: „Wenn Not am Mann ist, finden wir eine Lösung.“ Allerdings verlange man von den Eltern eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Dies sieht das Kultusministerium in seinen Orientierungshilfen zwar nicht vor. Aber Mattheis argumentiert: „Es bleibt den Trägern ja freigestellt, wie sie es ausgestalten.“
Beim evangelischen Kitaträger fällt auch Eingewöhnung unter die Notbetreuung
Beim evangelischen Kitaträger nahm sogar ein noch größerer Teil der Kinder die Notbetreuung in Anspruch: In dieser Woche seien es rund 1500 der 5500 Kitakinder, berichtet Jörg Schulze-Gronemeyer. Dort bewillige man dies „allen, die eine Betreuung benötigen und das glaubhaft machen können“. Das gestehe der Träger Eltern auch zu, wenn eine Eingewöhnung anstehe: „Wenn jemand ab Februar arbeiten muss, nehmen wir die Kinder in die Eingewöhnung rein“, so Schulze-Gronemeyer. Auch das Kindeswohl sei ein wichtiges Kriterium für die Notbetreuung.
Unterdessen fordert die Konferenz der Gesamtelternbeiräte der Stuttgarter Kitas eine Aussetzung der Gebührenzahlungen aller Träger bis zur vollständigen Öffnung der Kitas in Stuttgart. In einem Brief an Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) und die Fraktionschefs und Mitglieder im Jugendhilfeausschuss verlangt das Gremium auch „einen vollständigen Gebührenerlass für Familien, die entweder keinen adäquaten Platz in einem Notbetreuungsangebot erhalten oder freiwillig auf eine Betreuung ihrer Kinder in einer Tageseinrichtung verzichten“. Eine Gebührenerstattung fördere „eine Erhöhung des Verständnisses bei den Eltern für die aufgrund Corona notwendige Schließung“, heißt es in dem Brief.
Die Stadt Stuttgart hat den Einzug der Kita-Gebühren für Januar ausgesetzt
Die Stadt Stuttgart hatte bereits vor Weihnachten angekündigt, den Einzug der Kita-Gebühren für Januar vorerst auszusetzen. Einen Gebührenverzicht könne jedoch nur der Gemeinderat beschließen. Aber, so Mattheis am Montag: „Wir wissen ja noch nicht, wie lange die Kitas zu bleiben, was das kostet und wer das finanziert.“ Letztlich hänge das von der Dauer ab und von der Bereitschaft von Bund und Land, sich bei der Finanzierung zu engagieren, so Mattheis.
Noch ist nicht geklärt, wie und ob die Kitas, Horte und Schulen am 18. Januar wieder öffnen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will dazu bis Donnerstag die weitere Entwicklung der Infektionszahlen abwarten. Hierzu erklärt der städtische GEB: „Wir erwarten, dass die Landesregierung ihre Kriterien für eine Öffnung der Kindertagespflege und Schulen zeitnah festlegt und kommuniziert.“
An den Grundschulen nutzen viele Erstklässler das Notfallangebot
Das wünschen sich auch viele Schulleiter. In puncto Notbetreuung sind vor allem die Grundschulen gefragt. „Wir haben dreimal so viele Kinder in der Notbetreuung wie vor den Ferien“, berichtet Ralf Hermann von der Schillerschule in Bad Cannstatt. Mehr als 30 der 270 Grundschüler nutzten das Angebot – „die Hälfte von ihnen Erstklässler“, sagt der Schulleiter. „Falls der Lockdown nächste Woche fortgesetzt wird, werden es über 40 sein – für viele Eltern ist jetzt eine Grenze erreicht“, weiß Hermann im Blick auf die neuen Anmeldungen. Bereits jetzt seien vier Lehrer morgens und vier Sozialpädagogen mittags für die Notbetreuung im Einsatz. „Wenn die Gruppe noch größer wird, müssen wir teilen.“ Und für die anderen Schüler habe man Lernpakete gepackt: „Die Kinder haben sie am Morgen abgeholt und sich gefreut“, berichtet Hermann. „Jetzt haben sie ihre Aufgaben, und wir warten auf den Donnerstag.“
In Gablenberg sind an der Grundschule 22 Kinder in der Notbetreuung, in den Klassenstufen fünf bis sieben der Werkrealschule gar kein Schüler, berichtet Schulleiter Uwe Heilek. Auch an anderen weiterführenden Schulen ist die Notbetreuung kaum gefragt. An der Schlossrealschule im Westen komme nur ein einziges Kind, so Schulleiterin Barbara Koterbicki. „Die Mutter war bass erstaunt.“