Gesundheitsversorgung im Kreis Ludwigsburg Notfallpraxen-„Notbremse“ sorgt für Spannungen in Gesundheitsbranche

Ungewisse Zukunft der Notfallpraxen. Foto: dpa

Seit einigen Wochen sind die Öffnungszeiten der Notfallpraxen im Kreis eingeschränkt. Laut Kassenärzten ohne größere Auswirkungen – die Kliniken sehen das anders.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Vor einem Monat musste die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) die „Notbremse“ ziehen. Von einem Tag auf den anderen wurden die Öffnungszeiten von Notfallpraxen gekürzt – darunter auch die Praxis in Bietigheim-Bissingen. Die KVBW und die Kliniken sind sich uneins, welche Auswirkungen das auf die Gesundheitsversorgung im Kreis hat.

 

Wie ist die Ausgangslage?

In Notfallpraxen werden vor allem nachts und am Wochenende medizinische Notfälle behandelt, also außerhalb der Dienstzeiten der Arztpraxen. Neben den niedergelassenen Ärzten konnten bislang auch Klinikärzte oder Pensionäre freiberufliche Dienste in den Notfallpraxen übernehmen – diese nennt man Poolärzte.

Nun hat das Bundessozialgericht jedoch geurteilt, dass Poolärzte nicht mehr freiberuflich in den Notfallpraxen arbeiten dürfen. Die KVBW strich kurzerhand alle Poolärzte aus dem Dienstplan und musste daraufhin die Öffnungszeiten vieler Notfallpraxen anpassen.

W arum gibt die KVBW Entwarnung?

Die Notfallpraxis in Bietigheim-Bissingen hat seit Ende Oktober nur noch am Wochenende und bis 22 Uhr geöffnet. Auch in Ludwigsburg gab es kleinere Kürzungen. Laut KVBW hat die Praxis dort in den Nächten am Wochenende geschlossen.

Die Sorge, dass dadurch die Gesundheitsversorgung im Kreis leide, sei unbegründet, sagt Kai Sonntag, Pressesprecher der KVBW. Die Versorgung sei immer noch auf einem sehr hohen Niveau. So sieht das auch Kreisärzteschaft-Vorsitzende Carola Maitra. Die neuen Öffnungszeiten würden zwar eine Mehrbelastung durch längere Wege für Patienten bedeuten, aber keine Schwächung der Gesundheitsversorgung.

Laut Kai Sonntag sei auch eine zweite Sorge unbegründet. Und zwar, dass Patienten, die eigentlich eine Notfallpraxis aufsuchen wollten, die Notaufnahmen der Kliniken verstopfen. „Die Notbremse funktioniert bisher gut, wir haben bisher keine Rückmeldung, dass in Notaufnahmen das Chaos ausbricht.“

Warum stehen die Kliniken unter Druck?

Alexander Tsongas hat einen anderen Blick auf die Situation. Laut dem Pressesprecher der Regionalen Kliniken Holding (RKH) suchen seit der Teilschließung der Bietigheimer Notfallpraxis mehr Patienten die Notaufnahme des RKH Klinikums in Bietigheim auf. Das bedeute eine höhere Belastung der Belegschaft, und die komme zur Unzeit.

Denn in den Herbst-Winter-Monaten hätten die Krankenhäuser sowieso ein höheres Patientenaufkommen. Grund seien die starke Ausbreitung an Infektionskrankheiten und mehr Unfälle. Der diesjährige Start in den Winter sei nun besonders herausfordernd, so Alexander Tsongas – da die Patienten, die nicht in die Notfallpraxen können, „on top“ hinzukämen.

Wie geht es jetzt weiter?

„Die Kürzungen der Öffnungszeiten sind eine vorübergehende Lösung“, sagt Sonntag. Wie und wann diese vorübergehende Lösung endet, kann der KVBW-Sprecher aber nicht beantworten. Klar ist, dass die KVBW eine Neustrukturierung der Notfalldienste plant.

Bis Mittwoch erwartet die Kreisärzteschaft ein Konzept zur Neuordnung des Notdienstes, sagt Carola Maitra. Die Weiterbeschäftigung der Poolärzte wäre der richtige Weg, um die Versorgung zu sichern.

Mit Blick auf die vollen Notaufnahmen erwarten auch die Kliniken Ergebnisse. Die Kassenärztliche Vereinigung habe einen Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung, sagt RKH-Sprecher Tsongas. Dem Auftrag werde aktuell nicht ausreichend nachgekommen. „Das wird von uns, den Kliniken, durchaus stark kritisiert.“

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