Gewalt und Kriminalität im Kreis Ludwigsburg Bürger fühlen sich sicher – aber Sorge um Vandalismus steigt

Viele Teilnehmer des Heimat-Checks beschweren sich über Vandalismus, Lärm und Müll an öffentlichen Plätzen. Das verringere ihr Sicherheitsgefühl. Foto: /Simon Granville

Trotz der schweren Gewalttaten der vergangenen Monate, fühlen sich die Menschen im Kreis Ludwigsburg relativ sicher. Bietigheim-Bissingen schneidet am besten ab und hat dafür auch eine Erklärung.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

In den vergangenen zwölf Monaten machten immer wieder aufsehenerregende Gewalttaten im Landkreis Schlagzeilen. Im Juli 2022 wurde die 17-jährige Aspergerin Tabitha ermordet. Anfang August 2022 wird ein 79-Jähriger in Ludwigsburg auf offener Straße getötet. Im Mai dieses Jahres stirbt der 18-jährige Lukas nach Schüssen aus einer Pistole. Vergangene Woche folgte der Tod einer 44-Jährigen aus Hessigheim auf offener Straße

 

Trotz dieser schlimmen Eindrücke bewerten die Teilnehmer des Heimat-Checks das Leben im Landkreis als relativ sicher. Die Fragen, wie sicher sich die Befragten im Landkreis fühlen und wie sie die Polizeipräsenz wahrnehmen, bewerten die Umfrageteilnehmer mit der Durchschnittsnote 6,4 von möglichen 10 Punkten. Der Wert liegt leicht unter der Durchschnittsnote 6,51 aller befragten Landkreise rund um Stuttgart.

Asperg am Tabellenende

Vergleicht man die Gemeinden des Kreises Ludwigsburg miteinander, zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Die Heimat-Check-Teilnehmer aus Asperg bewertendie Sicherheit ihrer Stadt beispielsweise mit 5,67 – damit gehört die 13 000-Einwohner-Stadt zu den Tabellen-Schlusslichtern.

Die Tode von Tabitha und Lukas würden die Bürger nach wie vor beschäftigen, sagt Bürgermeister Christian Eiberger. Eltern hätten Sorge um ihre Kinder, und „wenn man Gruppen von Jugendlichen sieht, kommen vielen die schweren Taten in den Kopf“.

Asperg werde aber nicht gefährlicher, die Kriminalität pendele seit fünf bis zehn Jahren auf ähnlichem Niveau, stellt Eiberger klar. Auch im Vergleich zu ähnlichen Städten sei Aspergs Kriminalstatistik normal.

Das spiegelt sich auch im gesamten Landkreis wider. 2022 stellte die Polizei 3891 Straftaten pro 100 000 Einwohner fest, ähnlich wie im Kreis Esslingen (3647) und Waiblingen (4081) und deutlich unter dem Landesschnitt von 4747. Im Zehnjahresvergleich nimmt die Gesamtzahl der Straftaten im Kreis Ludwigsburg sogar leicht ab.

Dennoch: Das subjektive Sicherheitsgefühl sinkt bei einem Teil der Kreisbevölkerung. Neben den Tötungen belastet ein weiteres Phänomen das Sicherheitsempfinden: Jugendgruppen an öffentlichen Plätzen. Rund zwei Dutzend Teilnehmer des Heimat-Checks berichten von diesen Gruppen, von Vandalismus, Vermüllung, Lärm und wünschen sich teilweise mehr Polizeipräsenz.

„In Gerlingen wird leider viel durch jugendliche Gruppen zerstört“, schreibt ein Teilnehmer. Mehrere Befragte fühlen sich derweil an ihren Bahnhöfen unsicher. Und auch aus kleineren Städten wie Schwieberdingen melden Befragte Sachbeschädigungen und Vermüllung durch Jugendliche.

Auch in Bietigheim-Bissingen mehr Vandalismus

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch das Phänomen scheint in der öffentlichen Wahrnehmung größer zu werden. Bestes Beispiel ist der Akademiehof in Ludwigsburg, für den zeitweise sogar ein Verweilverbot ausgesprochen wurde.

„Bei den Gruppen sind es häufig nur einzelne Vorfälle, die das subjektive Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Eine reelle Gefahr besteht aber in den seltensten Fällen“, sagt Polizeisprecher Steffen Grabenstein. Das zeigen auch die Zahlen von 2022: Die Anzahl der Verbrechen im öffentlichen Raum sinkt im Kreis leicht im Vergleich zu 2018 und 2019.

Trotz der Zahlen meldet auch der Bauhof von Bietigheim-Bissingen immer mehr Aufräumarbeiten wegen Vandalismus, berichtet Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Die Zerstörungen zu. Bänke werden zertreten, Grillplätze beschädigt, Hundekotbeutel landen auf der Wiese, sagt Hochmuth – das ärgere immer mehr Bürgerinnen und Bürger.

Doch die Stadt wehrt sich und versucht laut Hochmuth schnell zu reagieren. „Denn ein zerbrochenes Fenster zieht schnell das nächste nach sich.“ Die Stadtverwaltung lege deshalb großen Wert darauf, dass der Bauhof gut ausgestattet sei. Zudem setzt die Stadt einen privaten Security-Dienst an öffentlichen Orten ein, an denen im Sommer gefeiert und getrunken wird.

Drittens hilft seit Jahren der Verein „Aktion Saubere Stadt“. Die Vereinsmitglieder melden der Stadt Fälle von Vandalismus und Vermüllung. Laut Hochmuth erfährt die Stadt somit früh von den Problemen, schickt den Bauhof und verhindert damit das nächste „zerbrochene Fenster“. Die Bemühungen scheinen auch die Bürger zu bemerken. Mit einer Note von 7,02 erreicht Bietigheim-Bissingen den zweitbesten Sicherheitswert im Landkreis.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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