Gos und No-Gos bei Kinky Partys Knigge für sexpositive Partys

Alles kann, nichts muss und gut ist? Nein, es gibt noch ein paar mehr Regeln, an die man sich bei sexpositiven Partys wie der Kinky Galore halten muss. Foto: Kinky Galore/Jan Ehret/sensualshootffm

Gerade sitzen, Ellbogen vom Tisch und Mund zu: Pünktlich zur Kinky-Galore-Party an diesem Samstag in Stuttgart sprechen wir mit dem DJ und Veranstalter Jan Ehret über Gos und No-Gos bei sexpositiven Partys.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Vorneweg: Sexpartys und sexpositive Partys sind nicht einerlei. Bei sexpositiven Partys liegt der Fokus auf dem Feiern der Sexualität, der Freizügigkeit, des menschlichen Körpers und der Lust. Sex und sexuelle Handlungen können vollzogen werden, müssen aber nicht Teil des Besuchs sein. Wer auf eine sexpositive Party wie die Kinky Galore diesen Samstag in Bad Cannstatt im Wizemann geht, hat aber einige Regeln zu beachten. Let’s talk about: How to... sexpositive Partys.

 

Erstens: 18 Jahre oder älter sein.

Wir sprechen mit Jan Ehret darüber, was auf sexpositiven Partys erlaubt ist und was nicht. Der DJ, Veranstalter und KitKat-Club-Resident tourt mit seiner sexpositiven Techno-Partyreihe „Kinky Galore“ seit dem Jahr 2018 durch mehrere Großstädte im deutschsprachigen Raum und macht nach etlichen Station in diversen Stuttgarter Techno-Clubs nun diesen Samstag im Wizemann Halt.

Sei kinky, nicht nur sexy

Das Thema Ästhetik liegt ihm dabei besonders am Herzen: „Bei unseren Partys ist es ganz wichtig, dass man sich an den Dresscode hält“, sagt der Wahl-Berliner. Konkret heißt das: Alltagskleidung wie Jeans, Chinos, Jogginghosen, Shorts, Baumwollshirts und gewöhnliche Boxershorts sind verboten. Auch in Abendgarderobe à la Kleines Schwarzes oder im Smoking kommt man nicht an den Kinky-Passierschein A38. Sexpositive Partys sind weder Cocktailpartys, noch Kaffeekränzchen.

Die Verpackung zählt und die sollte anzüglich sein, nicht nur sexy. Sie kann aus Latex, Leder oder Lack bestehen, mit Netz, Mesh, Nylon oder im Wetlook. Auch Dessous, sexy Harnische oder Bodypainting und -tape gehen klar, Fetisch-Wear sowieso. Auch im Birthday Suit (nackt) ist man für die sexpositive Party bestens angezogen. Je mehr Haut, desto besser. Hauptsache man zieht nicht nur lieblos das Shirt aus. Genug Outfit-Inspo gibt es in der Bildergalerie, die bei vergangenen Kinky Galores entstanden ist.

Der Safe Space muss respektiert werden

Wer reindarf und wer nicht, entscheidet an der Türe das eigene Kinky-Galore-Einlassteam, die „Doorbitches“, wie sie sich selbst nennen. „Ich habe mit Absicht an der Türe ein reines Frauenteam, das Menschen, die schon am Eingang einen auf dicke Hose machen, erkennt und notfalls abweist“, erklärt Jan.

Es gilt: kein Body Shaming, keine Vorurteile, kein Rassismus, keine Homophobie. Denn sexpositive Partys fungieren als Safe Spaces für alle Menschen gleichermaßen, unabhängig ihrer sexuellen Vorlieben, Orientierung, ihres Alters, Geschlechts oder körperlicher Merkmale. Wer diese Pfeiler der Party nicht verstanden hat oder gegen sie verstößt, wird nicht eingelassen oder rausgeschmissen. Nur so wird ein Safe Space, in dem sich jede:r ausleben und sein kann, wer er:sie ist, gewahrt und erhalten. „Auf unseren Partys soll es harmonisch und liebevoll zugehen“, sagt Jan Ehret. Das gilt allem voran fürs Zwischenmenschliche und Intime, das auf der sexpositiven Party passieren kann und passiert. Bei jeder der Kinky-Galore-Veranstaltungen ist ein eigenes Awareness-Team am Start, leicht zu erkennen an weißen Shirts.

Consent ist das A und O

„Wenn etwas vorfällt, kann und soll man sich jederzeit an unser Awareness-Team vor Ort wenden“, bekräftigt Jan. Denn die oberste Regel bei der Kinky Galore und allen anderen sexpositiven Partys ist: Consent is a must. Ohne ein klares beidseitiges „Ja“ hat nichts mit anderen Personen gemacht zu werden, Punkt! „Das gilt für alle Tätigkeiten“, stellt der Kinky-Galore-Veranstalter klar. „Das geht schon bei Kommentaren los und gilt insbesondere, wenn man sich einer anderen Person oder einem Paar nähert. Da sollte man sich einfühlsam und umsichtig zeigen und bevor man etwas macht, immer abklären, was gewünscht ist und was nicht.“ Es gilt eine strenge Null-Toleranz-Policy: „Wer sich nicht daran hält, wird direkt von der Party entfernt.“

Playroom nur als Paar

Wer sich jedoch gut versteht und in beidseitigem Einverständnis an einem ruhigeren Ort als der Tanzfläche Sex haben oder sexuelle Praktiken ausführen möchte, kann den sogenannten Playroom nutzen. „In den Playroom kommt man grundsätzlich nur als Paar rein, ob heterosexuell oder gleichgeschlechtlich“, erklärt Jan Ehret. Auf vielen der sexpositiven Partys in Stuttgart wie der Kinky Galore gibt es einen Playroom oder zumindest einen abgeschotteten Bereich.

Seine Funktion ist auf sexuelle Handlungen untereinander ausgelegt, als Einzelperson wird man nicht eingelassen, für den Wohlfühlfaktor im Raum. „Es gibt durchaus Paare, die es genießen, wenn ihnen im Playroom andere ‚nur’ zusehen. Aber auch das kann als unangenehm empfunden werden. In einem solchen Fall, muss man das kommunizieren und bei Bedarf unserem Awareness-Team melden.“

No photos, please

Zu guter Letzt ist das Fotografieren auf sexpositiven Partys strengstens untersagt. Safe Space, Privatsphäre, ihr wisst schon. Nicht jede:r möchte oder kann seine sexuellen Vorlieben mit dem Internet und dem Rest der Welt teilen, das muss respektiert werden. Aus diesem Grund werden beim Einlass die Handykameras abgeklebt. Auf einigen sexpositiven Partys gibt es offizielle Fotograf:innen, die nur mit Zustimmung oder auf eigenen ausdrücklichen Wunsch hin an dafür vorgesehenen Orten Fotos von den Gästen machen.

Kinky Galore, Im Wizemann, Quellenstr. 7, Stuttgart-Bad Cannstatt, 24.2. 22 Uhr, mehr Infos + weitere Termine >>>

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