Grammy Awards 2022 Musik gegen die Stille, die der Krieg zurücklässt

Olivia Rodrigo interpretiert bei der Grammy-Show ihren Hit „Drivers Licence“ Foto: AFP/Valerie Macon

Bei der Grammy-Show in Las Vegas gehen fünf Trophäen an Jon Batiste, drei an Olivia Rodrigo , drei an die Foo Fighters. Und der ukrainische Präsident Selenskyj bittet in einer Videobotschaft um Unterstützung.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Während sich die Oscar-Gala vor einer Woche als verstörender Action-Thriller entpuppte, erweist sich die Grammy-Show am Sonntagabend als ergreifendes Melodram. Zwar sitzen in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas zwischen Joni Mitchell oder Bonnie Raitt jede Menge muskelbepackte, grimmig dreinblickende, tätowierte Rap-Stars. Doch selten ging eine Preisverleihung so sentimental, so bedächtig, so zurückhaltend über die Bühne.

 

Wolodymyr Selenskyj, John Legend und ein Gedicht

Das liegt zum einen auch am Ukraine-Krieg. Überraschend meldet sich in der dreieinhalbstündigen Show der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft zu Wort, die er zwei Tage zuvor in einem Bunker aufgenommen hat. „Unsere Musiker tragen Schutzwesten statt Smokings, sie singen für die Verwundeten“, sagt er. Musik sei das Gegenteil von Krieg: „Füllt die Stille mit eurer Musik: Unterstützt uns auf jegliche Art und Weise, die euch möglich ist“, bittet er, bevor John Legend am Klavier das Stück „Free“ spielt, Bilder zerstörter ukrainische Städte und flüchtenden Menschen auf die Videoleinwand übertragen werden und die ukrainische Autorin Lyuba Yakimchuk, die kurz zuvor aus Kiew in die USA geflohen ist, ihr Gedicht „Prayer“ rezitiert.

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Die Show wirkt wie in Wehmut getunkt

Dass die Grammys einen ganz anderen Ton als die Oscars anschlagen, liegt aber auch an Trevor Noah. Seine Witze wollen nicht wirklich wehtun, mit Spott über Anwesende hält er sich merklich zurück, und den Fall Will Smith spricht er fast übervorsichtig an: „Wir werden die Namen von Menschen aus unseren Mündern lassen“, sagt er in Anspielung an Smith, der bei Oscar-Zeremonie den Komiker Chris Rock geohrfeigt und gerufen hatte: „Lass den Namen meiner Frau aus deinem verdammten Mund!“

Die Show wirkt insgesamt wie in Wehmut getunkt. Selbst die wild-ausgelassene Showeinlage von Billie Eilish zu ihrem Song „Happier then ever“ gerät am Ende ziemlich sentimental, als sie noch einmal ihr T-Shirt für die Kameras zurechtstreicht: Auf ihm ist das Gesicht von Taylor Hawkins zu sehen, dem Drummer der US-Band Foo Fighters, der vor wenigen Tagen gestorben ist.

Trauer um den Tod des Schlagzeugers der Foo Fighters

Die Foo Fighters haben daraufhin ihren Auftritt bei den Grammys abgesagt, werden aber dennoch mit drei Preisen ausgezeichnet (Beste Rock-Performance, Bester Rocksong, Bestes Rockalbum). Der Jazz- und R&B-Musiker Jon Batiste darf sogar fünf Preise mit nach Hause nehmen (Bestes Album, Beste Roots-Performance, Bester Roots-Song, Bester Soundtrack, Bestes Musikvideo). Anderson Paak und Bruno Mars werden als das Duo Silk Sonic für ihren Song „Leave the Door open“ zweimal ausgezeichnet (Single des Jahr und Song des Jahres).

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Der eigentliche Star des Abends ist – neben Selenskyj – trotzdem die 19-jährige Olivia Rodrigo, die drei Preise gewinnt (Best New Artist, Best Pop-Solo-Performance, Best Pop-Vocal-Album), zwischendurch noch Zeit findet, mit den Mitgliedern von BTS zu flirten, und die bei der besten Showeinlage des Abends mit der zartbitteren Ballade „Drivers Licence“ der Grammy-Show den traurigen Ton vorgibt.

64. Grammy Awards: die wichtigsten Preisträger

Single des Jahres
„Leave the Door open“ von Silk Sonic

Album des Jahres
 „We are“ von Jon Batiste

Song des Jahres
„Leave the Door open“ von Silk Sonic

Bester neuer Künstler
Olivia Rodrigo

Beste Pop- Solo-Performance
„Drivers Licence“ von Olivia Rodrigo

Beste Duo/Group-Performance
„Kiss me more“ von Doja Cat featuring SZA

Bestes traditionelles Pop-Vocal-Album
„Love for Sale“ von Tony Bennett und Lady Gaga

Bestes Pop-Vocal-Album
„Sour“ von Olivia Rodrigo

Bestes R&B-Album
„Heaux Tales“ von Jazmine Sullivan

Bestes Rap-Album
„Call me if you get lost“ von Tyler, the Creator

Bestes Rock-Album
„Medicine at Midnight“ von den Foo Fighters

Produzent des Jahres
Jack Antonoff

Bestes Alternative-Album
„Daddy’s home“ von St. Vincent

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