Grippostad, Wick Medinait und Co. Wie gut helfen Erkältungsmittel wirklich?

Von Jörg Zittlau 

Zur Erkältungszeit werden viele Kombinationspräparate in den Apotheken verkauft. Einige Medikamente sind auch hilfreich. Mediziner warnen dennoch vor häufigem Gebrauch- und geben Tipps, wie einer Erkältung besser beizukommen ist.

Beim ersten Anzeichen einer Erkältung nehmen viele  eine Kopfschmerztablette Foto: red
Beim ersten Anzeichen einer Erkältung nehmen viele eine Kopfschmerztablette Foto: red

Tübingen/Wiesbaden - Grippostad, Aspirin Complex, Doregrippin oder der Erkältungssirup von Wick – für viele Patienten gehören sie zu den treuen Begleitern im Kampf gegen die Erkältung. Schließlich bleibt es meist nicht nur beim Schnupfen, schnell gesellen sich Husten und Heiserkeit hinzu. Da greifen viele zur Kombilösung, die möglichst alle Symptome auf einmal bekämpft.

Ob diese Denkweise sinnvoll ist, darüber streiten sich die Experten: Schließlich wird mit den Kombipräparaten versucht, Symptome einer Erkrankung mit dem Gießkannenprinzip zu lindern. Befürworter halten dies für nicht sonderlich schlimm: Eine Erkältung sei generell „eine Erkrankung mit mehreren Symptomen, und zwar vom Anfang bis zum Ende“, sagt etwa Ron Eccles von der walisischen Cardiff University, der sich seit 30 Jahren dem Studium der Erkältungskrankheiten widmet. In vier von fünf Fällen führt eine Erkältung typischerweise zu Husten und Schnupfen, in drei von fünf zu Hals- und Kopfschmerzen, und in jedem dritten Fall kommt noch Fieber hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur eines dieser Symptome auftaucht, ist gering, so Eccles.

Medikamente mit abschwellender Wirkung bei Schnupfen

Also ein Mittel gegen alles? Es kommt auf die Wirkstoffkombinationen an: So hat ein Forscherteam der Cochrane-Collaboration, einem internationalen Netzwerk unabhängiger Wissenschaftler, 27 klinische Arbeiten dazu gefunden, dass bestimmte Kombinationen von Wirkstoffen einen wohltuenden Effekt auf erkältete Patienten haben können. Dabei haben sich vor allem die Dreierkombis aus Schmerzmittel und einem abschwellenden Wirkstoff sowie einem entzündungshemmenden Antihistamin bewährt.

Ähnlich sieht es auch Ludger Klimek vom Wiesbadener Zentrum für Rhinologie und Allergologie. Der HNO-Spezialist empfiehlt Schnupfengeplagten eine Kombination aus Ibuprofen oder Paracetamol mit Phenylephrin oder Pseudoephedrin. So profitiert der Patient von der fieber- und entzündungshemmenden Wirkung des ersten Wirkstoffs und von der abschwellenden Wirkung – insbesondere in den Schleimhäuten – der zweiten Substanzgruppe. „Beim Schnupfen geht es im Wesentlichen darum, eine abschwellende und entzündungshemmende Wirkung zu erzielen“, so der HNO-Mediziner. „Und da kann man mit der richtigen Wirkstoffkombination schon einiges erreichen.“

Koffein hat keinen medizinischen Effekt

Doch die sind eben nicht in jedem Erkältungsmittel auch gleich gut zusammengestellt, wie die Ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Uniklinikum Tübingen, Stefanie Joos, warnt: „In vielen dieser Präparate ist auch Unsinn drin“, sagt sie. Die beliebten Inhaltsstoffe Koffein und Vitamin C beispielsweise bringen medizinisch gesehen keinen Effekt.

Auch die von den Cochrane-Collaboration-Forschern positiv bewerteten Antihistamine, die in vielen Kombinationsmedikamenten enthalten sind, sieht Joos kritisch. Die in den Kombipräparaten eingesetzten Histaminblocker der ersten Generation lassen zum einen viele müde werden. „Auch können diese Wirkstoffe in hoher Dosierung unerwünschte Nebenwirkungen entwickeln.“ Dagegen sind die Schmerzmittel in solchen Kombipräparaten oft sehr niedrig dosiert. „Die lindern dann auch nicht die Kopfschmerzen, die gerne mit Erkältungen einhergehen.“

Pflanzliche Schleimlöser oft besser geeignet

Der Wiesbadener HNO-Spezialist Klimek kann seiner Tübinger Kollegin nur beipflichten: Er hält vor allem Kombinationen mit dem Hustenstiller Dextromethorphan für problematisch. Denn er fördert nicht das entschleimende Abhusten, sondern unterdrückt den Hustenreiz. Das kann sinnvoll sein, um die Nachtruhe zu unterstützen. Doch wenn der Patient bereits die Phase des produktiven Hustens erreicht hat, unterdrückt es den natürlichen Schleimauswurf. „Pflanzliche Schleimlöser sind da besser geeignet“, ergänzt die Ärztin Joos.

Sie empfiehlt daher ihren Patienten nach wie vor, die Erkältungssymptome mit einzelnen Wirkstoffen anzugehen – auch wenn dies einen höheren Aufwand bedeutet: Bei Kopf- und Gliederschmerzen, die meist einer Erkältung vorangehen, hilft ein handelsübliches Schmerzmittel.

Bei Halsschmerzen viel trinken

Beginnt dann die Nase zu laufen und breitet sich die Erkältung in den Nasennebenhöhlen aus, sollten Patienten am besten zu einem abschwellenden Nasenspray mit dem Wirkstoff Xylometazolin greifen. „Wichtig ist aber, das Nasenspray nur so kurz wie möglich zu verwenden.“ Denn auf Dauer greifen diese die Nasenschleimhaut an.

Bei Halsschmerzen ist das beste Mittel, die Trinkmenge zu erhöhen. So bleiben die Schleimhäute feucht, der Speichelfluss wird angeregt und die darin enthaltenen Antikörper wirken entzündungshemmender als so manches Mittel aus der Apotheke, sagt Joos. Von Lutschtabletten mit einem lokalen Betäubungsmittel, um die Schmerzen zu dimmen, hält die Tübinger Ärztin wenig: „Dieser lindernde Effekt hält nur ein paar Minuten an.“

Grundsätzlich ist das beste Mittel gegen eine Erkältung stets ein altbewährtes: „Viel Ruhe“, sagt Stefanie Joos. „Am besten man legt sich zu Hause ins Bett, trinkt viel und wartet, bis das eigene Immunsystem die Vireninfektion in Griff bekommen hat.“

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