Großbaustelle in Kornwestheim Zwei Frauen bauen neue Gleise

Petra Lux (links) und Annick Pommer leiten die Baustelle des Kornwestheimer Umschlagbahnhofs. Bis Ende 2025 soll die dortige Erweiterung fertig sein. Foto: Frank Ruppert

Petra Lux und Annick Pommer leiten die Großbaustelle in Kornwestheim. Warum es 2024 noch immer eine Seltenheit ist, dass eine solches Projekt von zwei Frauen geleitet wird und welche Rolle dabei der Geruch von Asphalt spielt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Zwei Frauen sind hauptverantwortlich für die Erweiterung des Umschlagsbahnhofs in Kornwestheim. Dies ist immer noch außergewöhnlich, Petra Lux und Annick Pommer bestätigen die Ausnahme von der Regel. Die Bauingenieurinnen der Bahn sorgen bei dem 53-Millionen-Euro-Projekt, dessen Startschuss vor Ostern fiel, dafür, dass alles glatt läuft. Sie sind in dem 30 Ingenieure großen Team der Bahn, das sich mit solchen Projekten befasst, die einzigen Frauen. „Daher ist es eine Seltenheit, dass wir zusammenarbeiten“, sagt Lux.

 

Für beide ist es die erste gemeinsame Führungsverantwortung. Dass sie in ihrem Beruf immer noch Exotinnen sind, stört sie wenig. „Das ist halt so“, sagt Lux lapidar. Für sie sei seit frühester Jugend klar gewesen, dass es später mal auf Baustellen geht. „Schon als Kind war ich gerne mit meinem Vater auf Baustellen“, erinnert sich Lux. Ihre Mutter habe ihr damals schon prophezeit „aus dir wird nie eine gute Hausfrau, wenn du so weitermachst. Damit hatte sie Recht“, sagt Petra Lux.

Zwei neue Gleise

Weniger geradlinig verlief der Weg ihrer Kollegin Pommer. Sie kam als Au-pair von der Elfenbeinküste nach Deutschland und „blieb wegen der Liebe“. Warum sie sich dann ausgerechnet eine technische Fachrichtung im Studium aussuchte: „Ich habe schon immer den Geruch von Asphalt geliebt“, sagt Annick Pommer. Beim Projekt in Kornwestheim geht es eher um Schienen – der Umschlagbahnhof wird um zwei Hunderte Meter lange Gleise erweitert.

Aber es geht auch um Eidechsen. „Ich habe eine gesehen“, sagt Pommer während des feierlichen Baustarts am Dienstag vergangener Woche. Um bauen zu können, müssen die auf der Fläche heimischen Eidechsen umgesiedelt werden. Dass so kurz vor dem Baubeginn noch welche gefunden werden, sei nicht schlimm, man befinde sich noch in der dritten und abschließenden Umsiedlungsphase und suche noch nach den Tieren.

Sexistische Sprüche

Lux und Pommer arbeiten mit einem männlichen Kollegen im Projektleitungsteam zusammen. Aber um sich auf der Baustelle zu behaupten, sei der nicht dabei. „Das können wir schon ganz gut alleine“, sagt Pommer. Vereinzelt kämen auch im Jahr 2024 noch sexistische Sprüche, die Regel seien diese aber nicht. Das Duo freut sich auf die Aufgabe und darauf, dass es jetzt bald losgeht mit den Arbeiten. Eine Besonderheit sei bei dem Projekt tatsächlich, dass man wortwörtlich auf der grünen Wiese baue und nicht auf bereits versiegelter Fläche.

Lux und Pommer sind zuversichtlich, den strammen Zeitplan bis Ende 2025 einhalten zu können. Auf die Frage, welche Unwägbarkeiten sie dabei aus der Bahn werfen könnten, kommt nur ein Wort: „keine“, sagt Lux.

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