Großbrand in Backnang Im Schlaf vom Feuer überrascht

Bei einem Brand in einem Wohnhaus in Backnang sterben sieben Kinder und ein Erwachsener, alle gehören zu einer türkischen Großfamilie. Die Stadt ist geschockt - und die Brandursache weiter unklar. Einen Anschlag schließen die Behörden aus.

 Foto: www.7aktuell.de | Oskar Eyb (103 Fotos) 34 Bilder
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Backnang - Entsetzen in den Gesichtern und Sprachlosigkeit. Die Menschen, die am Sonntagvormittag in Backnang an den Unglücksort gekommen sind, können nicht fassen, was passiert ist: ein nächtliches Feuer hat acht Familienmitglieder getötet, eine Mutter türkischer Herkunft und ihre sieben Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren. Die Suche nach den Opfern des Brandes ist schwierig, das Haus einsturzgefährdet.

Das ehemalige Gerbereigebäude in der Wilhelmstraße 33 ist seit Stunden weiträumig abgesperrt. Mehr als 100 Feuerwehrleute, Dutzende Beamte und Rotkreuzhelfer stehen auf der abgeriegelten Kreuzung. Die Ermittler sprechen von einem technischen Defekt an einem Holzofen als mögliche Brandursache, Genaueres kann noch keiner sagen. Drei Menschen konnten die Einsatzkräfte retten, der Vater der Familie sei nicht zu Hause gewesen, sagt die Polizei. In dem gelb getünchten Haus, das vom Ruß gezeichnet ist, habe die Großfamilie gelebt, erzählen die Umstehenden. Eine Mutter und zehn Kinder, die Eltern lebten angeblich getrennt. In der Brandnacht habe die Familie zudem Besuch gehabt.

Die Nachricht von der Tragödie in der schwäbischen Kleinstadt spricht sich schnell herum: Immer mehr Angehörige und Freunde der Familie eilen herbei, auch etliche Schaulustige stellen sich hinter den Polizeiabsperrungen auf. Männer, Frauen und Kinder, die meisten gehören zur türkischen Gemeinde von Backnang. Fast jeder weiß etwas zu erzählen.

Vielleicht ein Kurzschluss in der Elektrik

„Wir haben davon im türkischen Fernsehen gehört“, sagt ein Mann, der selbst in Backnang wohnt. Er steht vor dem türkischen Kulturverein Eyyüb Sultan Camii, keine 200 Meter vom Katastrophenort entfernt, und beobachtet die Feuerwehrleute. Er sei ein Freund eines Onkels der Familie. Schrecklich sei das alles, „ganz schrecklich“. An einen fremdenfeindlichen Anschlag glaubt er nicht. Die Türken in Backnang seien gut gelitten. „Wir haben keine Probleme hier.“ Es könnte ein zufälliges Unglück sein, vielleicht ein Kurzschluss in der Elektrik, spekuliert er. Die Bewohner hätten wegen der Leitungen schon bei dem Vermieter vorgesprochen.

Viele sagen, sie hätten die Familie gekannt. Der 13-jährige Enes und sein ein Jahr älterer Kumpel Nebi erzählen, dass der Vater der betroffenen Familie noch in der Nacht zum Haus gefahren sei und verzweifelt versucht haben soll, in das brennende Gebäude zu gelangen, um seine Kinder zu retten. Vergeblich. Polizisten hätten ihn zurückgehalten. „Es ist traurig, wenn Freunde sterben“, sagt Enes.




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