Gründer in der Corona-Krise Start-ups rufen nach eigenem Rettungsschirm

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Das ganze Netz der Jungunternehmen in Deutschland droht zu reißen. Hilfen müssen anders laufen als bei etablierten Firmen.

Das Land hat auf großen Start-up-Gipfeln seine Gründerlandschaft präsentiert. Sie ist nun bedroht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das Land hat auf großen Start-up-Gipfeln seine Gründerlandschaft präsentiert. Sie ist nun bedroht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Start-ups funktionieren anders als normale kleine bis mittlere Unternehmen, die der Staat, bei seinen Rettungsmaßnahmen in der Corona-Krise im Blick hat. „Sie haben da keine Hausbank, über die sie etwa Hilfskredite austeilen können“, sagt Adrian Thoma vom Bundesverband Deutsche Start-ups in Baden-Württemberg. Schon in normalen Zeiten sind diese Unternehmen in einer permanenten Liquiditätsklemme und haben kaum Rücklagen. Auch ihre Abhängigkeit von Investoren schafft andere Voraussetzungen als bei etablierten Firmen.

Für Baden-Württemberg noch kritischer: Hier hängen die meisten Gründungen von Geschäftskunden ab. Und während es im Konsumentenbereich das eine oder andere Start-up gibt, das etwa von mehr Online-Einkäufen oder von Rechtsberatung in der Corona-Krise profitieren kann, brechen diesen Unternehmen gerade massiv die Aufträge weg. „Was in normalen Zeiten eine Stärke des Südwestens ist, die Nähe zu vielen Geschäftskunden, wird in der Krise jetzt zur Achillesferse“, sagt Thoma.

Vier-Punkte-Katalog für Staatshilfen

Der Bundesverband Deutsche Start-ups hat deshalb einen Vier-Punkte-Katalog vorgestellt, der Staatshilfen auf die Situation dieser Unternehmen zuschneiden soll. So soll es binnen zwei Wochen für Start-ups in der Frühphase zinsgünstige Darlehen geben ohne größere bürokratische Prüfung – mit Ausnahme der Bonität. Bestehende Förderprogramme wie etwa das Förderprogramm Exist für Hochschul-Start-ups sollten flexibel verlängert werden. Bei Unternehmen, die bereits Investoren gewonnen haben, sollen diese durch eine staatliche Kofinanzierung ermutigt werden, die Krisenzeit mit zusätzlichen Finanzmitteln zu überbrücken.

Noch etwas weiter entwickelten Start-ups, die gerade in einer schnellen Wachstumsphase sind, solle mit staatlichen Kredithilfen unter die Arme gegriffen werden. Außerdem soll der Staat etwa über die Förderbank KfW eingreifen, wenn private Start-up-Investoren in Engpässe geraten, und ausfallendes Risikokapital kompensieren.

Rückschlag um ein Jahrzehnt droht

Christian Miele, Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups, richtete einen dringenden Appell an die Politik: „Wir wissen, dass die kommenden Wochen und Monate unser Ökosystem um viele Jahre, vielleicht sogar um ein Jahrzehnt zurückwerfen kann, wenn wir nicht schnell und substanziell handeln.“ Dabei müssten der Bund und die Länder eng zusammenarbeiten.

Adrian Thoma, der in Stuttgart das Start-up-Zentrum Steyg mitbetreibt, sorgt sich auch um die Kooperationen von eta­blierten Unternehmen mit Start-ups. „Da ist unbedingt unternehmerische Weitsicht gefragt, dass diese Programme jetzt nicht einer hastigen Sparpolitik zum Opfer fallen.“ Auch an diesem Punkt ist Baden-Württemberg wieder besonders verwundbar, weil hier eine derartige Zusammenarbeit mit etablierten Firmen sehr typisch ist. Während Start-ups mit der Umstellung auf das virtuelle Arbeiten keinerlei Probleme hätten, seien sie jetzt von vielen ganz neuen Fragen überfordert. „Auf einmal müssen sich Start-ups etwa mit dem Thema beschäftigen, wie eigentlich Kurzarbeit funktioniert. Das hielt man bisher ausschließlich für ein Thema der etablierten Wirtschaft.“

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