Grundsatzbeschluss in Freiberg am Neckar Ein Unterrichtsort für alle Schüler

Nach langer und heftiger Diskussion trifft der Gemeinderat die Entscheidung über die Grundschullandschaft in Freiberg. Die drei bisherigen Schulen werden einer großen, zentralen Schule weichen müssen.

Die neue Grundschule soll im Kasteneckpark entstehen. Da, wo bisher die Kasteneckschule steht, soll die Sporthalle hin. Foto: factum/Bach
Die neue Grundschule soll im Kasteneckpark entstehen. Da, wo bisher die Kasteneckschule steht, soll die Sporthalle hin. Foto: factum/Bach

Freiberg/Neckar - Die Stadt Freiberg am Neckar hat in ihrer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend die Weichen gestellt für ihre zukünftige Grundschulentwicklung. Anstelle der bisherigen drei Grundschulen in den jeweiligen Stadtteilen soll es in Zukunft nur noch eine große, zentrale Grundschule geben. Damit wird ein Schlussstrich gezogen unter die seit mehr als einem Jahr anhaltende Diskussion darüber, wie die Grundschullandschaft in Freiberg den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und pädagogischen Anforderungen angepasst werden kann.

„Wir dürfen diese Entscheidung nicht auf Grundlage von Erfahrung, Wissen und Werten von gestern fällen, sondern müssen mit ‚Augen von morgen’ darauf schauen“, mahnte der Bürgermeister Dirk Schaible die Stadträte vor der Abstimmung. Er selbst habe auch lange gebraucht, bis er sich für die Variante der einen Schule entschieden habe, halte sie aber für die beste. So schlug die Stadtverwaltung in der Vorlage denn auch den Grundsatz-Beschluss vor, am Kasteneck-Park eine neue, sechszügige Grundschule für 600 Schüler zu errichten. Die bisherige Kasteneckschule soll abgerissen werden, um Platz zu machen für eine neue Sporthalle und Sportaußenflächen.

Der Ausgang war bis kurz vor der Abstimmung nicht klar

Bis kurz vor der Abstimmung war nicht klar, für welche Variante der Gemeinderat stimmen wird. Zur Auswahl standen zwölf verschiedene Möglichkeiten, von der Erhaltung und der Sanierung aller drei bestehenden Grundschulen über verschiedene Modelle der Sanierung oder des Neubaus zweier Schulen bis hin zur von der Verwaltung favorisierten einen Grundschule im Zentrum. Grundlage dafür bildete eine im Februar vom Stuttgarter Architekten- und Ingenieursbüro GUS erstellte Machbarkeitsstudie, die die Alternativen unter den Gesichtspunkten Erreichbarkeit, pädagogische Qualität, Qualität des Schulgebäudes, Bauzeit und Kosten in eine Rangliste packte.

Laut Verwaltung hat die sechszügige Grundschule den Vorteil, dass keine Interimslösungen nötig seien: Während die Schule gebaut wird, findet der Unterricht weiter wie bisher statt. Die Bauzeit der neuen Schule sei mit 2,5 Jahren auch geringer als bei den Varianten. Die Kosten liegen mit 26 Millionen Euro im oberen Bereich, berücksichtigt man aber die Kosten in den nächsten 25 Jahren, kommt es den Schulträger etwa neun Millionen Euro günstiger als die Erhaltung aller drei Schulen – was die teuerste Variante gewesen wäre.

Die Eltern haben Bedenken wegen der „Mega-Grundschule“

Vor der Abstimmung plädierte Ralph Schmid, der Fraktionsvorsitzende der Offenen Grünen Liste, für die Erhaltung zweier kleinerer Schulen. Er wandte ein, dass der ökologische Aspekt in der Machbarkeitsstudie nicht berücksichtigt sei: Eine zentrale Schule würde auch mehr Verkehr im Zentrum bedeuten.

Sein FDP-Kollege Thomas Baum erwiderte: „Ist der Vorteil der Nähe wirklich groß genug, um die pädagogischen Nachteile zu rechtfertigen?“ Auch mit Blick auf die Chancengleichheit sei eine Schule die beste Lösung. Die angedachte zentrale Grundschule werde zudem kein „unpersönlicher, großer Moloch“, sondern „mehrere kleine Grundschulen an einem Standort“. Tatsächlich hatten viele Eltern bei einer Befragung Bedenken gegenüber einer „Mega-Grundschule“ geäußert.

Bei der Abstimmung selbst stimmten die Fraktionen nicht geschlossen ab. Zuerst fielen zwei per Antrag eingebrachte Alternativen durch, darunter auch jene Variante, die von GUS die meisten Punkte in der Machbarkeitsstudie bekommen hatte: der Neubau einer je dreizügigen Grundschule am Kasteneck und am Lugauf. Zum Schluss bekam der Vorschlag der Verwaltung mit 13 zu acht Stimmen die Mehrheit.




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