Guggenmusik zur Fasnet Wenn Nashörner Kornwestheim zum Beben bringen
In der Stadt sorgte das Guggen Open Air für turbulentes Getöse. Zahlreiche Guggenkapellen gaben sich ein fröhliches Stelldichein.
In der Stadt sorgte das Guggen Open Air für turbulentes Getöse. Zahlreiche Guggenkapellen gaben sich ein fröhliches Stelldichein.
Wer miterleben wollte, wie es sich anfühlt, wenn der Kornwestheimer Marktplatz in der Hand von närrischen Musikern ist, der hatte am Rosenmontag die Gelegenheit dazu: Das Guggen Open Air, das traditionell die Narren-Ober-Liga (NOL) der Stadt auf die Beine stellt, hatte die Fans von Fasching und Guggenmusik nämlich auch in diesem Jahr eingeladen.
Doch nicht nur Guggenkapellen mit eigenwilligen Namen wie etwa Obergrombacher Nashörner, Gmendr Altstadtfäger oder Oschtalb Ruassgugga waren gekommen, um den Besuchern musikalisch einzuheizen. Auch Mitglieder von Narrenzünften, die ohne Instrumente die Narrenzeit ausleben, zog es zielstrebig in Richtung Marktplatz: etwa Vertreter der Tammer Teufelsbrut oder jene vom Remsecker Zauberwald, die gekommen waren, um „den Umsatz hier ein wenig anzukurbeln“, wie es deren Hardtwaldtroll frohgemut zum Ausdruck brachte.
„Wir kommen jedes Jahr her“, sagte ein Narr, dessen Häs bei jedem Schritt feine, helle Klingeltöne von sich gab. Er fügte hinzu, dass die inzwischen zehn Jahre alte Remsecker Zunft aus Kindergarteneltern entstanden sei, die schließlich einen Narren-Verein gründeten, dessen „Mitglieder nur freundliche Masken tragen“. Am Marktplatz angekommen war turbulentes Getöse zu vernehmen. Das Stelldichein der Guggenmusiker ist lautstark und fröhlich. Die NOL Guggen, die Renegades, präsentieren bei diesem Festival nämlich nicht allein ihre Musik: weitere acht weitere Formationen aus Württemberg hatten sich für den Montag angemeldet. Unter ihnen auch die Querköpf aus Winnenden. Die spielfreudigen Musikanten warteten geduldig mit ihren neuen „Feierwehr-Kostümen“, die auffallend an Floriansjünger erinnerten – auf ihren Einsatz, während die Mitglieder vom „Gaszug Randen“ mit ihren schwarz bemalten Gesichtern und dem Wikinger-Outfit, bereits ihr Bestes auf der Bühne gaben.
Ebenfalls mit neuem Häs, das von Fellkragen geziert wird, waren etwa auch die HexaHeuler aus Freudenstadt an der buntschillernden Szenerie beteiligt. Ihre Gesichter waren zudem grün-silbern bemalt.
Julian von Mix Tour ist jetzt ein Jahrzehnt Mitglied bei der Guggen-Band, die es bereits seit 30 Jahren gibt. „Weil die letzten Tage schon etwas herb waren“, freut sich der Musiker allmählich wieder auf mehr Ruhe. „Es war eine tolle Phase, aber Erholung tut uns auch wieder gut“, meinte Julian aufrichtig. Sämtliche Gruppen nahmen nacheinander auf der im Dunkeln hell erleuchteten Show-Bühne Position ein und sorgten gemeinsam mit DJ Michael Meyle für lebhafte Stimmung und auch mal für kleine Tänzchen unter den Gästen.
Denn offensichtlich ist die Guggenmusik für viele Besucher ein unverzichtbares Lebensgefühl in der närrischen Zeit. Sie gehört für die Fasnetsfreunde ebenso dazu wie Krapfen oder Berliner. Die Gäste in Feierlaune ließen sich bereitwillig von den fetzigen Rhythmen mitreißen und trugen auch selbst – mit diversen Deko-Details – zur närrischen Freude bei. Wohin das Auge blickte: Strass-Steinchen, Glitzer, bunte Hüte, Perücken, Blinklichter und meterweise bunte Textilien, die Motiven wie Katze, Hexe, Fledermaus, Einhorn oder etwa Dracula nachempfunden sind. Sie alle sind mit von der Partie, wenn es Schräg-Schrilles auf die Ohren gibt.
Ungetrübt von Wetterkapriolen konnte das Festival bei rund zehn Plusgraden über die Bühne gehen. Und so war Glühwein weitaus weniger nachgefragt als die kühleren Getränke. Für den Hunger gab es an den Ständen Fleischkäsweck, Pommes und Bratwurst.