Hackfleischbällchen bei Ikea Köttbullar kommen gar nicht aus Schweden

Von  

Mit Schweden verbindet man Ikea und Kronprinzessin Victoria, Knäckebrot und Volvo – und natürlich Köttbullar, das traditionelle schwedische Gericht. Doch die beliebten Hackfleischbällchen kommen ursprünglich gar nicht aus dem Land der Mitternachtssonne.

Schwedisch mit türkischen Wurzeln: Köttbullar. Foto: Wikipedia commons/Dezidor/CC BY-SA 3.0
Schwedisch mit türkischen Wurzeln: Köttbullar. Foto: Wikipedia commons/Dezidor/CC BY-SA 3.0

Stockholm - Die weltberühmten schwedischen Hackfleischbällchen „Köttbullar“ sind der Höhepunkt eines jeden Ikea-Besuchs. Dazu eine helle Rahmsoße und Preiselbeerkompott. Schwedischer geht’s nicht. Was sweden.se, die offizielle Webseite des Landes Schweden, jetzt auf Twitter und Facebook vermeldet, ist allerdings harter Tobak für jeden eingefleischten Skandinavien-Fan:

„Schwedische Hackfleischbällchen basieren eigentlich auf einem Rezept, das König Karl XII. im frühen 18. Jahrhundert aus der Türkei nach Hause gebracht hat. Lasst uns an die Fakten halten!“

König Karl XII. brachte das Rezept aus dem Osmanischen Reich mit

Der schwedische König Karl XII., der von 1682 bis 1718 regierte, brachte sie als Importgut aus dem damaligen Osmanischen Reich mit in die Heimat. Nach seiner Niederlage gegen die russischen Truppen unter Zar Peter den Großen bei Poltawa 1709 floh Karl mit den Resten seiner Armee auf türkisches Gebiet.

Erst fünf Jahre später verließ der Schwedenkönig sein Exil in der moldawischen Stadt Bender – eine Sammlung von türkischen Rezepten im Gepäck. Darunter waren auch Köfte – kräftig gewürzte, gebratene, gebackene oder gegrillte Hackfleischbällchen, -röllchen oder -fladen aus Lamm- oder Rindfleisch. Sie sind in zahlreichen Variationen in der orientalischen Küche verbreitet.

Köfte und Köttbullar

Aus Köfte wurden Köttbullar, das schwedische Nationalgericht. Die Historikerin Annie Linnéa Mattsson von der Universität Uppsala erklärte der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, dass der König neben den Fleischbällchen auch Kohlrouladen und Kaffee importierte.

Und das sagt Ikea

„Uns war das so nicht bekannt. Aber Ikea ist auch nicht der Markenrecht-Inhaber von Fleischbällchen“, sagt Ikea-Unternehmenssprecherin Isolde Debus-Spangenberg. „In allen europäischen Ländern gibt es Hackfleischgerichte, die zum Kulturgut des Landes gehören. In Schweden sind irgendwann aus Hackbällchen Köttbullar geworden.“

Ikea könnte aus sicherer Quelle weder bestätigen noch dementieren, woher das Rezept für Hackfleischbällchen ursprünglich stammt, erklärt die Sprecherin. „Auch wenn die Schweden zugeben, dass Köttbullar in der Grundidee importiert worden ist, werden sie nach wie vor an Köttbullar als ihrem Nationalgericht festhalten – so wie die Deutschen es mit der Frikadelle tun.“