Hainbach in Esslingen Renaturierung als Win-Win-Win-Projekt

Von  

Es ist ein Mammutprojekt – der durch Esslingen fließendene Hainbach soll wieder sichtbar werden.

Der Hainbach soll bald durch grüne Auen fließen Foto: Horst Rudel
Der Hainbach soll bald durch grüne Auen fließen Foto: Horst Rudel

Esslingen - So etwas nennt man wohl eine Win-Win-Win-Situation. Mit dem Stadtentwicklungskonzept Esslinger Bachtäler, das sich als Pilotprojekt dem Hainbach widmet, schlägt die Verwaltung gleich drei Fliegen mit einer Klappe.

Zum einen wird der Hainbach, der aktuell oft verdohlt von Wäldenbronn nach Oberessslingen fließt und dort in den Neckar mündet, durch die Maßnahmen ökologisch immens aufgewertet. Schließlich soll mit dem auf immerhin 20 Jahre angelegten Projekt in zahlreichen Teilstücken der Bach wieder sichtbar gemacht werden, Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt und verschiedene Kleinbiotope geschaffen werden.

17 Zonen sollen umgestaltet werden

Katja Walther vom Stadtplanungsamt hat dazu insgesamt 17 Zonen entlang des Bachbetts ausfindig gemacht, die nicht nur als Biotope, sondern auch als Naherholungsgebiet oder als Fuß- und Radweg dienen können. Auch werden Retentionsflächen entstehen, in denen der Bach auch einmal ungestört über die Ufer treten darf. Es geht also nicht nur um den Schutz von Bachblumen und Amphibien. Auch die Bürger der Stadt sollen von den Renaturierungsmaßnahmen profitieren.

Zweitens kann die Verwaltung die Renaturierung des Hainbachs, dessen Kosten die Stadt aktuell mit der stattlichen Summe von rund 9,3 Millionen Euro beziffert, hervorragend als Ausgleichsmaßnahme für Versiegelungen in neu entstehenden Wohngebieten einsetzen. Da in der näheren und mittleren Zukunft der Wohnungsdruck in Esslingen mit großer Wahrscheinlichkeit weiter steigen wird, sich die Suche nach geeigneten Ausgleichsmaßnahmen vor Ort aber oft schwierig gestaltet, kommt ein solches Projekt den Verantwortlichen natürlich gerade recht.

Zumal, drittens, die Möglichkeit besteht, die Maßnahmen durch Zuschüsse des Landes mitfinanzieren zu lassen. Die Fördersummen sind erheblich: Die Förderrichtlinien Wasserwirtschaft des Landes Baden-Württemberg sehen Landeszuschüsse bis zu maximal 85 Prozent der Baukosten vor. Einen Zuschuss in dieser Höhe hat das Regierungspräsidium nun für das Pilotprojekt „Alte Talstraße“ nun zugesagt. Von den Baukosten – 122 000 Euro _ übernimmt das Land 104 000 Euro.

Die Renaturierung beginnt im Herbst

Noch im Herbst soll die Renaturierung im Bereich der Talstraße beginnen. Der Hainbach wird dabei auf einer Fließstrecke von 60 Metern naturnah ausgebaut. Unter anderem sollen zwei 1,5 Meter hohen Ufermauern abgebrochen und der Hainbach so verschwenkt werden, dass in diesem Bereich deutlich flachere Ufer entstehen können. Zudem sollen zwei durch Regenwasser gespeiste so genannte Himmelsteiche entstehen. Gerade sie, so erklärt das Esslinger Landratsamt, das die wassererechtliche Prüfung der Maßnahme übernommen hat, stellen „eine zusätzliche ökologische Bereicherung dar, indem hier neuer Lebensraum für Stillwasser- und Feuchtbiotop-Arten geschaffen wird.“